9. Februar 2026, 14:21 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
„Wände müssen atmen“ – diese Annahme ist weit verbreitet. Andernfalls, so heißt es, würde in gut gedämmten Häusern rasch Schimmel entstehen. Doch entspricht das tatsächlich der Realität? Fachleute haben dazu eine eindeutige Einschätzung.
Schimmel wegen Wärmedämmung? Das sagt ein Experte
Schimmel in der Wohnung kann nicht nur der Bausubstanz, sondern auch der Gesundheit schaden. Ein häufiger Mythos besagt, dass eine Wärmedämmung die Entstehung von Schimmel begünstigt, weil Wände angeblich nicht mehr „atmen“ könnten. „Dies ist jedoch ein Irrglaube“, so Zukunft Altbau, ein vom Umweltministerium Baden-Württemberg gefördertes Informationsprogramm.
„Lässt eine Wand doch Luft durch, ist sie baufällig“, so Frank Hettler von Zukunft Altbau. Intakte Wände sind laut dem Experten stets luft- und winddicht. Der Austausch erfolgt ausschließlich durch Lüften, undichte Fenster oder Lüftungsanlagen.
„Wände müssen atmen“ – woher der Mythos stammt
Der Mythos der atmenden Wand hat seinen Ursprung in einem wissenschaftlichen Irrtum aus dem Jahr 1858. Damals schloss der Forscher Max von Pettenkofer fälschlicherweise, dass Ziegelwände luftdurchlässig seien. Die Grundlage für diesen Irrtum war ein Experiment, bei dem Pettenkofer zum Ergebnis kam, Ziegelwände seien atmungsfähig. Dabei irrte er sich laut Zukunft Altbau aber gewaltig.
Pettenkofer dichtete damals in einem Büroraum alle Fugen zwischen den Fenstern und Wänden ab und nahm dann eine Luftwechselmessung vor. Das Resultat: Die Messdaten unterschieden sich nicht wesentlich vom Ergebnis vor der Abdichtung.
Allerdings hatte er dabei den Ofen und seinen Rauchabzug nach außen übersehen, so Zukunft Altbau. Vermutlich war auch die Raumdecke undicht – so konnte Luft entweichen. Einige Jahrzehnte später widerlegte der Physiker Ernst Raisch diese These. Er wies nach, dass der Austausch feuchter Innenluft nicht über die Wände erfolgt. Doch der Mythos, dass Wände atmen, hält sich bis heute.
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Wie sich eine Wärmedämmung auf Schimmel auswirkt
Eine Wärmedämmung spielt tatsächlich eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung von Schimmel. Gedämmte Außenwände haben nämlich eine höhere Oberflächentemperatur, wodurch Feuchtigkeit aus der Raumluft nicht kondensieren kann.
Eine durchgängige Wärmedämmung vermindere laut Hettler das Schimmelrisiko enorm. Denn dadurch steigt die Temperatur an den Innenseiten der Außenwände – was verhindert, dass sich Feuchtigkeit aus der Luft auf ihnen niederschlägt. Das Dämmen sei laut Zukunft Altbau daher eine sehr effektive Strategie gegen Schimmel.
Was wirklich gegen Schimmel hilft
In Altbauten oder Neubauten, die nicht ausreichend getrocknet sind, kann unzureichendes Lüften Schimmel an der Außenwand begünstigen. Eine fachgerechte Dämmung reduziert dieses Risiko erheblich, indem sie die Wandtemperatur erhöht und Kondensation verhindert.
Die beste und einfachste Strategie gegen Schimmel ist aber ein regelmäßiger Luftaustausch. Laut dem Umweltbundesamt sollten die Fenster mehrmals täglich für fünf bis zehn Minuten weit geöffnet werden. Alternativ kann eine Lüftungsanlage die feuchte Luft effektiv nach außen befördern. Ein Hygrometer kann zudem dabei helfen, die Luftfeuchtigkeit im Blick zu behalten.
Mit Material der dpa