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Absurde Feiertagsgesetze

Darf man an Sonn- und Feiertagen eigentlich Fenster putzen?

Darf man am Sonntag oder an einem Feiertag Fenster putzen?
Darf man sonntags Fenster putzen oder riskiert man damit den nachbarschaftlichen Frieden?Foto: Getty Images

An Sonn- und Feiertagen soll die Arbeit ruhen. Doch mitunter hat man an solchen Tagen mal Zeit für längst fällige Hausarbeiten. Wie wäre es, den freien Tag beispielsweise mal wieder für die Fensterreinigung zu nutzen? Oder darf man das sonntags gar nicht?

„Sonn- und Feiertage werden mietrechtlich gleichbehandelt. Es gilt den ganzen Tag die sogenannte Sonntagsruhe. Die Ruhezeiten werden durch das Sonn- und Feiertagsgesetz in den Bundesländern geregelt. Gemeinden können auch weitergehende Regelungen beschließen“, erklärt Dr. Jutta Hartmann, Pressesprecherin des Deutschen Mieterbundes, auf Nachfrage von myHOMEBOOK. In den erwähnten Sonn- und Feiertagsgesetzen werden Sonntage und gesetzliche Feiertage „als Tage der allgemeinen Arbeitsruhe“ definiert. „Grundsätzlich gilt, dass deshalb alles zu unterlassen ist, was die Ruhe des Tages stört, alles, was geräuschintensiv ist oder belästigend nach außen in Erscheinung tritt“, so die Expertin. Das Fensterputzen am Sonntag verursacht in der Regel keinen Lärm. Und doch kann es weitreichendere Auswirkungen als nur saubere Fensterscheiben nach sich ziehen.

Staubsaugen ist erlaubt, Fensterputzen nicht?

Gesetzlich ist es nicht verboten, sonntags staubzusaugen, obwohl eine ganztägige Ruhezeit gilt. Die Geräusche eines Staubsaugers fallen unter die übliche (und auch sonntags gestattete) Zimmerlautstärke. Diese darf aber eben nicht überschritten werden. „Staubsaugen wie auch Wäschewaschen sind Tätigkeiten, die nicht nach außen sichtbar sind und zum üblichen Gebrauch einer Wohnung gehören. In der Regel werden Nachbarn durch diese Geräusche auch nicht über Gebühr belastet. Aber auch hier müssen etwaige Vorgaben in der Hausordnung beachtet werden“, weiß Hartmann.

Die Rechtslage fürs Fensterputzen am Sonntag

Laut den Sonn- und Feiertagsgesetzen sind „öffentlich bemerkbare Handlungen, die dem Wesen der Sonn- und Feiertage widersprechen, verboten.“ Da das Fensterputzen nach außen hin sichtbar ist, fällt es demzufolge unter die untersagten Arbeiten. Allerdings legt jedes Bundesland für sich diese Gesetze anders fest und aus. Bayern und Baden-Württemberg sind beispielsweise in ihren Bestimmungen relativ streng. Im Gegensatz dazu fallen in Schleswig-Holstein „nicht gewerbsmäßige Betätigungen in Haus und Garten“ nicht unter die reglementierten Tätigkeiten der Sonn- und Feiertage.

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Das sonntägliche Putzen wäre in diesem Bundesland also theoretisch möglich. Ob es das auch praktisch ist, ist jedoch Auslegungssache: „Ob man sonntags Fenster putzen darf, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten. Hier kommt es auf den Einzelfall an, beispielsweise auf die Frage, ob sich Nachbarn aufgrund der Lage des Fensters gestört fühlen könnten.“ Auch Regelungen im Vertrag oder der Hausordnung sind ausschlaggebend. Um Streit zu vermeiden, rät die Expertin des Deutschen Mieterbundes im Zweifel jedoch, das Fensterputzen auf einen Werktag zu verschieben.

Was passiert, wenn man trotzdem sonntags Fenster putzt?

Wer sonntags das Putztuch doch nicht ruhen lassen möchte, riskiert laut Hartmann nicht nur den Unmut der Nachbarschaft. Im schlimmsten Falle droht sogar eine Abmahnung und bei wiederholtem Verstoß die Kündigung. „Dies ist aber immer eine Frage des Einzelfalls und eher unwahrscheinlich.“ Fühlen sich Nachbarn durch das Putzen belästigt, könnten sie dies auch als Ordnungswidrigkeit beim Ordnungsamt melden. Das Missachten der Sonn- und Feiertagsgesetze kann je nach Bundesland mit 5.000 bis 10.000 Euro Bußgeld geahndet werden.

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