23. August 2026, 9:31 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Alle kennen ihn und aus der Interior-Welt ist er nicht mehr wegzudenken: der Teddy-Plüsch-Trend, der sich bereits seit mehreren Jahren hartnäckig in der Szene hält. Ob das Sofa im Wohnzimmer, der Bezug auf dem Stuhl oder der neue Überwurf auf dem Bett – der Stoff ist überall. Doch die wenigsten wissen, woher der Kuschelstoff überhaupt kommt und warum er nicht unbedenklich ist. myHOMEBOOK hat sich damit auseinandergesetzt und berichtet über die Herkunft, Herstellung und Schattenseiten des Trends.
Folgen Sie jetzt myHOMEBOOK bei WhatsApp
Was ist Teddy-Plüsch eigentlich?
Technisch gesehen ist Plüsch ein textiles Flächengebilde mit einem aufrecht stehenden oder geschwungenen Faserflor. Ähnlich dazu ist der Samt, der jedoch mit deutlich höherem, aber weniger dichtem Flor hergestellt wird. Genau diese Struktur sorgt für die typische fellartige Optik und die weiche Oberfläche, die an das Fell eines Teddybären erinnert, woher der Stoff seinen Namen hat.
Zur Einordnung: Teddy-Plüsch wird im Interior- und Modekontext gerne in einem Atemzug mit Bouclé genannt. Dabei handelt es sich aber um zwei unterschiedliche Materialien, die zwar ähnlich aussehen und sich ähnlich anfühlen, jedoch sehr verschieden in der Herstellung sind. Bouclé entsteht durch Weben, zeigt eine sichtbare Schlingenstruktur und wirkt dadurch eleganter und flacher. Dagegen hat Teddy-Plüsch aufgeschnittene Fasern und dadurch eine deutlich flauschigere, weichere Optik. Wer beide Stoffe unterscheiden möchte, kann sich an einer simplen Faustregel orientieren: Sind Schlingen erkennbar, handelt es sich um Bouclé – wirkt der Stoff eher wuschelig, ist es Teddy-Plüsch.
Auch interessant: Warum jetzt wieder alle mit dunklen Holzmöbeln einrichten wollen
Vom Mohair-Bären zum Massenstoff
Die Geschichte des Stoffes reicht um über ein Jahrhundert in die Vergangenheit zurück. Der erste Teddy-Plüsch steckte, wenig überraschend, in einem Teddybären. Im Jahr 1902 entwarf Richard Steiff, der Neffe der Firmengründerin Margarete Steiff, den ersten Spielbären der Welt. Er nannte ihn „Bär 55 PB“. Der Bär war 55 Zentimeter groß; das P stand für Plüsch und das B für beweglich.
Bei dem Material, das er für den Bären verwendete, handelte es sich um Mohairfell. Mohair ist die Wolle der Angoraziege und schmeichelt besonders durch ihren weichen, glänzenden und strapazierfähigen Charakter. Allerdings war diese auch teuer und aufwendig zu verarbeiten.
Doch nicht nur das Erscheinungsbild des Bären, sondern auch sein Material, aus dem er besteht, hat sich seither mehrfach gewandelt. Da aufgrund der beiden Weltkriege Mohair knapp wurde, entschieden sich Hersteller, auf alternative Ersatzstoffe wie zellstoffartige Materialien auszuweichen. Ab den 1950er-Jahren konzentrierte man sich vorwiegend auf die Herstellung aus Kunstfasern wie Dralon.
Heute besteht der Teddy-Plüsch, ob im Kuscheltier oder auf dem Sofa, meistens aus Polyester oder besonders weichem Polyacrylgarn, teils gemischt mit Baumwolle.
Woher hat der Teddybär seinen Namen?
Laut Steiff verdankt der Bär seinen bis heute gängigen Namen „Teddy” dem ehemaligen US-Präsidenten Theodore, „Teddy”, Roosevelt, der sich bei einem Jagdausflug dagegen entschied, einen angebundenen Bären zu erschießen. Allerdings räumen unabhängige Museen wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ein, dass sich dieser genaue Anlass der Namensgebung trotz intensiver Recherchen nie zweifelsfrei bestätigen ließ. Letztendlich ist es nebensächlich, wie genau er zu seinem Namen kam. Der Teddy eroberte die Herzen und machte den Bären zum weltweiten Verkaufsschlager.
Auch interessant: Mit diesen Tipps können Sie die Wohnungseinrichtung richtig planen
Warum ist der Teddy-Plüsch-Trend gerade jetzt so angesagt?
In unseren Wohnungen und Häusern sitzt der Teddy-Plüsch längst nicht mehr als Stofftier auf dem Sofa – er ist das Sofa, der Sessel oder der Kissenbezug. Der Grund für die Beliebtheit ist simpel, denn der Stoff ist weich, warm, gemütlich und auch nach häufigem Nutzen noch sehr robust. Zudem ist er ein echter Hingucker im Interiordesign. Er lässt sich vielfältig mit warmen und dunkleren Farbtönen kombinieren und setzt den perfekten Kontrast zu natürlichen Materialien wie Holz, Wolle oder Baumwolle. Der flauschige Look wird so perfekt in Szene gesetzt, ohne dass der Raum überladen wirkt, und kreiert somit eine gemütliche Atmosphäre zum Entspannen.
So schön der Stoff auch ist, er ist nicht wasserabweisend. Das führt dazu, dass Flecken dementsprechend sehr schnell sichtbar sind, vor allem bei den beliebten Farbtönen wie Weiß oder Beige. Es empfiehlt sich daher, bei großen Möbeln auf einen abnehmbaren, waschbaren Bezug zu achten. So lassen sich die Flecken gezielt behandeln, statt das ganze Möbelstück reinigen zu müssen.
Dieser Stoff für Polstermöbel ist jetzt angesagt
Die Trends auf der weltgrößten Möbelmesse in Mailand
Die Schattenseite des Teddy-Plüsch
Was wäre eine gute Sache ohne einen Nachteil? Auch der kuschelige Teddy-Plüsch hat ein dreckiges Geheimnis, denn er ist sehr kritisch in Bezug auf Nachhaltigkeit. Gerade raue, langflorige Oberflächen wie diese oder Fleece-Stoffe geben beim Waschen besonders viele Mikrofasern ab. Lose Fasern aus der Produktion lösen sich beim Waschgang und gelangen so über das Abwasser letztendlich in Flüsse und Meere. So verlieren Fleece-Pullover laut einer Studie pro Waschgang schätzungsweise bis zu 1900 Fasern. Die Arbeiterkammer Oberösterreich betont zudem ausdrücklich, dass auch recyceltes Polyester hierbei keine reale Alternative darstellt, da das Mikrofaserproblem unabhängig dessen Herkunft besteht.
Kuschelfaktor mit Fragezeichen
Vom Mohairfell des weltweit ersten Teddybären bis zum Polyester-Sofa im Wohnzimmer – der Teddy-Plüsch hat sich vom aufwendigen Naturprodukt zum pflegeleichten Massenmaterial entwickelt. Während der Kuschelfaktor immer gleich ist, bleibt die Frage, aus welchem Material er künftig kommen wird, offen. Erste Hersteller experimentieren bereits mit Alternativen wie Hanf oder recycelten PET-Flaschen. Auch hier wird allerdings das Problem mit den Kunststofffasern, die beim Waschen verloren gehen, nicht gelöst.
Am Trend selbst dürfte das ohnehin nichts ändern. Der Wunsch nach einem Zuhause, das sich wie eine Umarmung anfühlt, scheint selbst nach mehreren Jahren Teddy-Plüsch-Trend noch nicht abgeflacht zu sein.