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Wie sinnvoll sind WC-Steine wirklich?

Helfen WC-Steine wirklich effektiv bei der Reinigung?
Helfen WC-Steine wirklich effektiv bei der Reinigung? Foto: Getty Images/iStockphoto
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Carolin Chytrek
Carolin Chytrek Freie Autorin

2. Juli 2026, 13:17 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Sie duften nach „Bergsee“, „Morgenfrische“ oder „Meeresbrise“ und versprechen strahlenden Glanz sowie Hygiene bei jedem Spülgang: WC-Steine gelten als unangefochtene Standardlösung, wenn es um die einfache Toilettenreinigung geht. Doch halten die Gadgets wirklich, was sie versprechen? Oder verstecken sich dahinter eher ungesunde Chemiekeulen?

Eigentlich ist die Idee hinter WC-Steinen einfach wie genial. Sie sitzen unscheinbar am Toilettenrand und geben bei jedem Spülgang dosierte Mengen an Wirkstoffen ab. Diese sollen Unreinheiten entgegenwirken und die Toilettenschüssel dauerhaft sauber halten. Dazu kommt der starke Duft, der oftmals noch Stunden nach dem Toilettengang in der Luft liegt und unangenehme Gerüche gekonnt überdecken kann. Kein Wunder, dass WC-Steine so beliebt sind. Sie simulieren Sauberkeit und Hygiene, in erster Linie allerdings durch die Duft- und Farbwirkung. Doch wie steht es um die Putzleistung?

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WC-Steine ersetzen keine Handreinigung

Mikrobiologisch gesehen gehören Toiletten zu den am stärksten belasteten Orten im Badezimmer. Wie verschiedene Untersuchungen zeigen konnten, sind die keramischen Oberflächen der perfekte Nährboden für bakterielle Beläge. In diesen sogenannten Biofilmen, können sich Mikroorganismen fast ungestört vermehren. Sie sind sogar weitgehend widerstandsfähig gegenüber Spülgängen und befinden sich zumeist an unerreichbaren Stellen, beispielsweise unter dem Toilettenrand. Auch wenn WC-Steine durch die enthaltenen Tenside oberflächlich Schmutz entfernen, ist ihre Wirkung umstritten.

In einer Darlegung der Umweltberatung Luzern heißt es kritisch: „Kein WC-Stein der Welt ersetzt die mechanische Putzkraft einer WC-Bürste. Die Toilettensteine können trotz ihrer Chemikalien nicht alle Stellen einer Toilette erreichen.“ Hinzu kommt, dass die WC-Steine in den meisten Fällen in Plastik aufgehängt werden, die mit Wasser in Berührung kommen. Weil Keime hier leichtes Spiel haben, müssten die Aufhängungen für eine makellose Hygiene ebenfalls regelmäßig gereinigt werden.

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Raffiniert oder äußerst schädlich?

Wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer Broschüre beschreibt, belaste die Zusammensetzung von WC-Steinen die Gewässer und ersetze keinesfalls die mechanische Reinigung. In der Vergangenheit soll vor allem ein Stoff problematisch gewesen sein: „Paradichlorbenzol heißt der Inhaltsstoff, den die Industrie eigentlich teuer als Sondermüll entsorgen müsste. (…) Die Chemie kann nur kurz auf Keime und Bakterien einwirken, bevor sie im Abfluss verschwinden. In der Kläranlage sorgen die Chemikalen dann für Probleme.“ Weil der chlorierte Kohlenwasserstoff (PDCB) als hochgradig krebserregend und reizend eingestuft wurde, wurde er vor etwa 20 Jahren in der EU verboten. Obwohl PDCB kein Bestandteil von WC-Steinen mehr ist, seien die aktuellen Inhaltsstoffe nicht wesentlich besser und würden eine Belastung für Gewässer und Kläranlagen darstellen, so BUND: „Verzichten Sie deshalb auf den überflüssigen und umweltschädlichen Einsatz von Chemie.“

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Aus welchen Bestandteilen setzen sich WC-Steine zusammen?

Ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt: Moderne WC-Steine haben sich in ihrer Zusammensetzung kaum weiterentwickelt und bestehen weiter aus Tensiden (über 30 % anionische, 5-15 % nichtionische Tenside) und Duftstoffen. Genau diese Kombination steht seit Jahren in der Kritik. Immer wieder tauchen auf Verpackungen synthetische Riechstoffe auf, die als ökotoxisch für Wasserorganismen eingeschätzt werden. Bekannt ist z.B. der Stoff Butylphenyl Methylpropional (Lilial), der zudem als reproduktionstoxisch eingestuft wurde. Deshalb hat ihn die EU in Kosmetika verboten worden. In WC-Steinen wird er nach wie vor gerne verwendet.

Aber nicht nur einzelne Duftstoffe sind kritisch, auch die Tenside sind problematisch. Sie gelangen bei jedem Spülgang ins Abwasser. Heute müssen sie laut EU-Vorgaben zwingend biologisch abbaubar sein. Ihr ständiger Einsatz bedeutet aber einen zusätzlichen Eintrag chemischer Stoffe in den Wasserkreislauf sowie eine Belastung für das Ökosystem. Hinzu kommt, dass Tenside zumeist aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl hergestellt werden, deren Abbau viele Ressourcen verbraucht.

WC-Steine haben ihren Nutzen, aber …

WC-Steine haben durchaus ihren Nutzen. Sie sorgen für einen frischen Duft und eine optisch saubere Toilette. Allerdings ersetzen sie keine gründliche Reinigung, da sind sich Umweltberatungen und Hygieneexperten einig. Moderne WC-Steine sind zwar längst nicht mehr mit älteren Produkten vergleichbar, weil viele problematische Inhaltsstoffe ausgetauscht wurden. Dennoch bleibt die Zusammensetzung, mit Blick auf ein gesundes Ökosystem und Gewässer, kritisch.

Wer seine Toilette dauerhaft sauber halten und die Umwelt nicht belasten möchte, kommt um die klassische WC-Bürste nicht herum. BUND empfiehlt: „Am besten reinigen lässt sich die Toilette mit einer Bürste und Essigreiniger, der ein- bis zweimal pro Woche angewandt wird. Bei starker Verschmutzung lassen Sie den Essigreiniger über Nacht einwirken.“ Nur so können auch schwer erreichbaren Stellen zuverlässig gesäubert werden. Laut Verbraucherzentrale NRW sei die Nutzung von organischen Säuren wie Essig- oder Zitronensäure besonders empfehlenswert, weil diese biologisch vollständig abbaubar seien und Kalkablagerungen zuverlässig lösen würden.

Wer darüber hinaus Wert auf einen angenehmen Duft legt, kann ökologische Alternativen außerhalb der Toilette aufstellen. Diese Lufterfrischer sorgen für ein sparsames Riecherlebnis und verhindern, dass bei jedem Spülgang unnötig Chemikalien in den Wasserkreislauf gebracht werden.

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