8. Mai 2026, 17:04 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wandfarbe lässt sich nicht nur mit Pinsel und Rolle auftragen, sondern auch sprühen. Mit einem Sprühsystem werden große Flächen schnell und gleichmäßig beschichtet, indem die Farbe fein zerstäubt und berührungslos auf die Wand gebracht wird. So bleiben Strukturen wie Raufaser oder Putz vollständig erhalten. Was praktisch klingt, funktioniert jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen und eignet sich nicht für jede Situation. myHOMEBOOK erklärt, was man beachten sollte.
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Die Vorteile des Sprühens
Der größte Pluspunkt des Sprühens ist das Tempo: Mit einem Sprühgerät lassen sich Wände deutlich schneller als mit der Rolle beschichten. Die Farbe verteilt sich gleichmäßig, Streifen und Ansätze entfallen, ebenso die typischen Pinselstriche und Rollenabdrücke. Auch schwer zugängliche Stellen, Ecken und filigrane Bereiche werden gut erreicht. Etwas Übung gehört aber dazu, damit diese Vorteile zur Geltung kommen.
Farbe sprühen hat auch Nachteile
Wer bislang nur mit Rolle und Pinsel gearbeitet hat, unterschätzt leicht, wie viel Arbeit in die Vorbereitung fließt. Was nach einer perfekten Alternative klingt, ist auch mit Nachteilen verbunden. Die Vorbereitung erfordert mehr Aufwand. Hinzu kommen die Anschaffung oder Miete eines Geräts sowie die anschließende Reinigung des Sprühgeräts.
Beim Streichen genügt es, Ränder, Sockelleisten und Lichtschalter abzukleben. Sprühnebel verteilt sich dagegen und kann in jede Ritze kriechen. Folie auf dem Boden ist Pflicht, ebenso müssen Möbel, Heizkörper, Fensterbänke und Türrahmen vollständig abgedeckt werden. Idealerweise wird auch Zugluft vermieden, damit sich die Farbpartikel nicht zusätzlich verteilen.
Herkömmliche Wandfarbe ist für die meisten Sprühgeräte zu zähflüssig. Je nach System sind etwa fünf bis zehn Prozent Wasser nötig. Diese müssen nach Herstellerangaben des Geräts schrittweise zugegeben werden. Ist die Farbe zu dick, verstopft die Düse des Sprühgeräts. Bei einer zu starken Verdünnung deckt die Farbe nicht richtig und verläuft schlimmstenfalls.
Anders als beim Streichen ist stärker auf den Arbeitsschutz zu achten. Eine Maske schützt vor dem Einatmen des Farbnebels. Eine Schutzbrille verhindert, dass Farbe mit den Augen in Kontakt kommt. Handschuhe sind ebenfalls wichtig.
Ist das Sprühen beendet, müssen die Geräte sofort gereinigt werden, denn antrocknende Farbe setzt Düsen und Pumpen zu. Das kann schnell eine halbe Stunde und mehr beanspruchen.
Schließlich verbraucht das Sprühen technisch bedingt etwas mehr Farbe. Das wird auch als „Overspray” bezeichnet.
Farbwahl und Vorbereitung
Nach Anleitung verdünnt sind alle gängigen Innenfarben sprühbar, klassische Dispersionsfarben wie auch Acryl-, Silikat- und Kalkfarben. Den Aufwand des Verdünnens ersparen Spezialfarben für Sprühsysteme, die allerdings teurer sind.
Der Untergrund sollte sauber, trocken, fett- und staubfrei sein. Das gilt zwar auch beim klassischen Streichen mit der Rolle, ist beim Sprühen aber noch wichtiger. Denn die zerstäubte Farbe legt sich hauchdünn auf die Fläche. Dadurch werden selbst kleine Makel stärker betont.
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Schritt für Schritt zum gleichmäßigen Anstrich
Ist der Raum vorbereitet, besteht der Anstrich nur aus wenigen Schritten.
- Die Farbe gründlich aufrühren, gegebenenfalls mit Wasser verdünnen und in den Behälter füllen.
- Das Gerät nach Herstellerangaben einstellen. In der Anleitung sind Hinweise zu finden, wie Düse, Strahlbreite und Luftstrom für den jeweiligen Untergrund einzustellen sind.
- Bevor es richtig losgeht, lieber einmal auf einem Stück Karton oder Tapetenresten probesprühen.
- Erst Ecken, Kanten und schwer zugängliche Stellen besprühen. Dann geht es an die großen Flächen. Dabei die Sprühpistole im rechten Winkel zur Wand halten. Der Abstand sollte 20 bis 30 Zentimeter betragen. In ruhigen, gleichmäßigen Bahnen arbeiten und jede Bahn leicht überlappen lassen.
Generell gilt: Mehrere dünne Schichten sind besser als eine dicke. Sonst bilden sich schnell Nasen und Tropfen. Bei strukturierten Oberflächen wie Raufaser oder Rauputz kreuzweise sprühen. Einmal waagerecht und einmal senkrecht.
Die typischen Anfängerfehler vermeiden
Es gibt drei typische „Überraschungen” für Einsteiger.
- Es entstehen Farbnasen oder Schlieren. Dann war vermutlich der Abstand zur Wand zu kurz. Oder aber das Handgerät wurde zu langsam geführt. Es ist also zu viel Farbe an der gleichen Stelle gelandet.
- Das Sprühen verläuft stockend oder es kommt gar keine Farbe. Dann ist die Düse verstopft. Die Farbe war zu dick oder wurde zu wenig aufgerührt.
- Die Farbe findet sich an Stellen, an denen sie nicht hingehört. Der Nebel darf nicht unterschätzt werden. Beim nächsten Mal besser abkleben.
Bei einer Sanierung oder Renovierung mit großen Flächen ist das Sprühen eine zeitsparende Alternative. Für kleinere Flächen dürfte die Arbeit mit der Rolle aber schneller gehen, weil Vor- und Nachbereitung hier weniger aufwendig sind.
Ich nutze das Sprühsystem für andere Dinge
„Vor Jahren war ich beim Zappen auf einem Homeshopping-Sender hängengeblieben. Und nach ein paar Minuten stand fest, dass ich unbedingt ein Sprühsystem brauche. Die Anschaffung habe ich nie bereut, habe Wandfarbe aber nur einmal verarbeitet. Das war mir schlicht zu viel Arbeit. Aber beim Lackieren von Sandkisten oder der neuen Lasur für die Gartenmöbel möchte ich auf das Gerät nicht verzichten. Gerade weil es viele Stellen einfach schneller als der Pinsel erreicht und mit etwas Übung ein tolles Ergebnis erzielt wird.“