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Das steckt hinter dem Mülltüten-Trick gegen den Buchsbaumzünsler

Eine Mülltüte soll gegen den Buchsbaumzünsler helfen. Klappt das wirklich?
Eine Mülltüte soll gegen den Buchsbaumzünsler helfen. Klappt das wirklich? Foto: GettyImages/diephosi
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Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

24. Mai 2026, 13:54 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

In Gärten wie in sozialen Netzwerken sind schwarze Müllsäcke derzeit häufig zu sehen. Über Buchsbäumen gestülpt, sollen sie eine effektive Waffe im Kampf gegen den Buchsbaumzünsler sein. myHOMEBOOK verrät, ob der Trick mehr ist als heiße Luft.

Schwarze Müllsäcke über einem Buchsbaum in der Nachbarschaft: Wer das zum ersten Mal sieht, fragt sich vielleicht, was da schiefgelaufen ist. Nichts, denn die Tüte hat Methode. Unter der Folie staut sich die Hitze so stark, dass die Larven des berüchtigten Buchsbaumzünslers absterben sollen. Klingt plausibel, funktioniert aber nur sehr eingeschränkt.

Einen Hitzestau erschaffen

Der Effekt stellt sich nur bei schwarzer Folie ein. Sie verstärkt die Aufheizung deutlich, weil dunkle Materialien sich in der Sonne stärker erwärmen als helle. Das Julius-Kühn-Institut, das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, teilt auf Anfrage von myHOMEBOOK mit: „Die Luft unter dem Sack kann sich an warmen Tagen auf über 40 Grad aufheizen – und die Larven würden dann absterben.“ Das ist die Theorie, in der Praxis jedoch wird es enger.

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Die Grenzen des Tütentricks

Es gibt einige Punkte, wo der Trick in der Tüte steckenbleibt. Die Spanne zwischen wirksam gegen Schädlinge und schädlich für die Pflanze ist eng. Das Julius-Kühn-Institut erklärt: „Ab etwa 40 Grad sterben die Larven ab, bei mehr als 45 Grad werden aber auch die Pflanzen gestresst und geschädigt.“ Wer nicht ständig ein Thermometer unter den Sack hält, weiß nie, woran er gerade ist. Im Frühjahr werden die nötigen hohen Temperaturen meist nicht erreicht, im Hochsommer dagegen schnell überschritten. Damit bleibt auch der richtige Zeitpunkt unsicher.

Auch der Einsatzbereich ist eingeschränkt, denn der Trick funktioniert nur bei einzelnen, kleinen Sträuchern, die sich vollständig einpacken lassen. Die Tüte muss unten gut verschlossen sein, damit die Hitze nicht entweicht. Bei Hecken scheidet die Methode von vornherein aus. Die Abdeckung darf jeweils nicht länger als einen Tag eingesetzt werden. Ein weiterer Haken der Methode: Unter dem Sack sterben nicht nur die Larven des Zünslers. Auch Nützlinge, die sich im Strauch aufhalten, überleben die Hitze nicht.

Mit der starken Aufheizung entsteht unter der Folie ein feucht-warmes Klima, das die Pflanze zusätzlich belastet und Pilzbefall begünstigen kann. Aus Sicht des Instituts sind die Hitzeschäden oder die Wirkungslosigkeit der Maßnahme allerdings das größere Problem.

Schlagkräftiger als die Tüte: Bacillus thuringiensis

Präparate mit Bacillus thuringiensis wirken verlässlicher. Die natürlich unter anderem im Boden vorkommende Bakterienart hilft, den Zünsler auch in größeren Buchsbaumbeständen in Schach halten. Präparate, die diese Bakterien enthalten, sind in Gartencentern erhältlich. Das Julius-Kühn-Institut bestätigt: „Zur effektiven Bekämpfung haben sich diese Präparate bewährt – jüngere Larven sterben innerhalb weniger Stunden ab, ältere innerhalb von ein bis zwei Tagen.“ Alternativ kommen auch Extrakte des Neembaums zur Eindämmung des Buchsbaumzünslers in Frage. Beide Präparate sollten nur bei genauer Einhaltung der Anwendungsvorgaben benutzt werden.

Den richtigen Zeitpunkt für den Einsatz zeigen Pheromonfallen an. Sie fangen männliche Falter und markieren so den Beginn der Flugzeit. Kurz danach schlüpfen die ersten Larven. Bei kleinen Sträuchern können sichtbare Larven außerdem von Hand abgesammelt werden. Das ist aufwändig, aber direkt wirksam. Genauso wie das Abspritzen mit einem harten Wasserstrahl.

Als ergänzende Maßnahme kann der Mülltüten-Trick funktionieren, wenn der Strauch eine tütengerechte Größe hat, der Sommer sehr warm ist und man bereit ist, immer mal wieder zur Tüte zu greifen. Als alleinige Maßnahme reicht er jedoch nicht.

Katharina Petzholdt
Garten-Autorin

Mein Tipp

„Wer seine Nerven schonen möchte, ersetzt dauerbefallene Buchsbäume. Japanische Stechpalmen, vor allem Ilex-crenata-Sorten, sehen dem Buchsbaum so ähnlich, dass selbst Kenner zweimal hinschauen. Auch der Zwergliguster „Lodense“ ist eine gute Wahl für niedrige Einfassungen. Dem Zünsler sind sie ziemlich egal.“

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