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Schornstein als Todesfalle

Tiere können im Kamin verenden! Was man dagegen tun kann

Taube auf Kamin
Tauben, aber auch Dohlen können in Kaminen qualvoll verenden Foto: Getty Images
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Sonja Jordans Autorin

21. Oktober 2025, 14:43 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Kratzen, Gurren, Scharren – wer solche Geräusche aus dem Schornstein hört, sollte aufmerksam werden. Denn nicht selten verbergen sich dramatische Szenen dahinter: Tiere, die in den Kamin gestürzt sind und nicht mehr hinausfinden. Der Tod durch Verhungern, Ersticken oder Verbrennen ist in vielen Fällen unausweichlich. Wie man das verhindern kann und worauf Hausbesitzer achten sollten, erklärt Schornsteinfegerin Iris Dohmen.

Wenn der Kamin zur tödlichen Falle für Tiere wird

Immer wieder stoßen Schornsteinfeger bei ihren Inspektionen auf tote Tiere oder alte Nester in Kaminen. „Sie verhungern und verdursten in der Regel“, sagt Iris Dohmen, Schornsteinfegermeisterin und Sprecherin des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks auf PETBOOK-Anfrage (gehört wie myHOMEBOOK zu Axel Springer). Vor allem im Winter kann der Schacht zur tödlichen Falle werden – nicht nur durch Kälte, sondern auch durch Rauch und Hitze. Viele Vögel und Kleinsäuger finden den Weg aus den engen Schächten nicht mehr hinaus.

Auch Abgase stellen eine tödliche Gefahr dar: „Die Abgase sind in der Regel geruchlos, die Vögel merken nicht, wenn sie etwas einatmen“, so Dohmen. Im schlimmsten Fall werden sie ohnmächtig und stürzen tief in den Schacht. „Dann fallen sie bis zur Sohle des Kamins, von wo aus sie nicht mehr herauskommen, sollten sie wieder zu sich kommen.“ Vor allem in städtischen Gebieten finden sich oft Tauben in Kaminen, die sich auf der Suche nach Wärme auf Schornsteinen niederlassen.

Konkrete Zahlen gibt es zwar nicht, doch Dohmen berichtet: „Aber gerade in Städten zieht man im Schnitt pro Jahr etwa einen toten Vogel pro Haus aus einem Schornstein, meist Tauben.“ Besonders betroffen seien Schornsteine, die an Gasfeuerstätten angeschlossen sind – im Gegensatz zu klassischen Kaminöfen, deren Rauch die Tiere eher abschrecke.

Intelligente Dohlen – und ein gefährliches Nestverhalten

Während viele Tiere versehentlich in den Kamin stürzen, nutzen Dohlen diesen mitunter gezielt zum Brüten. Die kleine Rabenvogelart ist sehr anpassungsfähig, brütet bevorzugt in Höhlen – und greift mangels Alternativen in Städten häufig auf Schornsteine zurück. „Dohlen können Kamine und Rohre richtiggehend untersuchen und laufen dazu in ihnen entlang“, erklärt Dohmen. Angst vor dunklen Schächten haben sie offenbar nicht.

Ein besonders kurioser Fall ist der Schornsteinfegerin in Erinnerung geblieben: „Sie sind offenbar den Rohren und dem Licht gefolgt, bis sie in der Feuerstätte saßen.“ Dort seien die Vögel verendet. „Und so ein drastischer Fall ist mir auch nur ein Mal begegnet“, betont Dohmen. Normalerweise schaffen es Dohlen auch wieder unversehrt hinaus – sofern sie den Kamin nur inspiziert haben.

Das Problem beginnt, wenn sie mit dem Nestbau starten. Denn Dohlennester sind stabil, groß und tief in den Kamin hinein gebaut – und können diesen regelrecht verstopfen. „Die Vögel sind sehr intelligent und können danach meist auch wieder unbeschadet aus einem Schornstein herausklettern“, so die Expertin.

Dohlennester können den Schacht verstopfen

Einmal im Kamin verankert, lassen sich Dohlennester nur schwer entfernen. „Wenn wir verlassene Nester finden, sitzen sie oft richtig fest, sodass man sie nur mit Aufwand entfernen kann“, berichtet Dohmen. Mitunter sei es sogar notwendig, die Außenwand des Kamins aufzubrechen. Bevorzugt nisten Dohlen in sogenannten gezogenen Kaminen – also Schächten mit einem Knick –, weil diese den Nestbau erleichtern. Aber auch gerade Kamine sind nicht vor ihnen sicher.

Für den Nestbau werfen die Vögel zunächst Zweige und Stöcke in den Kamin, die sich verkeilen. Darauf bauen sie weiter – mit Laub, Tierhaaren, Stoffresten, Müll und sogar Handtüchern. So entsteht ein kompakter Bau, der wie ein Korken wirkt. Der Vorteil für die Vögel: „Durch die kompakte Bauweise des Nests kommen kaum Abgase hindurch“, erklärt Dohmen. Die Brut selbst ist dadurch meist nicht gefährdet. Aber: „Das steckt dann auch noch im Schornstein, wenn die Heizsaison wieder losgeht.“ Wird der Kamin dann wieder in Betrieb genommen, droht Gefahr – nicht für die Dohlen, aber für die Hausbewohner.

Lebensgefahr durch Abgasstau und Kohlenmonoxid

Ein verstopfter Kamin kann dramatische Folgen haben. Wenn Abgase nicht mehr richtig abziehen, kann Kohlenmonoxid entstehen – ein geruchloses, hochgiftiges Gas. Bereits eine geringe Konzentration kann zu Bewusstlosigkeit oder gar zum Tod führen. Iris Dohmen warnt: „Wichtig sei jedoch, auf erste Anzeichen zu achten, dass eine Feuerstätte womöglich nicht mehr richtig arbeitet.“

Frühe Warnzeichen können laut Dohmen unter anderem eine ausbleibende Heizleistung oder modrig-feuchter Geruch im Haus sein. „Möglich aber ist es, vor allem in Regionen, in denen Dohlen siedeln und es gezogene Schornsteine gibt.“ Auch Feuchtigkeit und Ablagerungen an den Wänden sowie herumliegende Stöcke in der Rußklappe sind ein Alarmsignal. Dann heißt es: den Schornsteinfeger informieren.

Darf man die Nester selbst entfernen?

Obwohl Dohlen in Deutschland zu den geschützten Arten zählen, dürfen ihre Nester im Schornstein laut dem Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (Lanuk) in der Regel entfernt werden. „Dohlennester in Schornsteinen können ohne weitere Konsultation und Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde entfernt werden“, heißt es von einer Sprecherin. Dies sei Aufgabe des Schornsteinfegers.

Einzige Ausnahme: Wenn beim Entdecken des Nests Eier oder Küken vorhanden sind. Dann müsse laut Lanuk „das Ende der Brutzeit abgewartet werden, bis das Nest entfernt wird, um Konflikte mit dem Tötungsverbot nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu vermeiden“. Die Brutzeit endet üblicherweise Ende Juni. Eine vorübergehende Stilllegung der Heizanlage kann dann nötig sein.

Dohlengitter und Nistkästen als Schutzmaßnahmen

Um zu verhindern, dass Dohlen und andere Tiere in den Kamin gelangen, gibt es eine einfache Lösung: sogenannte Dohlengitter. Diese werden dauerhaft auf dem Schornstein montiert und verhindern zuverlässig das Eindringen der Vögel. Die Gitter lassen Abgase durch, halten Tiere aber fern – und kosten meist weniger als 100 Euro.

„In der Regel ist das preisgünstiger, als wenn wir regelmäßig ausrücken und den Kamin von Dohlennestern befreien müssen“, sagt Dohmen. Denn Dohlen kehren gerne zurück: „Wenn man einmal ein Nest entfernt hat, heißt das nicht, dass die Tiere nicht im Jahr darauf an der gleichen Stelle wieder ein neues bauen.“

Wer den Vögeln dennoch helfen möchte, kann ihnen alternative Nistmöglichkeiten bieten – etwa spezielle Dohlenkästen. Diese sollten jedoch in ausreichender Höhe angebracht werden – etwa an Gebäudefassaden, Türmen oder hohen Bäumen. Anleitungen zum Eigenbau bietet unter anderem der Naturschutzbund.

Fazit: Vorsorge schützt Mensch und Tier

Dohlengitter bieten effektiven Schutz vor verstopften Kaminen und tragischen Unfällen. Gleichzeitig tragen alternative Nistplätze dazu bei, dass Dohlen nicht auf riskante Brutstätten ausweichen müssen. Regelmäßige Inspektionen, Aufmerksamkeit bei ungewöhnlichen Geräuschen und frühzeitige Maßnahmen sind der beste Schutz für alle Beteiligten – Mensch wie Tier.

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