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Solaranlage für den Balkon: Lohnt sich das Mini-Kraftwerk?

Experten-Tipps

Lohnt sich eine Balkon-Solaranlage, um eigenen Strom zu erzeugen?

Auch Mieter können die Mini-Solaranlagen auf dem Balkon anbringen
Auch Mieter können die Mini-Solaranlagen auf dem Balkon anbringenFoto: iStock/ balipadma

Eine Mini-Solaranlage auf dem Balkon ist auch für Mieter eine gute Möglichkeit, eigenen Strom für den Haushalt zu generieren oder ins Netz einzuspeisen.

Nur Hausbesitzer können die Kraft der Sonne anzapfen? Weit gefehlt. Auch Mieter, die einen Balkon haben, können Solaranlagen montieren. Diese sind natürlich wesentlich kleiner als jene für ein Hausdach, doch nicht weniger effizient. Oft müssen Mieter dafür eine Genehmigung des Vermieters einholen. Ein Gerichtsurteil stärkte allerdings bereits im Jahr 2021 die Position der Mieter und spricht sich dabei auch für den Umweltschutz aus.

Solaranlage auf dem Balkon – was steckt dahinter?

Nachdem es in Österreich und Luxemburg die sogenannten „Plug-in-Module“ für Balkon und Garten schon seit längerer Zeit gibt, sind die Mini-Kraftwerke mittlerweile auch hierzulande auf dem Vormarsch. Die Module haben eine Nennleistung von 200 bis maximal 600 Watt und können auf direktem Weg das eigene Stromnetzwerk unterstützen. „Die kleine Schwester der großen Fotovoltaikanlagen öffnet die Tür für den privaten Verbraucher, seinen eigenen Beitrag zur Energiewende und zur Einsparung von CO2 zu leisten“, meint Melanie Unseld vom „Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.“ (VDE) auf Anfrage von myHOMEBOOK.

Der große Vorteil: Über die Steckdosen sind die Paneele nicht nur schnell installierbar, sie sind auch schnell wieder abzubauen und man kann sie mitzunehmen. Und daher eignen sie sich genauso für Mieter wie für Haus- und Wohnungseigentümer.

Wichtig: Zur Sicherheit sollte man beim Kauf darauf achten, dass das gewählte Modell auch tatsächlich an übliche Haussteckdosen angeschlossen werden kann. Sonst droht eine Überlastung und im schlimmsten Fall ein Brand. Es gibt auch Modelle, die eine spezielle Energiesteckdose vorsehen.

Dazu passend: So kommen Wohnungseigentümer zu einer Solaranlage

Was sollten Mieter beachten?

Vor allem Mieter können von den Mini-Kraftwerken auf dem Balkon profitieren. Allerdings haben da auch die Vermieter ein Wörtchen mitzureden – zumindest bisher. Denn bereits im März 2021 hat das Amtsgericht Stuttgart (Aktenzeichen 37 C 2283/20) die Klage einer Vermieterin abgelehnt. Sie wollte den Rückbau der Balkon-Solaranlage bewirken und scheiterte vor Gericht.

Wie Haus & Grund Rheinland-Pfalz e.V. berichtet, ging es den Richtern nicht nur um den Interessenkonflikt zwischen Mieter (Einsparung von Energiekosten) und Vermieter (vertragsgemäßer Gebrauch der Mietsache). Auch der Umweltschutz spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Richter argumentierten mit einem „Wandel der Nutzungsgewohnheiten“, insbesondere beim Schutz der Umwelt. Dieser sei nämlich laut Urteilsbegründung auch als Staatsziel im Grundgesetz festgeschrieben (Artikel 20 a GG).

Mieter sollten vor dem Aufbau den Hauseigentümer nach seiner Zustimmung fragen, empfiehlt Juristin Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Denn dieser trägt die Verantwortung, dass seine Immobilie diese Anlage sicher trägt und Nachbarn nicht durch Blendung oder Verschattung beeinträchtigt werden.

Wo montiert man die Anlage am besten?

Die Anlagen brauchen eine Fläche auf oder am Gebäude, etwa an einem Balkon. „Um die dort einfallende Sonneneinstrahlung optimal zu nutzen, sollten die Paneele nach Süden ausgerichtet werden“, rät Martin Brandis, Energieberater des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Für eine maximale Stromausbeute spielt zudem die Neigung der Solarmodule eine Rolle. „Zwischen 20 und 30 Grad Neigung sind optimal.“

Geringfügige Abweichungen von diesen Vorgaben, etwa weil man die Anlagen verrückt, um dem Schatten von benachbarten Gebäuden oder Bäumen auszuweichen, fallen aber nicht groß ins Gewicht. Selbst eine vertikale Montage an der Fassade sei möglich.

Wie meldet man die Module an?

Bereits seit April 2019 können Privathaushalte die Solaranlagen selbst beim Energieversorger anmelden, vorher brauchte man dazu die Unterschrift eines Elektroinstallateurs. Netzbetreiber sind jetzt verpflichtet, die Anmeldung von Steckdosen-Solargeräten bis 600 Watt durch Laien zu akzeptieren. Tipp: Der „Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.“ bietet zur Anmeldung ein normkonformes Formular als PDF zum Download an.

„Allerdings sollte eine Elektrofachkraft als Erstes prüfen, ob die Leitung für eine Stromeinspeisung ausgelegt ist, wenn die Mini-PV-Anlage an einen bestehenden Stromkreislauf angeschlossen werden soll“, rät Unseld vom VDE. Unter Umständen muss diese vorab ausgetauscht werden, damit sie nicht überlastet wird.

Wichtiger Hinweis: Nach der Niederspannungsanschlussverordnung darf nur ein Elektriker am öffentlichen elektrischen Versorgungsnetz arbeiten. „Allerdings wird Sie niemand zur Rechenschaft ziehen, wenn Sie es doch selbst erledigen“, weiß Unseld. Doch Vorsicht: Die Hausrat- und Gebäudeversicherungen zahlen nicht, wenn es dann zu einem Hausbrand oder gar Personenschaden kommt.

Auch interessant: Nicht nur kaufen – Solaranlagen kann man auch mieten

Für wen lohnt sich eine Solaranlage auf dem Balkon?

Mit den Solaranlagen auf dem Balkon können Privathaushalte nicht nur ihre persönliche Energiewende voranbringen, sondern zudem bares Geld sparen. Sie sind eine vielversprechende Möglichkeit, um „die dezentrale Energieproduktion auch für Mieter und Kleingärtner voranzubringen, die bisher keine eigene Sonnenenergie nutzen konnten“, erklärt Bernhard Weyres-Borchert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) in einer Pressemitteilung.

Ansonsten gewährleisten die Mini-Solaranlagen eine konstante Versorgungssicherheit – vorausgesetzt, die Sonne scheint. Um den eigenen Solarstrom auch bei schlechtem Wetter zu nutzen, braucht es einen Speicherakku. Die Stromspeicher sind mit mehreren Tausend Euro leider immer noch sehr kostspielig, anders sieht es bei den Balkon-Solarmodulen aus.

Wie viel Strom kann man erzeugen?

VDE-Verbandssprecherin Unseld hat für myHOMEBOOK eine Beispielrechnung durchgeführt: „Mini-PV-Module haben unter Testbedingungen eine Leistung von 150 bis 300 Watt. Durchschnittlich ist pro Jahr ein Ertrag von 70 bis 85 Kilowattstunden pro 100 Watt Nennleistung zu erwarten. Eine 500-Watt-Anlage erzeugt demnach beispielsweise rund 350 bis 425 Kilowattstunden pro Jahr. Ein Vier-Personen-Haushalt benötigt rund 3.000 Kilowattstunden Energie pro Jahr. Fazit: Ein Vier-Personen-Haushalt könnte über zehn Prozent weniger Strom vom Netzbetreiber beziehen.“

Solargeräte für den Balkon liefern laut des Solarvereins DGS bereits Strom für acht Cent pro Kilowattstunde, bei den großen Stromanbietern kostet die Einheit knapp 30 Cent. Außerdem können Balkonbesitzer mit den Steckdosen-Solarmodulen ihren Strom unabhängig und direkt im eigenen Haushalt erzeugen. Damit senken sie ihren CO2-Ausstoß und entlasten die Stromnetze.

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Wie hoch sind die Kosten?

Zwischen 400 und 800 Euro kosten die auch als Balkonkraftwerk bezeichneten Geräte, je nach Ausstattung. „Sie werde vorwiegend über Online-Shops vertrieben, in Bau- oder Heimwerkermärkten sieht man sie noch eher selten“, berichtet Martin Brandis.

Es können extra Kosten entstehen, etwa wenn es keine Schuko-Steckdose in der Nähe gibt oder wenn die ausgesuchten Modelle spezielle Energiesteckdosen erfordern. Wo sie fehlen, müssen sie von einem Fachbetrieb gesetzt und angeschlossen werden.

Zudem erwarten die Netzbetreiber einen Zwei-Richtungs-Stromzähler, damit der Solarstrom, der nicht direkt im Haushalt verbraucht wird, störungsfrei in das allgemeine Stromnetz weitergeleitet werden kann. Die Anschaffungs- und Einbaukosten dieser Geräte tragen die Netzbetreiber, für die Endverbraucher wird allerdings eine monatliche oder jährliche Miete für den Zähler fällig. Gut zu wissen: Die Anlagen sind weitgehend wartungsfrei und auf eine gut 20-jährige Laufzeit ausgelegt.

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Ab wann hat sich die Balkon-Solaranlage gelohnt?

Ab wann sich eine Mini-Solaranlage bezahlt gemacht hat, hängt stark davon ab, wie viel Strom sie erzeugt. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • In welche Himmelsrichtung ist die Mini-Solaranlage ausgerichtet?
  • Ist der Einstrahlungswinkel der Sonne optimal?
  • Fällt Schatten auf die Solarmodule?

„In einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren amortisiert sich bereits der energetische Aufwand, der für die Herstellung benötigt wurde“, weiß Unseld. Die Anschaffungskosten für ein Mini-Solarmodul sind nach acht bis 15 Jahren mit den ersparten Stromkosten beglichen, so die Expertin.

Laut Jörg Sutter, dem Vizepräsidenten der DGS, geht es den meisten Nutzern gar nicht so sehr um den Zeitpunkt, ab dem es sich rechnet: „Viel relevanter ist aber, dass mit Steckersolar eine Möglichkeit besteht, auch mit kleinem Geld bei der Energiewende selbst mitzumachen und selbst Strom umweltfreundlich zu erzeugen.“

Woher bekommt man die Solarmodule für den Balkon?

Die Module kann man recht unkompliziert im Internet bestellen. Vor dem Kauf sollte sich der Verbraucher genau informieren. Energieexpertin Unseld warnt: „Am Markt sind ganz viele unterschiedliche Systeme verfügbar, leider immer auch noch einige, bei denen der Kunde selbst basteln muss und nur ein Kabel aus dem Wechselrichter kommt.“ Die überwiegende Mehrheit der Hersteller bietet aber sogenannte Energiesteckvorrichtungen an. Diese beinhalten einen Stecker plus Steckdose, die den direkten Kontakt mit Spannungen vermeiden. „Der Kunde bekommt also keinen Stromschlag und kann keinen aktiven Leiter berühren.“

Die Installation der Solarmodule auf dem Balkon können handwerklich begabte Menschen selbst übernehmen. In den fertigen Sets ist meistens ein Modul, die Verkabelung, ein Wechselrichter und eine Unterkonstruktion enthalten. „Wer sich eine eigene Installation nicht zutraut, kann einen Elektriker oder Solarbetrieb anfragen und auch eine solch kleine Anlage fix und fertig inklusive Montage und Anschluss kaufen“, erklärt Jörg Sutter auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Beachten muss man, dass der Aufstellort möglichst sonnig ist und der Untergrund stabil genug ist, um das Modul auch bei Sturm sicher zu befestigen“, rät der Diplom-Physiker. Bei Mietwohnungen oder einer Eigentumsgesellschaft müssen die Vermieter oder die Miteigentümer angesprochen werden. Je nach Vertrag muss deren Zustimmung eingeholt werden.

Noch ein Tipp: Die DGS bietet auf ihrer Webseite eine große Produktübersicht über Steckdosen-Solarmodule, die sich auch nach Leistung filtern lässt.

Tragen die Anlagen zur Energiewende bei?

Jedes bisschen Strom aus nachhaltigen Energien tut das. Auch wenn Experten sagen, die große Zeit der Stecker-Solargeräte von der Stange komme erst noch. „Bei der Energiewende spielen diese Konzepte noch keine große Rolle. Bei einer größeren Verbreitung, gerade in dicht besiedelten Ballungsräumen mit vielen Mietwohnungen, könnte ihre Bedeutung aber zunehmen“, so Brandis.

Gibt es Förderungen für Balkon-Solaranlagen?

Mit einem Förderbudget von 30 Millionen Euro möchte das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern nun die Installation von Solaranlagen auf dem Balkon fördern. Grundlage für die Förderung stellt der Krieg in der Ukraine und die damit unsichere und immer teurer werdende Stromversorgung dar. Nach Schleswig-Holstein ist MV damit das zweite Bundesland, das die Gewinnung der erneuerbaren Energie auf dem Balkon ihrer Bürger und Bürgerinnen materiell unterstützen möchte.

Durch den Bund gibt es noch kein Förderprogramm. Jedoch fördern auch vereinzelte Kommunen und Regionalverbände anderer Bundesländer die Montage von Solaranlagen auf den Balkonen von Privathaushalten.

mit Material der dpa

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