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Nachgefragt

Warum Bettwäsche-Sets oft mehrere Kissenbezüge beinhalten

Auch wenn viele Menschen nur ein Kissen nutzen, enthalten viele Sets häufig zwei Kissenbezüge
Auch wenn viele Menschen nur ein Kissen nutzen, enthalten viele Sets häufig zwei Kissenbezüge Foto: Getty Images
Carolin Chytrek
Carolin Chytrek Freie Autorin

12. September 2026, 9:18 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Dem Schlafzimmer einen frischen Look zu verleihen, ist einfacher als gedacht: Ein neues Set Bettwäsche kann sowohl die Einrichtung als auch das Schlafgefühl im Nu verändern. Bei der Anschaffung kommt man allerdings nicht selten ins Staunen: Bettwäsche-Sets enthalten gelegentlich mehr Kopfkissen als Deckenbezüge. Was steckt dahinter?

Wer Bettwäsche kauft, kennt das Bild: Man öffnet eine neu gekaufte Packung und es fallen neben dem Deckenbezug gleich zwei Kissenbezüge heraus. Während der eine direkt zum Einsatz kommt, wandert der andere gerade in Single-Haushalten häufig in den Wäscheschrank. Ein Phänomen, dem myHOMEBOOK-Autorin Carolin Chytrek jetzt auf den Grund gegangen ist.

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Enthalten Bettwäsche-Sets immer zwei Kissenbezüge?

Tatsächlich gehören zwei Kissenbezüge in einer Bettwäschepackung keineswegs zum Standard. myHOMEBOOK hat bei einem deutschen Hersteller für Bettwäsche angefragt. Dort hängt beispielsweise die Zusammenstellung von der Größe des Deckenbezugs ab. Ist dieser zwei Meter breit oder mehr, werden zwei Kissenbezüge angeboten. Der Hintergrund ist einfach, wie ein Sprecher des Unternehmens erklärt: „Klassischerweise wird eine so große Decke von zwei Personen gemeinsam genutzt und dann werden natürlich auch zwei Kissenbezüge benötigt.“

Bei kleineren Decken ist das anders. Die bei vielen Herstellern angebotene Standardgröße von 135 × 200 Zentimetern bieten viele mit nur einem Kissenbezug an. Auch bei der Komfortgröße 155 × 220 Zentimeter liegt häufig ein Kissenbezug bei. Skandinavische Anbieter wie Ikea oder Jysk setzen dabei allerdings auf abweichende Deckengrößen für den deutschen Markt. Das Einzelbett-Set hat dort ein Deckenmaß von 140 × 200 oder 155 × 220 Zentimetern. Die Doppelbettvariante misst 240 × 220 Zentimeter und enthält zwei Kissenbezüge.

Internationale Unternehmen wie H&M Home oder Zara Home bieten eine Reihe an Größen an, um damit verschiedene Länder mit unterschiedlichen Normen erfolgreich abzudecken. Diese Handhabung macht deutlich: Die Anzahl der Kissenbezüge folgt weniger der Frage, wie viele Kissen tatsächlich benutzt werden. Entscheidend ist, für wie viele Personen die Bettdecke gedacht ist.

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Was in Deutschland als Standard gilt

Ähnlich wie bei anderen Textilien gelten in Deutschland auch für Bettwäsche feste Größen. Das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) dokumentierte sie bereits vor einigen Jahrzehnten. In der Norm 61603-1 aus dem Jahr 1969 wurden für Bettbezüge zwei Gebrauchsgrößen nach der Wäsche festgelegt: 135 × 200 und 155 × 200 Zentimeter.

In dem Dokument heißt es: „Zweck dieser Festlegung ist es, die bisher üblichen Schnitt- oder Fertiggrößen von Bettbezügen durch Gebrauchsgrößen […] zu ersetzen. Gleichzeitig soll durch Verringerung der Anzahl der Größen die Herstellung, Lieferung und Lagerhaltung erleichtert werden.“ Maße für Kissenbezüge seien in der DIN-Norm nicht enthalten, verrät Julian Pinnig, Pressesprecher des Institutes. In Deutschland hat sich die Größe 80 × 80 Zentimeter durchgesetzt. Daneben bieten einige Hersteller auch Kissenbezüge in 40 × 80 Zentimetern an.

Die DIN definiert keinen internationalen Standard. Deshalb nutzen andere Länder teilweise abweichende Bettwäschegrößen. So zum Beispiel in Österreich. „Die in den jeweiligen Ländern gebräuchlichen Größen haben sich im Laufe der Zeit durch regionale Hersteller, Nutzungsgewohnheiten und die jeweilige Wohnkultur herausgebildet“, so Pinnig. „Hochwertige Bettdecken und Kissen sind in der Regel eine langfristige Anschaffung, daher gibt es eine entsprechend anhaltende Nachfrage für etablierte Größen.“ Die heute im Handel angebotenen Größen gehen allerdings über diese historischen DIN-Gebrauchsgrößen hinaus.

Warum gibt es überhaupt Sets?

Dass Bettwäsche im Set verkauft wird, ist keineswegs eine neue Erfindung. Historische Beispiele zeigen, dass zusammengehörige Kissen- und Bettbezüge bereits vor mehr als 100 Jahren existierten. So dokumentiert das Ikea-Museum eine Kollektion von Duvet-Covern aus den Jahren 1975/1976, die das Möbelhaus bereits als Set verkaufte. Noch älter ist ein Fund aus dem frühen 20. Jahrhundert, der im Museum of Ethnography in Budapest präsentiert wird.

Welche Rolle wirtschaftliche, gestalterische und praktische Gründe beim Verkauf von Sets gespielt haben, lässt sich nicht pauschal sagen. Einen praktischen Vorteil hat die Kombination aber bis heute. Beide Bezüge können dann – so der Sprecher des Bettwäscheherstellers – aus derselben Stoffbahn kommen. In diesem Fall handele es sich dann auch wirklich um den gleichen Farbton. Würde beide nämlich nicht aus derselben Charge stammen, weil man die Bezüge getrennt kauft, könnten unter Umständen verschiedene Farben erkennbar sein und die Stoffe würden farblich nicht mehr so gut zusammenpassen. Das Set ist damit nicht nur eine Verkaufsform, sondern kann auch Qualitäts- und Gestaltungsaspekte erfüllen.

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