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Nachgefragt

Vorfall bei Reinhold Beckmann! Wie kann ein Boiler „implodieren“?

Boiler
Laut Experten ist es eher unwahrscheinlich, dass ein Boiler implodiert – auch wenn ein elektrischer Heizstab verbaut ist Foto: Getty Images / Igor Paszkiewicz
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Felix Mildner
Redaktionsleiter

13. Februar 2026, 10:52 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Anfang Februar 2026 wurde das Haus von Moderator, Musiker und Autor Reinhold Beckmann in Hamburg überflutet. Medienberichten zufolge soll ein Boiler in den Räumen über seiner Wohnung die Ursache gewesen sein. Beckmann erfuhr während einer Indienreise von dem Vorfall – nun braucht er eine neue Bleibe. Doch wie realistisch ist es überhaupt, dass ein Boiler „implodiert“? myHOMEBOOK hat sich bei Experten erkundigt.

Wasserschaden durch Boiler im Obergeschoss

Laut Berichten entstand der Schaden durch einen Boiler in den über Beckmanns Wohnung liegenden Räumen. Das austretende Wasser setzte offenbar das gesamte Haus unter Wasser.

Dass ein solcher Schaden entstehen kann, ist grundsätzlich möglich, aber eher unwahrscheinlich. „In seltenen Fällen habe ich davon gehört, dass Boiler ‚leckgeschlagen‘ sind und somit große Mengen Wasser austreten“, erklärt Florian Bublies, Fachreferent Heizungstechnik bei der Verbraucherzentrale NRW, auf Anfrage von myHOMEBOOK. „Passiert das im Obergeschoss, läuft das ganze Wasser durch die Geschossdecken in die darunterliegenden Geschosse und führt hier zu erheblichen Bauschäden.“

Reinhold Beckmann
In der Hamburger Wohnung des Moderators Reinhold Beckmann kam es zu einem Wasserschaden Foto: picture alliance / SZ Photo | Rainer Unkel

Implosion oder Explosion – was ist technisch möglich?

Unklar ist bislang, um welche Art von Gerät es sich im Fall Beckmann handelte – um ein Kochendwassergerät oder einen klassischen Warmwasserspeicher. „Beide pflegen weder zu implodieren noch zu explodieren“, erklärt ein Techniker vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima auf Anfrage von myHOMEBOOK.

Was genau unterscheidet überhaupt eine Implosion von einer Explosion? „Der wesentliche Unterschied zwischen implodiert und explodiert liegt in der Richtung der wirkenden Kraft und der Bewegung der Masse“, erläutert Bublies. „Während bei einer Explosion Energie nach außen wirkt, zieht sich Materie bei einer Implosion in sich selbst zusammen.“

Überdruck als mögliche Ursache

„Was sein kann, ist natürlich ein durch Überdruck beschädigter Speicher“, meint der Heizungstechniker. Ursache könne etwa ein defektes oder falsch montiertes Sicherheitsventil sein. „Beim Hochheizen steigt der Druck im Speicher. Das führt dann irgendwann zu Materialversagen, zum Beispiel an einer Schweißnaht am Speicher.“ In einem solchen Fall entstehe ein Riss, durch den Wasser austrete. „Das kann dann natürlich in großen Mengen erfolgen, weil ja immer Frischwasser nachfließt“, erklärt der Profi vom Heizungsverband.

Allerdings baue sich der Druck bei einem solchen Materialversagen unmittelbar ab. „Es gibt also bis auf das permanent auslaufende Wasser keinen Schaden“, stellt der Techniker klar. Hintergrund ist, dass Wasser physikalisch nicht komprimierbar ist. Der Überdruck verschwindet daher sofort, sobald das Material nachgibt.

Auch interessant: Boiler oder Durchlauferhitzer? Die Vor- und Nachteile

Wann es gefährlich werden könnte

Anders sähe es aus, wenn Wasser im Speicher so stark erhitzt würde, dass es verdampft. Dann würde der Druck erheblich steigen. Der Techniker spricht hierbei von einem „konstruierten Fall“. Im Fall eines Materialversagens würde sich der Druck nicht sofort abbauen, da sich der entstandene Dampf zunächst entspannen müsse – vergleichbar mit einem Ballon, aus dem nach dem Loslassen noch längere Zeit Luft entweicht.

„Dieses Entspannen des Dampfes wäre gefährlich und würde zu einem Explosions-Schadensbild führen“, sagt der Techniker. Voraussetzung wäre jedoch, dass das Wasser im Speicher entsprechend stark erhitzt wird. „Das ist bei einem herkömmlichen Kessel unmöglich, weil die Wärmeübertragung über das Heizungswasser erfolgt.“ Damit lasse sich eine Temperatur von 100 Grad Celsius nicht überschreiten.

Theoretisch denkbar sei ein solches Szenario bei einem elektrischen Heizstab. „Dann müsste auch der Speicher extrem lange den Druck gehalten haben“, meint der Techniker. „Alles nicht undenkbar, aber sehr, sehr unwahrscheinlich.“

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Besonderheit bei Kochendwassergeräten

Handelt es sich um ein Kochendwassergerät, ist die Lage noch eindeutiger. Dabei handele es sich um einen elektrischen Kleinspeicher bei der Küchenspüle, um Trinkwasser schnell auf Siedetemperatur zu bringen. „Hier kann sich auch bei kochendem Wasser kein Druck aufbauen“, stellt der Techniker klar.

Nach Einschätzung der Experten spricht daher vieles gegen eine tatsächliche Implosion oder Explosion. Technisch wahrscheinlicher ist ein Leck infolge von Materialversagen oder Überdruck – mit teils erheblichen Wasserschäden, jedoch ohne explosionsartiges Schadensbild.

Wie kann man vorbeugen?

Um solche Szenarien – so unwahrscheinlich sie auch sein mögen – zu vermeiden, rät Bublies zu einer durchdachten Planung. „Daher sind meine Empfehlungen, dass große Warmwasserspeicher optimalerweise in Untergeschossen aufgebaut werden“, so Bublies. Zusätzlich könnten – abhängig vom Wasservolumen – sogenannte Leckagewannen installiert werden, die austretendes Wasser auffangen.

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