9. März 2026, 6:19 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
In den Medien kursieren seit einiger Zeit verschiedene Meldungen über seltsame Markierungen und Symbole auf dem Klingelbrett. Wobei es sich dabei handeln könnte, erklärt myHOMEBOOK in diesem Artikel.
Oft sind es Buchstabenkombinationen wie „VH“, Zahlen, ein „X“ oder ein unscheinbarer Punkt neben dem Klingelknopf. Der rbb berichtete im Dezember 2025 über eine angebliche codierte Geheimsprache unter Paketboten. „VH“ soll für Vorderhaus stehen, eine Zahl wie „5“ für eine Etagenangabe, „X“ soll besonders unfreundliche Mitmenschen kennzeichnen und der Punkt symbolisiert angeblich Menschen, die Pakete bevorzugt für Nachbarn annehmen. Doch kann das stimmen?
Das sagen die Paketdienste zu den Symbolen
Zumindest vom TV-Sender befragte Paketboten berichten anonym über vereinzelte Kollegen, die angeblich andere Paketboten per Symbol auf diese Weise „informieren“ möchten. Offiziell bestätigt das allerdings niemand. Viele Paketboten hören zum ersten Mal über eine codierte Geheimsprache, die unter Lieferanten existieren soll. Auf Portalen wie Reddit wird schon länger über die seltsamen Symbole spekuliert.
Auf Nachfrage des rbb teilte DHL mit, dass ihre eigenen Zusteller eine solche Markierung nicht anbringen. DHL-Zusteller hinterließen grundsätzlich keine Zeichen, Markierungen oder sonstige Hinweise an Klingel- und Namensschildern, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.
Die Aussage von DHL wird von anderen großen Paketdiensten in Deutschland auf Nachfrage von myHOMEBOOK bestätigt. „Ein solches Verhalten ist uns nicht bekannt und wir würden es auch nicht tolerieren. Unsere Zusteller haben in der Regel feste Touren und kennen ihr Zustellgebiet daher sehr gut. Inwiefern irgendwelche Zeichen von großem Nutzen sein könnten, ist deswegen auch nicht wirklich nachvollziehbar“, antwortet eine UPS-Sprecherin.
Bei Hermes weiß man ebenfalls von nichts: „Derlei Praktiken sind uns nicht bekannt und entsprächen auch in keiner Weise unseren hohen Service- und Qualitätsstandards“, betont ein Sprecher. Der Paketdienst weist auf die Anfrage von myHOMEBOOK sogar ausdrücklich darauf hin, solche Markierungen, die im Zusammenhang mit Hermes-Zustellern stehen könnten, dem Unternehmen unbedingt mitzuteilen.
Und auch ein GLS-Sprecher stellt klar: „Uns sind keine systematischen Codierungen oder Zeichen an Klingelschildern bekannt.“ Solche Hinweise seien zudem gar nicht notwendig. „Moderne Paketlogistik arbeitet heute an vielen Schnittstellen digital. Unsere Zustellungen erfolgen auf Basis digitaler Touren- und Sendungsinformationen, unterstützt von KI“, erklärt der Sprecher.
Symbole neben Klingelschild trotzdem nicht ignorieren
Möglicherweise handelt es sich bei den Symbolen einfach um simple Schmierereien. Doch solche Zeichen sollten auch nicht komplett ignoriert werden. Denn dahinter könnte auch ein ernster Hintergrund stecken. Stichwort: Gaunerzinken. Darüber hat auch myHOMEBOOK schon berichtet.
Allerdings spielen diese Symbole heute keine große Rolle mehr, wie Julia Christiani von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes auf myHOMEBOOK-Anfrage erklärt. „Sofern Tatgelegenheiten ausbaldowert werden, stehen den Tätern heute andere Kommunikationsmittel zur Verfügung.“ Die Expertin nennt etwa das Smartphone, um Fotos zu verschicken. „Das geht schneller, und das Entdeckungsrisiko ist geringer“, weiß Christiani. „Ebenso nutzen Kriminelle soziale Netzwerke, um potenzielle Opfer auszuspähen.“ Dennoch kann es sinnvoll sein, plötzlich auftauchende Buchstaben, Markierungen, Symbole, Zahlen oder Zeichen auf dem Klingelbrett bei der örtlichen Polizeiwache zu melden.
Zusteller wissen von nichts
„Offiziell bestätigen die großen Zusteller in Deutschland solche Markierungen neben Klingelknöpfen nicht. Auch vereinzelt befragte Paketboten wissen nichts davon und widersprechen den Spekulationen, die im Netz teilweise kursieren. Von daher handelt es sich möglicherweise um vernachlässigbare Einzelfälle oder tatsächlich einfach um die unerwünschte Kunst eines Schmierfinken.“