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Gibt es etwas Hässlicheres als Wand-Tattoos?

Meinung zu Wand-Tattoos
Statt in Bilderrahmen bringen viele poetische Sprüche lieber mithilfe von Tattoos direkt an die WandFoto: Getty Images

Lebensweisheiten, motivierende Phrasen oder lässige Sprüche – die Auswahl an Wand-Tattoos ist riesig. Während viele die vermeintlich coolen oder schönen Klebebilder voller Stolz als Aushängeschilder in ihrer Wohnung nutzen, sind sie für myHOMEBOOK-Redakteurin Laura Graichen der Inbegriff des schlechten Geschmacks. Ein Meinungsstück.

Man lernt jemanden kennen, versteht sich gut und wird früher oder später zum ersten Mal in dessen Wohnung eingeladen. Neugierig werden natürlich erst mal die verschiedenen Räume inspiziert – immerhin verrät eine Wohnung viel über ihren Besitzer.

Wand-Tattoo – das Arschgeweih des Interior Designs

„Live Love Laugh“, „Carpe diem“ oder „Cappuccino – Latte Macchiato – Kaffee“ sind drei der besonders einfallsreichen Wand-Tattoos, die ich schon bei Freunden zu Hause entdecken musste. Die Schrift dabei möglichst verschnörkelt mit einem schwungvollen Strich darunter, um die Botschaft noch eindrucksvoller zu machen. Ganz besonders furchtbar wird das Ganze, wenn es noch von Schmetterlingen, glitzernden Sternen oder gezeichneten Kaffeetassen umringt ist – die Perfektion des schlechten Geschmacks. Ein Griff in die Kiste der unverzeihlichen Deko-Fauxpas‘, bei denen man sich an den Kopf fasst und fragt: Wie kann man das schön finden?

Früher gab es eine Zeit, in der Wand-Tattoos quasi die Boho-Wand-Teppiche von heute waren. Ich erinnere mich, dass in Tine Wittlers Sendung „Einsatz in 4 Wänden“ das Wand-Tattoo nie fehlen durfte, um einem Raum den besonderen letzten Schliff zu verpassen. Seitdem ist aber viel Zeit vergangen und ich hatte gehofft, dass Wand-Tattoos genauso wie Salzlampen oder Perlenvorhänge für immer in der Versenkung verschwinden würden. Mitnichten.

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Neue Zeiten, noch schrecklichere Designs

Stattdessen sind die Designs der Deko–Klebchen aus der Hölle noch „kreativer“ geworden. Wand-Tattoos gibt es mittlerweile in 3D-Optik, sie sind nicht mehr nur gezeichnet, sondern auch als reelle Fotos erhältlich. Man kann sogar eigene Fotos in das Tattoo integrieren und sich damit auf ganz individuelle Weise die Wand verschandeln. Und natürlich ist auch die Auswahl an fragwürdigen Poesiealbum-Sprüchen gewachsen. Ein paar Beispiele gefällig?

  • „Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.“
  • „Hinfallen, aufstehen, Röckchen richten, weitertanzen.“
  • „If you can dream it you can do it“
  • „Der frühe Vogel kann mich mal.“

Man sollte meinen, dass einem diese klebenden Albträume nachgeworfen werden müssten, damit sie überhaupt Abnehmer finden. Tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: Je nach Größe werden stolze Preise verlangt. Man zahlt etwa zwischen 25 Euro (45x30 cm) und 100 Euro (140x210 cm) pro Wand-Tattoo. Und wieder stellt sich mir die Frage: Wer kauft so etwas freiwillig und wo würde man sich so was aufhängen wollen?

Die einzige Ausnahme für Wand-Tattoos

Meiner Meinung nach gibt es nur ein Zimmer, in dem Wand-Tattoos hängen dürfen: das Kinderzimmer. Viele Anbieter verkaufen auch kindliche Motive wie bunte Tiere, Planeten, Pflanzen oder Weltkarten. Mit denen kann man weiße Wände aufhübschen und für niedliche Highlights im Raum sorgen, ohne gleich zu tapezieren. Mein Highlight ist ein Sternenhimmel, der im Dunkeln leuchten kann – zugegeben, kein klassisches Wand-Tattoo. Deshalb gefällt es mir wahrscheinlich auch. Den könnte ich mir sogar im Schlafzimmer eines Erwachsenen vorstellen – eben ganz ohne Schnörkel, Federn oder Buddha-Zitate.