11. Februar 2026, 16:21 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Mehrfachsteckdosen sind in vielen Haushalten allgegenwärtig – und dennoch ein oft unterschätztes Risiko. Wer zu viele oder die falschen Geräte anschließt, riskiert überhitzte Leitungen und im schlimmsten Fall einen Wohnungsbrand. Doch welche Elektrogeräte gehören nicht an eine Mehrfachsteckdose? Ein Elektroexperte klärt auf.
Was wirklich an Mehrfachsteckdosen angeschlossen werden darf
Viele verlassen sich auf die Angaben auf dem Typenschild von Mehrfachsteckdosen. Demnach sollen sie bis zu 16 Ampere oder 3600 Watt aushalten können. Doch das ist laut Expertenmeinung trügerisch. „Mehrfachsteckdosen sind generell nicht für große Lasten ausgelegt“, stellt Andreas Habermehl vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) auf myHOMEBOOK-Anfrage klar.
Der Hintergrund: Zwar könne eine Steckdose kurzzeitig diese Leistung liefern, für eine dauerhafte Belastung sind aber weder die Mehrfachsteckdose selbst noch das zugehörige Kabel konzipiert. „Wird die Mehrfachsteckdose tatsächlich dauerhaft mit der Maximalleistung belastet, kann dies zu einer unzulässigen Erwärmung der Steckdose und des Kabels führen“, warnt der Profi.
Diese Geräte dürfen nicht an eine Mehrfachsteckdose
Grundsätzlich kann man Mehrfachsteckdosen verwenden – allerdings mit Bedacht. „Mehrfachsteckdosen kann man an Stellen im Gebäude verwenden, an denen Geräte mit geringer Leistung verwendet werden sollen.“ Beispiele sind Arbeitsplätze mit PC, Monitor, Router oder einer Ladestation.
Problematisch wird es jedoch bei leistungsstarken Geräten. „Keinesfalls sind Mehrfachsteckdosen für Geräte mit höherer Leistung wie Kühlschränke, Heißluftfritteusen und besonders Heizlüfter zu verwenden.“ Ansonsten könne es mittelfristig zu den oben beschriebenen Risiken kommen.
Passend dazu: Wie viele Geräte an eine Mehrfachsteckdose dürfen
Unterschätzte Brandgefahr bei Mehrfachsteckdosen
Ein weiteres Risiko ergibt sich aus dem Zusammenspiel mit der Hausinstallation. Zwar sind Wandsteckdosen in der Regel ebenfalls mit 16 Ampere abgesichert, doch das hilft im Ernstfall wenig. Denn der Leitungsschutzschalter – umgangssprachlich „Sicherung“ genannt – reagiert auf Stromstärke, nicht auf Überhitzung. Eine gefährliche Kombination, wie Habermehl betont. „Sind leicht brennbare Stoffe in der Nähe oder gar in Kontakt mit der Mehrfachsteckdose, kann es zu einem Brand kommen.“ Als Beispiel nennt der Experte etwa Gardinen, die sich in unmittelbarer Nähe zur Mehrfachsteckdose befinden.
Die wiederholte Nutzung mit hoher Last hat darüber hinaus einen weiteren Effekt. „Wird eine Mehrfachsteckdose sehr oft mit einer hohen Leistung belastet, altern zudem Kontakte und Isolierung schneller und es kommt zu erhöhten Übergangswiderständen, was wiederum die unzulässige Erhitzung beschleunigt und verstärkt.“
5 häufige Brandursachen in Haus und Wohnung
Wie viele Geräte an eine Mehrfachsteckdose dürfen
Warum fest installierte Steckdosen langfristig sinnvoller sind
Angesichts der steigenden Anzahl von Geräten im Haushalt sind Steckdosenleisten vielerorts eine praktische Lösung – aber keine sichere. „Mehrfachsteckdosen sollten nur eine Not- beziehungsweise Übergangslösung und grundsätzlich keine Dauerlösung sein“, so der Experte.
Im Rahmen des Gebäudetyp-E-Konzepts steht aktuell zur Diskussion, die Zahl fester Steckdosen zu reduzieren, um flexibler und günstiger bauen zu können. Doch laut Habermehl greift das zu kurz. „Die Zahl der elektrischen Geräte in Haushalten und Unternehmen steigt jedoch seit Jahren kontinuierlich. Und die Erfahrung zeigt: Gibt es zu wenig Steckdosen, kommen in den meisten Haushalten Mehrfachsteckdosen zum Einsatz.“
Habermehl rät daher zu einem vorausschauenden Blick. „Deshalb gilt es, den Sicherheitsaspekt im Auge zu behalten, denn durch die extensive Nutzung von Mehrfachsteckdosen entstehen Gefahren.“ Und auch wirtschaftlich lohnt sich eine nachhaltige Planung: „Eine sichere und zukunftsfähige Ausstattung ist daher langfristig auch wirtschaftlich die bessere Lösung, weil sonst eine teure Nachrüstung erforderlich werden kann.“
Achtung bei Mehrfachsteckdosen und Balkonkraftwerken
Eine besonders kritische Anwendung betrifft sogenannte Steckersolargeräte – umgangssprachlich auch „Balkonkraftwerk“ genannt. Obwohl es eigentlich ohnehin nicht erlaubt ist, kommt es laut Habermehl in der Praxis immer wieder vor, dass Laien ihre Balkon-PV-Anlage über eine Mehrfachsteckdose einspeisen.
Das Problem: Die erzeugte Einspeisung kann die 16-Ampere-Grenze der Sicherung überschreiten – ohne dass diese auslöst. „Hier kommt noch hinzu, dass eine Überlastung durch die Einspeisung über die 16 A-Grenze der Sicherung hinausgehen kann, da der Leitungsschutzschalter den erhöhten Stromfluss nicht bemerkt.“ Damit besteht laut dem Experten „Gefahr für Leib und Leben“.