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Wetterphänomen

Was bedeutet der Altweibersommer für Garten und Pflanzen?

Was der Altweibersommer für Garten und Pflanzen bedeutet
Im Spätsommer steigen die Temperaturen noch einmalFoto: Getty Images

Die letzten warmen Tage im Jahr werden Altweibersommer genannt. Aber was haben ältere Damen eigentlich damit zu tun? Ein Meteorologe erklärt das Phänomen und gibt eine Prognose ab für das weitere Gartenwetter.

Nimmt der späte Sommer noch mal an Fahrt auf, wird das Wetterphänomen auch Altweibersommer genannt. Vielen ist die Bedeutung des Namens jedoch nicht ganz klar. Jörg Riemann von der Wettermanufaktur erklärt auf Nachfrage von myHOMEBOOK, woher die kuriose Bezeichnung stammt: „Der Name kommt von Spinnweben, die in dieser Jahreszeit besonders häufig schweben, da sich die jungen Spinnen an ihren Spinnweben fliegend durch die Luft treiben und wehen lassen. Diese Spinnweben funkeln in der Sonne und geben im übertragenen Sinne die Weisheit der älteren Frauen wieder. Sie erinnern die Menschen an das graue Haar alter Frauen, an ihre Weisheit.“

Altweibersommer: Spätsommerlich scheint die Sonne durch ein Spinnennetz
Untrügliches Zeichen für den Altweibersommer: Die Schatten werden länger Foto: Getty Images

Wann tritt der Altweibersommer auf?

In der Regel ab dem 20. September. In diesem Jahr scheinen die älteren Damen es jedoch etwas eiliger zu haben. „Was wir derzeit erleben, ist ein verfrühter Altweibersommer“, sagt Meteorologe Riemann. Er fügt an, dass es von der konkreten Windrichtung und vom Zeitraum des Auftretens abhängt, wie warm es zum Altweibersommer tatsächlich wird.

Der Altweibersommer trete übrigens deshalb auf, weil sich die Temperaturen der Meere und Kontinente allmählich angleichen – großräumig gesehen. „Die Folge der Angleichung der Temperaturen der Meere und Kontinente ist eine Abnahme der Dynamik, also der vermehrten Entstehung von ruhigen Hochdruckwetterlagen, wozu der Altweibersommer gehört“, erklärt Jörg Riemann.

Gibt es das Wetterphänomen auch auf anderen Kontinenten?

Ja. Allerdings nicht in den Tropen. Dort ist es in der Regel konstant feuchtwarm. An der US-Ostküste gibt es hingegen ein berühmtes Pendant zum hiesigen Altweibersommer. Riemann sagt: „In Amerika nennt man den Zeitraum ‘Indian Summer‘. Die Bezeichnung nimmt Bezug auf die dort intensivere Färbung der Bäume gegenüber der Bäume in Mitteleuropa.“

Droht jetzt noch einmal Trockenheit?

Nein, zumindest nicht in einem bedrohlichen Ausmaß, allenfalls kurzzeitig, der nächste Regen stehe dann allerdings schon „Gewehr bei Fuß“, so Riemann. „Alles in allem entspricht dieser Wetterablauf auch dem im Frühherbst zu erwartenden Ablauf, was der Natur sichtlich guttut.“

Anfangs sah es so aus, als würde es wieder ein Extrem-Sommer werden. Im Laufe des Jahres wurde jedoch klar: Die Wetterlage normalisiert sich. Und das wird wohl auch so bleiben. Riemann erklärt: „Extreme Situationen sind nicht mehr so lang ausgeprägt wie 2018 und 2019. Dafür spricht auch der deutliche Rückgang der sogenannten Wärmesummen seit Januar 2020 gegenüber den letzten beiden Jahren.“ Das sei ein sicheres Zeichen, dass die Südlagen, also die Wetterlagen mit den heißen beziehungsweise sehr warmen Luftmassen, zurückgingen.

Was bedeutet Wärmesumme? Alle täglichen Temperaturdurchschnittswerte über 18 Grad werden aufsummiert.

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Kommen nach dem Altweibersommer frühzeitig Kälte, Frost und Schnee?

Auch hier kann der Wetter-Experte besorgte Hobbygärtner beruhigen. „Da sich das Wetter normalisiert, bedeutet das auch einen höheren Prozentsatz von ‘normalen‘ Wetterlagen für unsere Breiten. Die sind in der Regel Atlantik-geprägt. Der Atlantikeinfluss verhindert auch die längere Dauer von Extremen. Erste Fröste am Boden können aber sicher schon auftreten, wenn kurzzeitig Polarluft heranweht“, erklärt Jörg Riemann.

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Warmer Altweibersommer – warmer Winter?

Riemann ist der Meinung, dass die Anzeichen eher für einen durchschnittlichen Winter stehen. „Jedenfalls nicht für so einen extrem milden wie im letzten Winter 2019/2020.“ Durchschnittlich bedeute das in unseren Breiten Temperaturschwankungen um null Grad. Das zeigt sich dann im typischen Schmuddelwetter: Wechsel von Tauwetter und Frost und gelegentlichen Niederschläge teils als Schnee, teils als Regen.

„Vor allem in Gebirgen gibt es dann zeitweise winterliches Wetter. Aber eben nicht dauerhafte Winterkiller-Werte zwischen plus fünf und plus zehn Grad – oder gar noch milder“, so Riemann. Ob das am Ende auch für längere Frostperioden reiche, die aus Richtung Skandinavien und Russland heranwehen müssten, bleibe aber zunächst abzuwarten.