Zum Inhalt springen
logo Das Do-it-yourself-Portal für Haus und Garten
Erfindergeist seit der Kaiserzeit

Was man über das Unternehmen Telefunken wissen sollte

Telefunken
Telefunken war 2017 nicht zum ersten Mal auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin vertreten. Die Geschichte des Unternehmens reicht weit zurück. Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa | Maurizio Gambarini
Artikel teilen

27. Dezember 2025, 14:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Was wären Samsung, Sony oder Apple ohne den deutschen Erfindergeist? Nicht existent. Deutsche Ingenieure haben in den Anfängen der Nachrichten- und Rundfunktechnik zu Beginn des 20. Jahrhunderts wichtige Pionierarbeit geleistet. Welche Rolle Telefunken dabei gespielt hat, erklärt myHOMEBOOK in diesem Artikel.

Das PAL-System und damit der Beginn des Farbfernsehens in Westdeutschland sind primär mit einem Namen eng verknüpft: Telefunken. Als am 25. August 1967 der damalige Außenminister Willy Brandt auf einen roten Knopf drückt und damit erstmalig farbige Bilder in westdeutsche Wohnzimmer flimmerten, gibt es Telefunken allerdings als eigenständige Marke schon gar nicht mehr. Wie konnte das passieren?

Die Geschichte von Telefunken

Der Aufstieg von Telefunken fällt in die Zeit des deutschen Kaiserreichs. Es herrschen unruhige Zeiten. Die Länder rund um Deutschland stehen sich feindlich gegenüber. Europa gleicht am Ende des 19. Jahrhunderts einem Pulverfass.

Eine neue, schnelle Technik verspricht im Falle eines Krieges die schnelle Übermittlung von Nachrichten. Die sogenannte Funken-Telegraphie machte es möglich. Das Zeitalter des Radios wurde eingeläutet, nachdem Heinrich Hertz im Jahr 1886 elektromagnetische Strahlung entdeckt hatte, die Basis für Funk- oder Radiowellen. Empfangsgeräte gibt es allerdings noch keine.

Zu dieser Zeit treiben zwei deutsche Elektrokonzerne die Forschung im Bereich Funktechnik voran. Die eine Gruppe um Adolf Slaby und Georg Graf von Arco arbeitet für die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft oder kurz: AEG. Eine andere Gruppe forscht unter der Leitung von Karl Ferdinand Braun bei Siemens & Halske. Die AEG kümmert sich um die funktechnische Ausrüstung der Kaiserlichen Marine. Siemens hingegen gehört zu den Pionieren im Bereich der Funktechnik für das Deutsche Heer.

Telefunken
Telefunken brachte das Farbfernsehen nach Westdeutschland Foto: picture-alliance / dpa | Ulrike_Heitefuß

Telefunken entsteht auf kaiserlichen Wunsch

Dem damaligen Kaiser Wilhelm II. passte die Situation mit zwei konkurrierenden Wettbewerbern überhaupt nicht. Angeblich wünschte sich der deutsche Kaiser einen Zusammenschluss beider Unternehmen. So entstand in Berlin am 27. Mai 1903 die Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H., System Telefunken. Als Markenzeichen wählt das neugegründete Unternehmen die kurze Telegrammadresse „Telefunken“.

Die Bedeutung der Funktechnik wächst in den Folgejahren enorm. Der Untergang der Titanic im Jahr 1912 kurbelte das Geschäft im Bereich der Seefunktechnik an. Hier gehörte Telefunken bereits zu den führenden Unternehmen. Die Technik von Telefunken zur Übermittlung von Nachrichten per Funk spielte leider auch im Ersten Weltkrieg eine bedeutsame Rolle.

Mehr zum Thema

Erste Radios und Fernseher von Telefunken

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Sturz des Deutschen Kaiserreichs breitete sich die Radiotechnik auch im privaten Bereich aus. Mit dem Beginn der Radioübertragung im Jahr 1923 ändert das Unternehmen seinen Namen in Telefunken, Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. Der Fokus lag nun auf der Entwicklung von Radiogeräten. Bereits Ende 1923 begann Telefunken selbst regelmäßig Radiosendungen auszustrahlen.

Gleichzeitig forschte Telefunken an ersten Fernsehgeräten. Auf der Funkausstellung im Jahr 1928 in Berlin präsentierte Telefunken ein erstes Modell. Zwei Jahre später gelang es einem Telefunken-Ingenieur durch ein neues Verfahren, flimmerfreie Bilder über die wenigen Fernsehgeräte auszustrahlen.

Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers erkannten die Nationalsozialisten sehr schnell das Potenzial des Fernsehens. Im sogenannten Deutschen Einheits-Fernseh-Empfänger E 1 steckt im Jahr 1939 unter anderem auch Technik von Telefunken.

Interessanterweise gründete Telefunken im Jahr 1932 einen Ableger mit dem Namen Telefunken-Platte G.m.b.H. und gehörte damit damals zu den größten deutschen Unternehmen im Bereich der aufstrebenden Schallplattenindustrie. Das Unternehmen existierte ab dem Jahr 1950 unter dem Namen Teldec weiter und wurde im Jahr 1987 an den US-amerikanischen Medienkonzern Time Warner verkauft. Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Telefunken zu den wichtigsten Unternehmen im Bereich der Funktechnik für das deutsche Militär, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.

Made by Telefunken: Das PAL-Farbfernsehsystem

Nach dem Krieg konzentrierte sich Telefunken auf die Produktion von Radios und Fernsehern. Dazu gründete das Unternehmen neue Standorte in Ulm und Backnang.

Ab den 1950er Jahren produzierte Telefunken nicht einfach nur Fernseher. Das Unternehmen dachte in größeren Dimensionen: die Entwicklung eines Farbfernsehsystems für Deutschland und die Welt. Dafür gründete Telefunken ein eigenes Fernseh-Grundlagenlabor. Die Leitung übernahm Walter Bruch. 1962 gelang den Telefunken-Elektrotechnikern ein entscheidender technischer Fortschritt. Das PAL-System war geboren und damit der Weg frei für das Farbfernsehen in Westdeutschland.

Es dauerte allerdings noch fünf Jahre, bis auf deutschen TV-Geräten bunte Bilder zu sehen waren. In dieser Zwischenzeit verschwindet der Erfinder des deutschen Farbfernsehens fast unbemerkt von der Bildfläche. AEG übernimmt ab dem Jahr 1967 die Vermarktungsrechte von Telefunken.

Damit endete die Geschichte von Telefunken als eigenständiges Unternehmen unspektakulär. Aufgrund der Strahlkraft des Namens erschien Telefunken allerdings ab den 2010er Jahren wieder auf der Bildfläche. Vor allem der türkische Elektronikkonzern Vestel nutzt den Namen mit Strahlkraft bis heute für den Verkauf von Fernsehern und Haushaltsgeräten in Deutschland.

Eine führende Rolle im Bereich der Elektrotechnik haben inzwischen vor allem asiatische Länder. Allerdings sind es deutsche Ingenieure und Unternehmen wie Telefunken gewesen, die im Bereich der Funk- und Radiotechnik wichtige Pionierarbeit geleistet haben.

Erfahrungen mit Telefunken aus meiner Kindheit

„Telefunken-Geräte kenne ich noch aus meiner Kindheit. Vor allem Radios erfreuten sich in meiner Familie großer Beliebtheit. Diese verfügten damals über eine Aufnahmefunktion per Kassette. Meine ersten Playlists habe ich damals auf Recordern von Telefunken live aus dem Radio mitgeschnitten. Jedes Mal habe ich gebetet, der Moderator möge möglichst wenig über den Song quatschen. Später erfuhr ich dann: Die Plattenlabels hatten Radiosender dazu verdonnert, in Lieder reinzusprechen, um das Mitschneiden unattraktiv zu machen. Schon damals befürchtete die Plattenindustrie, Musikfans wie ich würden ansonsten keine Songs mehr im Laden kaufen.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.