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Profi warnt vor kuriosem Trick gegen Kälte in der Wohnung

Fenster Winter
Um die Kälte auszusperren, soll ein einfacher Trick helfen. Was sagt ein Experte dazu? Foto: Getty Images / Tatiana Dvoretskaya
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Felix Mildner
Redaktionsleiter

7. Januar 2026, 15:04 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Bei klirrenden Außentemperaturen werden manche erfinderisch. So soll etwa ein vermeintlicher Trick mit Luftpolsterfolie am Fenster die Wohnung vor Kälte schützen. Das raten zumindest einige Seiten im Internet. Wir haben bei einem Experten nachgefragt, was diese Maßnahme wirklich bringt.

So soll Luftpolsterfolie am Fenster vor Kälte schützen

Nach der Weihnachtszeit sammelt sich in vielen Haushalten Verpackungsmüll – unter anderem auch Luftpolsterfolie. Laut verschiedenen Internetseiten soll man diese nicht entsorgen, sondern als günstiges Dämmmaterial nutzen können: einfach zurechtschneiden, mit der Bläschen-Seite nach innen auf das angefeuchtete Fenster kleben – fertig. Die Folie soll durch das Wasser am Glas haften bleiben und über den ganzen Winter hinweg Wärmeverluste verringern. Vor allem bei älteren oder schlecht isolierten Fenstern soll sich dadurch die Heizleistung reduzieren lassen. So weit zumindest die Theorie.

Experte warnt vor der Methode: „Keine sachgerechte Lösung“

Doch was sagen Fachleute zu dem Trend? myHOMEBOOK hat beim Verband Fenster + Fassade (VFF) nachgefragt. Das klare Urteil: „Aus Sicht des VFF ist das Anbringen von Luftpolsterfolie auf Fensterscheiben keine sachgerechte Lösung zur Reduzierung von Wärmeverlusten“, erklärt Frank Lange, Geschäftsführer des VFF.

Zwar kommt hier ein physikalisches Prinzip zum Einsatz – Luft als Dämmstoff –, doch in der Praxis sei diese Methode lediglich eine provisorische Notlösung. „Insbesondere geht ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Fenstern verloren: die ungehinderte, klare Durchsicht und Tageslichtnutzung“, so Lange.

Fenster sind laut dem Experten mehr als nur Energiedämmung – sie wirken sich auch auf Wohnkomfort, Sicherheit und Ästhetik aus. Diese Aspekte würden durch solche improvisierten Maßnahmen erheblich beeinträchtigt.

Nur minimale Dämmwirkung – vor allem bei modernen Fenstern

Auch die energetische Wirksamkeit der Methode stuft der Verband als deutlich überbewertet ein. „Die zu erwartende Dämmwirkung ist sehr begrenzt und steht in keinem Verhältnis zu dem Eindruck, der in den Medienberichten vermittelt wird“, stellt der VFF-Experte klar.

  • Bei Einfachverglasung könne es eine leichte Verringerung des Wärmeverlusts geben.
  • Bei modernen Isolier- oder Wärmeschutzverglasungen sei der Effekt jedoch minimal und kaum messbar.
  • Im Vergleich zu neuen Fenstern liege das mögliche Einsparpotenzial um ein Vielfaches niedriger.

Lange bringt es auf den Punkt: „Ein neues, energetisch hochwertiges Fenster reduziert Wärmeverluste dauerhaft und deutlich – Luftpolsterfolie kann dies weder technisch noch wirtschaftlich ersetzen.“

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Diese Risiken können entstehen

Doch nicht nur die geringe Dämmwirkung ist aus Sicht des VFF problematisch – sogar potenzielle Schäden können dabei auftreten. Zu den Nachteilen zählen laut Verband:

  • Verlust von Transparenz und Tageslicht, was die Wohnqualität beeinträchtigt.
  • Keine Hinterlüftung zwischen Glas und Folie – dadurch Risiko von Feuchtigkeitsansammlungen.
  • Ungleichmäßige Temperaturverteilung auf der Scheibe, hauptsächlich bei direkter Sonneneinstrahlung.
  • Mögliches Risiko für thermisch bedingten Glasbruch, da moderne Fensterverglasungen solche Belastungen nicht vertragen.
  • Keine bautechnische Prüfung, keine Dauerhaftigkeit, keine Normkonformität.

„Gerade moderne Verglasungen reagieren empfindlich auf lokal unterschiedliche Temperaturspannungen, die durch Folienanwendungen zusätzlich verstärkt werden können“, warnt der Fensterexperte.

Besser in neue Fenster investieren

„Der VFF rät klar davon ab, auf solche Behelfslösungen zu setzen.“ Stattdessen empfiehlt Lange: „Der Austausch alter Fenster durch moderne, energieeffiziente Fenster amortisiert sich in der Regel innerhalb weniger Jahre durch deutlich geringere Heizkosten.“ Zudem gebe es staatliche Förderungen, die die Investition erleichtern. Wer also wirklich Energie sparen will, sollte auf langfristige, geprüfte Lösungen setzen – statt auf Luftpolsterfolie am Fenster.

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