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Blüte im November

Sind blühende Pflanzen im November bedenklich?

Detailansicht zweier Winterjasminblüten
Von Januar bis März ist die eigentliche Blütezeit des Winterjasmins. Dass er vielerorts schon im November in voller Blüte steht, beunruhigt Experten.Foto: Getty Images

Zeigt sich der Herbst von seiner milden Seite, sind späte Blüten im November gar nicht mal so ungewöhnlich. Die milden Temperaturen locken jetzt allerdings auch schon viele Frühblüher. Dass dies längst nicht mehr ungewöhnlich ist, beurteilen Experten als sehr bedenklich.

Vom Herbst direkt in den Frühling: Diesen Eindruck erwecken im November in Vollblüte stehender Winterjasmin und zwischen Herbstlaub blühende Akelei und Lupinen. Beim Anblick dieser für diese Jahreszeit überraschenden Blütenpracht scheint es, als habe die Natur den Winter einfach übersprungen. Dass diese Frühblüher schon blühen oder sogar Rhododendron-Büsche erste Blüten öffnen, ist aber alles andere als natürlich. Warum Blüten im November bedenklich sind und wie sie sich auf die Blüte im Frühling auswirken.

Warum es schon im November zur Blüte kommt

„Normalerweise sorgt eine genetisch fixierte Knospenruhe dafür, dass die meisten Gehölze und Stauden unserer Breiten in einen mehr oder weniger tiefen Winterschlaf fallen. Damit sind sie vor den Unbilden des Winters geschützt. Erst wenn eine ausreichende Anzahl von Froststunden austriebshemmende Hormone in den Knospen abgebaut haben, ist ein Austrieb möglich“, erklärt Robert Markley, Geschäftsführer vom Verband der Gartenbaumschulen in Haan (Nordrhein-Westfalen), auf Nachfrage von myHOMEBOOK. Aus diesem Grund müssen beispielsweise auch Barbarazweige, die am Weihnachtsmorgen blühen sollen, vor ihrem Schnitt am 4. Dezember einige Frostnächte hinter sich gebracht haben (oder alternativ im Eisfach künstlich gefrostet werden). Andernfalls treiben sie in der Vase unabhängig vom Licht- und Wärmeangebot nur sehr zögerlich aus.

Hierzu passend: Mit dem richtigen Frostschutz Pflanzen im Winter schützen

In den letzten Jahren konnten die Botaniker allerdings ein nachdenklich stimmendes Phänomen beobachten. „Im November kommt es zu kurzen, aber frostigen Perioden, denen dann milde Winterabläufe folgen. Diese Frostnächte reichen dann anscheinend aus, um die Austriebsblockaden in den Knospen zumindest teilweise abzubauen. Dies wirft die Natur aus dem Gleichgewicht.“ Besonders gefährlich: Fangen Pflanzen jetzt im November an auszutreiben, sind sie im höchsten Maße frostgefährdet. So schieben jetzt beispielsweise bereits Blumenzwiebeln erste Triebspitzen aus dem Boden. „Dies kann sich auch bei an sich völlig winterharten Zwiebelarten fatal auswirken. Der Grund: In den jungen Triebspitzen sitzen meist bereits die kompletten Blütenanlagen. Erfrieren sie, ist die Blüte verloren.“ Der Experte empfiehlt vorbeugend Reisigtriebe locker auf die Beete aufzulegen. Sie sind ein wirksamer Schutz gegen Fröste.

Wie sich die Blüte im November auf die eigentliche Blütezeit auswirkt

Pflanzen, die jetzt blühen, haben diese Blütenknospen bereits im Laufe des Jahres angelegt. „Jede Knospe, die sich jetzt öffnet, ist damit unwiderruflich für das nächste Jahr verloren und kann nicht nachgebildet werden. Dies kann zum Beispiel im Obstbereich zu Ernteausfällen führen. Zudem finden Bienen und andere Insekten bei den Frühblühern weniger Pollennahrung.“ Das ist im Übrigen auch der Grund, warum klassische Winterblüher wie die Hasel Windbestäuber sind. Sie sind auf keinerlei Insekten angewiesen.

Sind Blüten im November ein Zeichen des Klimawandels?

Inwieweit eine frühzeitige Blüte ein Zeichen des Klimawandels ist, lässt sich Robert Markley nach nur abschätzen: „Wir wissen, dass beispielsweise Haselnüsse seit einigen Jahren sehr viel früher blühen als früher üblich und dass sich dieses Phänomen verfestigt. Dies ist auch durch den Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) bestätigt.“ So würden sich nun bereits im Dezember geplagte Pollenallergikern melden. Zum Vergleich: Früher blühte die Haselnuss erst im Februar. Auch der Pollenflug der Birke hat sich zum Leidwesen aller Allergiker im Schnitt der letzten Jahre um etwa zwei Wochen verfrüht. Da es sich hierbei um wesentliche Pollenträger handelt, hat sich die Leidenszeit betroffener Menschen deutlich verlängert.

Auch eine Studie der WWF zur Bedeutung des Klimawandels für Fauna und Flora in Deutschland und Nordeuropa befasste sich mit den verfrühten und verlängerten Vegetationszeiten. Die Ergebnisse dieser bestätigen den Eindruck Robert Markleys. So beginnen die Vegetationsphasen heute um circa acht Tage früher als noch Ende der 80er-Jahre. Dies betrifft sowohl die natürliche Vegetation als auch landwirtschaftlich kultivierte Pflanzen. Auch habe sich die Forsythienblüte in Hamburg beispielsweise seit 1945 um etwa vier Wochen verfrüht. Die Forsythe gilt als sogenannte Leitpflanze, an der sich die Botaniker orientieren, da sie eine der am zeitigsten blühenden Pflanzen ist. Mit ihrer Blüte startet jährlich aufs Neue die erste phänologische Phase des Pflanzenwachstums.