8. November 2026, 13:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer regelmäßig Kerzen nutzt, dem ist es bestimmt schon öfter aufgefallen: Wenige Minuten nach dem Anzünden bilden Kerzen einen mittigen Tunnel, während am Rand ein Wachsrest zurückbleibt. Aber warum eigentlich?
Ein Kerzentunnel ist ärgerlich, da er mit der Zeit immer tiefer werden kann und so ein Teil des Wachses ungenutzt bleibt. Damit es gar nicht erst dazu kommt, lohnt sich ein Blick auf die Ursachen. myHOMEBOOK hat mit Constanzé Gillé, Geschäftsführerin, und Han Lugtmeijer, Obmann des Güteausschusses der RAL-Gütegemeinschaft Kerzen e. V. über das Alltagsproblem gesprochen. Sie erklären, warum es zum sogenannten Tunneln kommt und verraten, wie sich das Problem vermeiden lässt.
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Warum tunnelt eine Kerze?
Wenn Kerzen nur im Bereich des Dochtes abbrennen und am Rand ein fester Wachsrest übrig bleibt, dann hat sich ein sogenannter Tunnel gebildet. Eine Ursache dafür ist laut RAL eine zu kurze Brenndauer beim ersten Anzünden.
Die Experten sprechen dabei vom Memory-Effekt. „Kerzen ,merken‘ sich beim ersten Anzünden, wie weit das Wachs schmilzt. Wird die Kerze zu früh erstickt, bevor die gesamte Oberfläche flüssig ist, schmilzt sie bei späteren Brennvorgängen meist nur noch in diesem Bereich“, erklären Gillé und Lugtmeijer. Neben einer zu kurzen Brenndauer können laut den Experten auch niedrige Raumtemperaturen oder Zugluft dazu führen, dass eine Kerze tunnelt.
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So vermeidet man eine tunnelnde Kerze
Um zu vermeiden, dass eine Kerze tunnelt, empfehlen sie den ersten Brennvorgang zu vollenden. Das bedeutet, die Kerze soll beim ersten Anzünden so lange brennen, bis die oberste Wachsschicht bis zum Rand flüssig geworden ist und sich ein Wachspool gebildet hat. Hat sich bereits ein Tunnel gebildet, ist es deutlich schwieriger, die Ränder noch gleichmäßig herunterzubrennen.
Anders verhält es sich bei Stumpenkerzen, die häufig auf Adventskränzen oder als Dekorationselement verwendet werden. Diese Kerzen kann man retten, indem man den Wachsrand abschneidet. Dazu erklären die Experten: „Am besten schneiden Sie das weiche Wachs nach dem Löschen vorsichtig mit einem Messer ab. Bei Kerzen mit einem Durchmesser von mehr als 40 mm sollte das zwischen 1 und 2 Zentimeter oberhalb der Brennschüssel erfolgen.“
Kann man eine Kerze noch retten, wenn der Docht beschädigt ist?
Mehrdochtkerzen anzünden, ohne sich zu verbrennen
Vorsicht vor Hacks aus dem Internet
Auch im Internet kursieren Tipps, mit denen sich tunnelnde Kerzen retten lassen sollen. Besonders häufig wird dabei Alufolie empfohlen. Der obere Rand der Kerze wird dafür von außen mit Alufolie umwickelt. Die Mitte bleibt frei, damit der Docht ausreichend brennen kann. Die Folie soll die Wärme speichern und dadurch dafür sorgen, dass das Wachs gleichmäßiger schmilzt.
Die RAL rät von solchen Methoden ausdrücklich ab. „Die Alufolie kann dabei eine Temperatur von mehreren hundert Grad erreichen und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, das in Verbindung mit Zugluft zu unkalkulierbaren Risiken führen kann“, so die Experten. Auch von der Backofen-Methode rät die RAL ab. Die Kerze soll dabei für fünf bis zehn Minuten bei 50-60 Grad Celsius in den Backofen gestellt werden. Das überschüssige Wachs wird anschließend abgegossen.
Diese Rolle spielt die Länge des Dochts
Für die Tunnelbildung ist die Dochtlänge laut den Experten zwar nicht allzu entscheidend, sie beeinflusst jedoch die Kerzenflamme. Bei einem zu langen Docht kann eine Kerze rußen oder eine zu große, unruhige Flamme entwickeln, schildern sie. In diesem Fall sollte man den Docht vorsichtig kürzen. Ist der Docht hingegen zu kurz, kann auch die Flamme zu klein ausfallen. „Nach den Hinweisen der Gütegemeinschaft Kerzen beträgt die ideale Dochtlänge etwa 10 bis 15 mm“, erläutern Gillé und Lugtmeijer.
Wer beim Kerzenkauf auf Qualität achten möchte, kann sich am RAL-Gütesiegel orientieren, das von der Gütegemeinschaft Kerzen e. V. verliehen wird. Kerzen mit diesem Siegel tropfen nicht, sind ruß- und raucharm und bestehen aus gütegesicherten Rohstoffen.