22. September 2026, 15:44 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer derzeit durch Parks oder Wohngebiete geht, entdeckt vielerorts Bäume, die bereits im September auffallend viele Blätter verloren haben. Einige wirken sogar schon fast kahl. Was auf den ersten Blick wie ein früher Herbstbeginn aussieht, hat oft ganz andere Ursachen. Vor allem Trockenheit und langanhaltende Hitze setzen vielen Gehölzen zu. myHOMEBOOK hat bei einem Experten nachgefragt.
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Vorzeitiger Laubfall ist meist eine Folge von Trockenstress
Dass Bäume ihre Blätter ungewöhnlich früh abwerfen, hängt häufig mit den Wetterbedingungen der vergangenen Monate zusammen. „Vorzeitiger Laubfall ist ursächlich auf den Trockenstress zurückzuführen, lange Hitze spielt auch eine Rolle“, erklärt Hajo Hinrichs, Präsident des Bundes deutscher Baumschulen (BdB).
Der Blattverlust dient dabei nicht unbedingt als gezielte Schutzmaßnahme des Baumes. Vielmehr handelt es sich laut Hinrichs um eine Folge der Belastung. „Laubfall ist eine Folge, weniger ein Schutz, sollte aber als Warnung verstanden werden“, sagt der Experte. Als Reaktion auf den Stress bilde der Baum zudem oftmals besonders viele Früchte aus, um seine Fortpflanzung zu sichern.
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Diese Baumarten leiden besonders
Vor allem Arten mit hohem Wasserbedarf geraten zunehmend unter Druck. Nach Beobachtung des BdB sind häufig heimische Baumarten betroffen, die auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen sind. Dazu zähle etwa die Sandbirke. Aber auch Baumarten, die mit den immer längeren Hitzeperioden im Sommer schlecht zurechtkommen, seien zunehmend geschädigt. Als Beispiel nennt Hinrichs die Rotbuche.
Auch Stieleichen kämpfen vielerorts mit den Folgen trockener Jahre. „Durch die Absenkung des Grundwasserstandes erreichen die Baumwurzeln nicht mehr die wasserführenden Schichten“, so der Experte.
Ob ein Baum geschädigt ist, zeigt sich oft erst im nächsten Frühjahr
Für Gartenbesitzer ist es häufig schwer zu erkennen, ob ein Baum lediglich auf die Witterung reagiert oder bereits ernsthaft geschädigt ist. Eine eindeutige Einschätzung sei oft erst nach dem Winter möglich, erklärt Hinrichs: „Eigentlich erst richtig im nächsten Frühjahr, wie sich dann das Wachstum bzw. der Austrieb zeigt“, sagt der Experte. Wer bereits jetzt den Zustand seines Baumes überprüfen möchte, kann einen Tipp des Experten anwenden. „Wenn man die Rinde der kleineren Triebe leicht anritzt, sollte es grün sein“, erläutert Hinrichs. Zeigt sich darunter also grünes Gewebe, spricht das dafür, dass der Trieb noch lebt. Auch die Bodenfeuchte sollte im Blick behalten werden.
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Können sich Bäume wieder erholen?
Grundsätzlich können sich Bäume von Trockenphasen wieder erholen, wenn sie langfristig ausreichend mit Wasser versorgt werden. Allerdings hinterlassen wiederkehrende Dürrejahre oft dauerhafte Schäden.
„Wir haben Hitzesommer seit 2018“, sagt Hinrichs. Problematisch sei vor allem, dass die feinen jungen Wurzelspitzen im Boden austrocknen können. „Wenn die äußeren jungen, weißen Wurzelspitzen eintrocknen und über Jahre weiter absterben, ist der Baum langfristig gefährdet und meistens nicht mehr in der Lage, ausreichend Wasser aufzunehmen.“
Jüngere Bäume könnten eine Neubildung von Wurzeln häufig noch besser kompensieren als ältere Exemplare.
Besonders drastisch zeigen sich die Folgen inzwischen bei manchen Birken. „Wir bemerken jetzt ein vollständiges Absterben einzelner Bäume (Birken), die in den Jahren 2018 bis 2023 immer wieder gelitten haben“, berichtet Hinrichs. Sein Fazit: „Ein Baum stirbt langsam und still vor sich hin.“
Was Gartenbesitzer jetzt tun sollten
Auch wenn im Herbst wieder mehr Regen fällt, sollten Gartenbesitzer die Wasserversorgung ihrer Gehölze weiterhin im Blick behalten. Vor allem immergrüne Pflanzen benötigen Unterstützung.
„Auch wenn augenscheinlich (gefühlt) viel Regen fällt, brauchen besonders die Immergrünen, also Pflanzen, die auch im Winter Nadeln oder Blätter tragen, unsere Unterstützung“, sagt Hinrichs. Deshalb sollten sie möglichst gut mit Feuchtigkeit versorgt in den Winter gehen. In frostfreien Perioden könne zusätzliches Gießen sinnvoll sein.
Denn viele immergrüne Gehölze sterben im Winter nicht durch Frost, sondern durch Wassermangel. „Die allermeisten immergrünen Gehölze erfrieren nicht im Winter – sie vertrocknen!“, warnt der Experte.
Sinnvoll sei außerdem eine Kontrolle auf abgestorbene Triebe und Äste. Diese sollten entfernt werden, um Krankheitserregern weniger Angriffsfläche zu bieten. Für den nächsten Sommer empfiehlt Hinrichs, den Boden möglichst vollständig zu bepflanzen oder zu mulchen. Dadurch verdunstet weniger Wasser und die Wurzeln bleiben besser geschützt. „Also kahle, freie Stellen vermeiden, auch über den Winter“, rät der Präsident des Bundes deutscher Baumschulen.