13. April 2026, 17:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Laut Mikrozensus 2022 des Statistischen Bundesamts heizen knapp 1,6 Millionen Haushalte mit Elektroheizungen. Bei der überwiegenden Mehrheit dürfte es sich um Nachtspeicheröfen handeln – eine Technologie aus den 1950er-Jahren. Sie laufen, sie heizen, kosten aber oft deutlich mehr als nötig. Ob ein Austausch sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab.
Funktionsweise von Nachtspeicherheizungen
Nachtspeicherheizungen funktionieren nach einem einfachen Prinzip: Elektrische Heizelemente erwärmen einen Kern aus Speichersteinen auf bis zu 600 Grad Celsius. Das geschieht nachts. Tagsüber geben die Steine die Wärme dann wieder an den Raum ab. Für das nächtliche Heizen bieten Versorgungsunternehmen günstigere Heiztarife an. Allerdings ist Nachtstrom in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden – auch weil steuerliche Vergünstigungen 2007 weggefallen sind.
Hohe Heizkosten durch Nachtstrom im Vergleich
Bei einem Strompreis von 20 Cent pro Kilowattstunde und einem Heizbedarf von 10.000 Kilowattstunden für eine 80-Quadratmeter-Wohnung fallen allein für die Heizung 2000 Euro Nebenkosten an. Dr.-Ing. Matthias Wagnitz, Referent für Energie- und Wärmetechnik beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), bringt es auf den Punkt: „Teurer als mit Nachtstrom zu heizen ist fast nicht möglich.“
Nachtspeicherheizungen brauchen nicht nur teure Energie, sie nutzen sie auch schlecht. Lediglich 30 bis 40 Prozent der eingesetzten Energie wandeln sie in Wärme um. Das wirft die Frage auf, ob ein Austausch nicht sinnvoll wäre.
Wann sich ein Austausch lohnt – und wann nicht
Grundsätzlich sind Nachtspeicherheizungen gesetzlich nicht verboten. Eine funktionierende Anlage darf weiterbetrieben werden. Seit 2024 gibt es allerdings Einschränkungen, wenn eine rein elektrische Heizung in einen Neubau mit mindestens drei Wohneinheiten eingebaut werden soll. „Generell dürfen bestehende Nachtspeicher nach dem aktuellen GEG weiterbetrieben werden. Es gibt keine Austauschverpflichtung“, bestätigt Wagnitz.
Ob ein Austausch sinnvoll ist, hängt seiner Ansicht nach stark vom Nutzungsprofil ab. Als Beispiel nennt er einen Ferienbungalow, der nur an wenigen Tagen beheizt wird und sonst lediglich frostfrei bleiben soll. „Je nach Dämmstandard sind die Energiekosten vermutlich niedrig und rechtfertigen keinen Totalaustausch.“ Auch als Zusatzheizung in selten genutzten Räumen können Nachtspeichergeräte sinnvoll sein.
Was moderne Nachtspeicherheizungen leisten
Moderne Nachtspeichergeräte nutzen Außentemperaturfühler und Wetterprognosen und lassen sich mit dynamischen Stromtarifen kombinieren, was sie effizienter macht. Diese Vorteile rechtfertigen aber keinen vollständigen Austausch vorhandener Geräte. „Moderne Nachtspeicherheizungen sind zwar etwas besser regelbar. Es handelt sich aber immer noch um Nachtspeicherheizungen. Insofern würde ich nur bei Ersatzbedarf nach Ausfall einen Nachtspeicher gegen ein vergleichbares, modernes Gerät austauschen“, sagt der Experte.
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Wärmepumpe als moderne Alternative
Wer die Energiekosten der Nachtspeicherheizung deutlich senken will, kommt um einen Wechsel der Energiequelle nicht herum. Der Umbau auf eine Wärmepumpe amortisiert sich trotz der Anschaffungskosten relativ schnell. Je nach baulichen Gegebenheiten und Dämmung des Gebäudes sinken die Energiekosten auf die Hälfte. Zudem ist eine Wärmepumpe klimafreundlicher. „Der Sprung von Nachtspeicher zu Wärmepumpe würde bei gleichem Komfort und gleichem Strom die CO2-Emissionen auf ein Drittel bis ein Viertel sinken lassen“, so Wagnitz. Auch der Wohnkomfort kann steigen, wie der Experte erklärt. Denn wegen der hohen Kosten der Nachtspeicherheizung bleiben manche Räume unbeheizt.
„Da der Hausanschluss der alten Nachtspeicher vermutlich für eine Wärmepumpe auskömmlich dimensioniert sein sollte, bieten sich die unterschiedlichen Wärmepumpentechniken an.“ Wer wechselt, hat verschiedene Optionen und sollte sich beraten lassen, um herauszufinden, ob eine Luft-Luft- oder Luft-Wasser-Wärmepumpe die bessere Wahl ist. Eine Energieberatung ist ohnehin sinnvoll, da viele energetische Maßnahmen förderungsfähig sind und für manche Förderungen sogar vorgeschrieben ist. Außerdem fällt es Laien schwer, alle Fördermöglichkeiten im Blick zu behalten.
Asbest in Nachtspeicheröfen
Wer Geräte aus der Zeit vor 1984 betreibt, sollte wissen, dass viele dieser Nachtspeicheröfen Asbest als Dämmmaterial enthalten können. Im laufenden Betrieb ist das Risiko für die Bewohnenden eher gering. Die Demontage solch alter Heizungen gehört aber in die Hände eines Fachbetriebs.