7. Juli 2026, 15:12 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer eine Zitterspinne in der Wohnung entdeckt, möchte sie meist möglichst schnell wieder loswerden. Mit ihren langen, dünnen Beinen wirken die Tiere auf viele Menschen unheimlich und tauchen oft genau dort auf, wo man sie am wenigsten gebrauchen kann: in Wohnzimmerecken, im Bad oder im Keller. Doch warum fühlen sich Zitterspinnen überhaupt in Häusern so wohl? Und wie wird man sie wieder los, ohne ihnen zu schaden?
Warum sind so viele Zitterspinnen in der Wohnung?
Zu den häufigsten Zitterspinnen in deutschen Wohnungen gehört die Große Zitterspinne (Pholcus phalangioides). Nach Angaben des Umweltbundesamtes hält sie sich nahezu ausschließlich in Gebäuden auf und baut ihre unregelmäßigen Fangnetze bevorzugt direkt in den Ecken. Besonders wohl fühlt sie sich in warmen und eher feuchten Räumen wie Kellern oder Badezimmern.
Auch der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) beschreibt die Große Zitterspinne als typischen Mitbewohner des Menschen. Sie ist ganzjährig in Häusern anzutreffen und hält sich bevorzugt in ruhigen Ecken oder unter der Decke auf, in denen sie ungestört ihre Netze bauen kann.
Dass Zitterspinnen so häufig in Wohnungen vorkommen, überrascht Dr. Roland Mühlethaler, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim NABU, nicht: „Hier in Mitteleuropa sind die Zitterspinnen ausgesprochene Kulturfolger und leben teilweise fast ausschließlich in unseren Behausungen.“ Angelockt würden sie dabei weder von Gerüchen noch von Licht. „Es ist einfach die Struktur und die Wärme der Häuser.“
Sie werden oft mit Weberknechten verwechselt
Wegen ihrer langen Beine werden Zitterspinnen häufig mit Weberknechten verwechselt. Tatsächlich handelt es sich aber um unterschiedliche Tiergruppen. Während Zitterspinnen echte Spinnen sind und Netze bauen, besitzen Weberknechte keine Spinndrüsen und können daher auch keine Netze herstellen.
Sind Zitterspinnen gefährlich?
Die Antwort lautet eindeutig: Nein. Weder das Umweltbundesamt noch der NABU stufen die Große Zitterspinne als gefährlich für Menschen ein. Im Gegenteil: Sie gilt als ausgesprochen nützlich, weil sie zahlreiche lästige Insekten wie Mücken oder Fliegen erbeutet. Bisse sind äußerst selten und für Menschen gesundheitlich unbedenklich.
Wie effektiv die Tiere jagen, erklärt Dr. Mühlethaler: „Trotz ihrer filigranen Körpergestalt sind sie erfolgreiche Jägerinnen.“ Ihre unregelmäßig wirkenden Netze seien gute Stolperfallen, in denen sich auch größere Beutetiere verfingen. Außerdem besäßen Zitterspinnen „ein relativ starkes Gift – allerdings nur für Insekten und Spinnen“, das ihre Beute schnell lähmt.
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So werden Sie Zitterspinnen schonend los
Wer die Tiere nicht in der Wohnung haben möchte, sollte sie nach Möglichkeit nicht töten. Dr. Roland Mühlethaler, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim NABU, empfiehlt stattdessen: „Möchte man Zitterspinnen loswerden, dann bitte nicht töten, sondern bitte vorsichtig mit einem Glas fangen, Pappe drunter und raustragen.“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken: „Dann fehlen einem auch die natürlichen Mückenvertilger im Haus.“
Um einer erneuten Ansiedlung vorzubeugen, empfiehlt das Institut für Schädlingskunde außerdem, vorhandene Spinnennetze regelmäßig zu entfernen.
So beugen Sie neuen Zitterspinnen vor
Vollständig verhindern lässt sich das Auftreten von Zitterspinnen kaum. Wo viele kleine Insekten vorkommen, finden auch Zitterspinnen ausreichend Nahrung. Deshalb kann es helfen, das Nahrungsangebot möglichst gering zu halten. Fliegengitter an Fenstern verhindern beispielsweise, dass Mücken und Fliegen überhaupt ins Haus gelangen. Außerdem lohnt es sich, Ritzen oder Spalten an Fenstern und Türen abzudichten, damit Spinnen und andere Kleintiere schwieriger ins Gebäude gelangen. Diese Maßnahmen gelten allgemein als sinnvolle Vorbeugung und werden auch von Fachleuten der Schädlingskunde empfohlen.