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Schneelast auf Solaranlagen – was Hausbesitzer beachten sollten

Solaranlage Schnee
Die Schneeschicht schmälert den Ertrag der Solaranlage Foto: Getty Images
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13. Januar 2026, 17:24 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn das Dach unter einer dichten Schneedecke verschwindet, die auch die Solarmodule unter sich begräbt, dürften sich Hausbesitzer fragen, ob sie eingreifen müssen. Können die Module der Solaranlage Schaden nehmen und müssen sie von Schnee und Eis befreit werden?

Die Wintersonne strahlt, aber das Dach ist vollständig mit Schnee bedeckt. Da stellen sich die Besitzer von Solaranlagen schon die Frage, ob sie jetzt wie bei Autoscheiben zu Schnee- und Eiskratzern greifen müssen, um die „weiße Pracht“ zu entfernen. Denn klar ist ja, dass die Schneeschicht den Ertrag der Anlage schmälert.

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Wie stark beeinträchtigt Schnee den Ertrag der Solaranlage?

Das Winterhalbjahr zwischen Oktober und März ist für die Besitzer von PV-Anlagen mit einer landwirtschaftlichen Flaute zu vergleichen. In diesem Zeitraum sind die Erträge stark rückläufig. So ist es keine Seltenheit, dass im Dezember gerade mal ein Zehntel der Erträge in einem sonnigen Juni erzielt wird.

Ganz zum Erliegen kommt die Stromproduktion allerdings in den seltensten Fällen. Das UV-Licht der Sonne kann auch noch Schneedecken von bis zu 15 Zentimetern durchdringen. Bei niedrigen Temperaturen erhöht sich paradoxerweise sogar der Wirkungsgrad der Module. Dies liegt daran, dass die Leitfähigkeit für Strom in einem Halbleiter bei geringeren Temperaturen zunimmt.

Muss Schnee von den Modulen entfernt werden?

„Eine Photovoltaikanlage muss in der Regel nicht wie eine Autoscheibe von Schnee oder Eis befreit werden“, erklärt ein Sprecher vom Bundesverband Solarwirtschaft e. V. auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Die Module sind für sehr tiefe Temperaturen ausgelegt und funktionieren auch bei Frost zuverlässig.“

Solarmodule besitzen einen selbstreinigenden Effekt. Trifft Sonnenlicht auf die Module, erzeugen sie Spannung und erwärmen sich leicht. Dieser kleine Temperaturunterschied sorgt dann oft dafür, dass (eine Neigung von mindestens 30 Grad vorausgesetzt) der Schnee von selbst abrutscht. Der Effekt wirkt besser, wenn die Module rahmenlos sind. Die untere Kante eines Rahmens ist ein mechanisches Hindernis, das erst überwunden werden muss.

Den Schnee aktiv zu entfernen, kann dann sinnvoll sein, wenn die Module über einen längeren Zeitraum vollständig bedeckt bleiben oder aufgrund der baulichen Gegebenheiten wie bei einem Flachdach Schnee nicht abrutschen kann. Da aber, wie bereits erwähnt, der Ertrag in den Wintermonaten ohnehin gering ausfällt, dürfte der minimale Ertragsgewinn den Aufwand kaum rechtfertigen.

Auch interessant: Lohnt sich eine Solaranlage eigentlich auch im Winter?

So lässt sich Schnee sicher entfernen

„Als Privatperson sollte man keinesfalls selbst aufs Dach steigen, Unfallgefahr!“, warnt der Sprecher. „Sollten sehr große Schneemengen den Ertrag über einen langen Zeitraum vollständig blockieren, kann eine Räumung ausschließlich durch Fachbetriebe erfolgen.“

Wer die Module gut erreichen kann, etwa durch nahegelegene Dachflächenfenster, und seine Module vom Schnee befreien will, kann das tun. Er muss aber vorsichtig vorgehen, Sicherheit geht vor. Mit einem weichen Besen oder einer Schneebürste kann der Schnee zum Abrutschen gebracht werden. Dabei sollten die Module aber möglichst nicht berührt werden.

Gänzlich ungeeignet und somit tabu sind hingegen scharfe Werkzeuge wie Schneeschaufeln oder Kratzer. Die können die Glasoberfläche der Module beschädigen. Auch das Abkratzen von Eis kann schnell zu Mikrorissen in der Struktur führen und damit zu dauerhaften Schäden. Keinesfalls darf heißes Wasser eingesetzt werden. Ein sogenannter „thermischer Schock“ kann Glasschäden verursachen und schlimmstenfalls das Glas zum Zerplatzen bringen. Vereiste und verschneite Dachflächen bergen Absturzgefahren. Eine direkte Begehung sollte vermieden werden.

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Halten meine Module denn Schneelast stand?

Hausbesitzer, die aus Angst wegen der Schneelast, die Module vom Schnee befreien wollen, dürfen sich zurücklehnen. Solarmodule sind robust konstruiert. Standard-Module halten einem Druck von bis zu 2400 Pascal stand, was 240 Kilogramm pro Quadratmeter entspricht. Für schneereiche Gebiete gibt es sogar Module, die bis zu 5400 Pascal (540 Kilogramm pro Quadratmeter) aushalten.

In Abhängigkeit von der Zusammensetzung entwickelt Schnee eine unterschiedliche Dichte und damit Gewicht. Eine Schneedecke von zehn Zentimetern Pulverschnee wiegt etwa zehn Kilogramm pro Quadratmeter. Sehr nasser Schnee bei gleicher Decke wiegt dann schon 40 Kilogramm pro Quadratmeter. Gefriert er, wiegt der schnell das Doppelte. Diese Werte sind aber noch weit von der Belastungsgrenze der Solarmodule entfernt.

Bei klassischen Spitzdächern ist die Betrachtung der Höchstlast in der Regel unnötig, da aufgrund der Neigung der Schnee kontinuierlich abrutschen wird. Unabhängig von der Bestückung mit PV-Modulen können Schneelasten für Flachdächer werden. Das wissen aber die Besitzer solcher Immobilien ohnehin.

Vorsicht vor Dachlawinen

Mechanische Beschädigungen der Solarmodule durch Schneemassen sind also verhältnismäßig unwahrscheinlich. Hausbesitzer sollten die Schneedecke auf dem Dach aber aus einem anderen Grund beobachten. Denn sie sind gesetzlich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass von der Immobilie keine Gefahr ausgeht. Und hier kommen die PV-Module doch wieder ins Spiel.

Die glatte Oberfläche der Module plus die mögliche Erwärmung begünstigen nämlich das schnellere und unkontrollierte Abrutschen der Schneedecke. Und je nach Neigungswinkel und Last können solche „Dachlawinen“ viel Schwung entwickeln und einige Meter von den Hauswänden niedergehen. Nimmt dann eine Person oder Sache (z. B. ein in der Nähe geparktes Auto) Schaden, besteht gegen den Hausbesitzer ein Anspruch auf Schadensersatz. Hauseigentümer sollten daher auf ausreichende Schneefangsysteme achten. Schneefanggitter sollten ausreichend dimensioniert sein. Am besten mit einem Dachdeckerbetrieb sprechen, ob vorhandene Schutzmaßnahmen auch bei einem mit PV ausgestatteten Dach ausreichen.

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