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Warum Leitungswasser überall anders schmeckt

Leitungswasser Geschmack
Der Geschmack von Leitungswasser wird je nach Region unterschiedlich wahrgenommen Foto: Getty Images
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26. August 2026, 6:42 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wie beim Wein gibt es auch für Wasser Sommeliers, also Menschen, die Wasser geschmacklich sehr fein unterscheiden können. Denn das Geschmacksempfinden von Menschen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. So verwundert es nicht, dass die eine Person Leitungswasser genüsslich schlürft, während eine andere angewidert das Gesicht verzieht. Um herauszufinden, warum Leitungswasser sich je nach Region geschmacklich unterscheidet, hat myHOMEBOOK beim Umweltbundesamt nachgefragt.

Manche Menschen finden den Geschmack von Leitungswasser fad und langweilig. Andere spüren auf der Zunge einen leicht metallischen Geschmack. Dieser Unterschied ist keine Einbildung. Die geschmackliche Ausprägung von Leitungswasser hängt davon ab, woher das Wasser stammt, wie es aufbereitet wird und durch welche Leitungen es fließt.

Grundsätzlich unterliegt Trinkwasser in Deutschland strengen Vorgaben. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) legt fest: Wasser muss für Verbraucher „annehmbar und ohne anormale Veränderung“ sein. Das gilt für Geschmack und Geruch gleichermaßen.

„Die beiden Parameter hängen in den meisten Fällen eng miteinander zusammen“, erklärt eine Pressesprecherin des Umweltbundesamts (UBA) auf Anfrage von myHOMEBOOK. Für die Umsetzung der Verordnung sind die Bundesländer zuständig. Daher gibt es keine bundesweiten Daten zur Geschmacksqualität.

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Herkunft und Mineralstoffe prägen Geschmack

Ob Leitungswasser aus Grundwasser, Quellwasser oder Oberflächenwasser stammt, beeinflusst seinen Geschmack deutlich. Grundwasser enthält laut UBA meist mehr gelöste Magnesium- und Calciumionen als Oberflächenwasser.

Auch die Aufbereitung im Wasserwerk hinterlässt Spuren. Eine Chlorung etwa führt zu einem typischen, hygienisch unbedenklichen Geschmack. In Deutschland wird allerdings nicht flächendeckend gechlort, sondern nur anlassbezogen bei Verunreinigungen. Schadstoffe können auch mikrobiell oder industriell ins Rohwasser gelangen, räumt die Pressesprecherin ein. Solche Fälle seien jedoch selten. Die Wasserwerke entfernen entsprechende Stoffe in der Regel während der Aufbereitung.

Auch interessant: Kaffee besser nicht mit Wasser direkt aus der Leitung kochen

Kleine Wasserhärte-Kunde

Der Fachbegriff Wasserhärte beschreibt den Gehalt an Calcium und Magnesium im Wasser. Deswegen schmeckt das Wasser aus der Leitung je nach Konzentration der Stoffe leicht unterschiedlich, ähnlich wie verschiedene Mineralwässer. Als Maßeinheit für die Konzentration dient Millimol. Nach § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes gilt Wasser mit weniger als 1,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter als weich. Zwischen 1,5 und 2,5 Millimol gilt es als mittelhart, darüber als hart. Besonders hartes Wasser findet sich in Regionen mit viel Kalkstein im Untergrund, etwa in Teilen Thüringens, Bayerns, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs und Baden-Württembergs.

Hartes Wasser gilt gesundheitlich als unbedenklich. Calcium und Magnesium sind sogar die prägenden geschmacklichen Komponenten im Mineralwasser. Daher empfinden viele Leitungswasser mit höherem Mineralgehalt als geschmacklich runder. „Für einige Menschen schmeckt der Kaffee oder Tee dadurch aromatischer“, erklärt die Pressesprecherin. Doch das empfindet jeder Mensch anders.

Die Härte des Leitungswassers hat auch unangenehme Seiten. Kalkablagerungen sind die Folge. Diese können die Funktion von Wasserkocher, Kaffeemaschine oder Geschirrspüler erheblich stören. Auch die Waschkraft von Wasch- und Spülmitteln hängt von der Wasserhärte ab. Deshalb stehen auf der Verpackung der Reinigungsmittel unterschiedliche Dosierempfehlungen. In manchen Regionen mit besonders hartem Grundwasser senkt der örtliche Versorger das Wasser durch Aufbereitung auf einen mittleren Härtegrad.

Wasser aus Talsperren hingegen ist meist weich, denn es ähnelt eher Regenwasser und enthält weniger Mineralstoffe. Wer mehr über die genaue Zusammensetzung des eigenen Trinkwassers erfahren möchte, bekommt eine genaue Analyse auf Anfrage beim örtlichen Wasserversorger.

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Leitungen als weiterer Geschmacksfaktor

Nicht nur das Rohwasser prägt den Geschmack. Auch die Trinkwasserinstallation im Gebäude spielt eine Rolle. Wenn das Wasser lange in der Leitung steht, das Rohr im Verhältnis zur Wassermenge eine große Innenfläche hat oder heißes Wasser hindurchströmt, können sich winzige Teile der Leitung lösen und mit dem Wasser mischen. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung gestanden hat, vor dem Trinken oder Kochen kurz ablaufen zu lassen.

Ein typisches Beispiel für solche feinen Ablagerungen ist der sogenannte Rostgeschmack. Er stammt von alten, verzinkten Eisenleitungen, die mit der Zeit korrodieren. „Dieser Geschmack wird zwar als störend wahrgenommen, ist aber eher ein ästhetisches als ein hygienisches Problem“, so die UBA-Sprecherin. Auch neu verlegte Kunststoffrohre, etwa aus PE-X, geben in der ersten Zeit nach dem Einbau mitunter Stoffe ab, die Geschmack und Geruch beeinflussen.

Es bleibt festzustellen, dass ein unangenehmer Geschmack beim Leitungswasser nicht automatisch ein Qualitätsproblem bedeutet. „Das in Deutschland verteilte Trinkwasser ist in jeder Hinsicht einwandfrei“, stellt die UBA-Sprecherin klar. Wer sich also fragt, warum das eigene Leitungswasser anders schmeckt als beim Nachbarn, findet die Antwort in der Wand, genauer in der eigenen Wasserleitung.

Verbreitete Irrtümer

Rund um Leitungswasser halten sich zudem hartnäckige Irrtümer. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einige davon näher unter die Lupe genommen.

Es herrscht die weitverbreitete Annahme, dass Mineralwasser grundsätzlich besser als Leitungswasser sei. „Leitungswasser unterliegt sogar strengeren Kontrollen als Mineralwasser“, betont die Verbraucherzentrale NRW. Wie schon weiter oben erwähnt, enthält es sogar in manchen Regionen wichtige Mineralien wie Calcium, Magnesium und Kalium, eben ähnlich wie Mineralwasser.

Auch Wasserfilter verbessern die Qualität nicht automatisch. Tatsächlich sind solche Filter nur sinnvoll, wenn das Gesundheitsamt sie anordnet oder ein Arzt sie empfiehlt. Ohne triftigen Grund bringen sie eher Nachteile. Schlecht gewartete Filter begünstigen die Vermehrung von Keimen. Wenn der Filter voll ist, können herausgefilterte Stoffe in einem Schwall wieder im Wasser landen. Zudem entziehen viele Filter wertvolle Mineralien aus dem Leitungswasser.

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