18. August 2025, 11:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
„Beim Beerensammeln am Waldrand sollte man die unteren Beeren besser hängen lassen“, heißt es oft. Und das aus gutem Grund: In Bodennähe können Fuchskot und -urin landen. Über diese Ausscheidungen verbreitet sich der gefährliche Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Eine Infektion beim Menschen kann zu Leberschäden oder sogar zum Tod führen. Da Füchse auch durch Gärten streifen, stellt sich die Frage: Besteht das Risiko einer Ansteckung auch direkt vor der eigenen Haustür?
Wie wahrscheinlich ist es, sich im Garten mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren?
Der Fuchsbandwurm ist ein Parasit, der insbesondere bei Füchsen vorkommt. myHOMEBOOK hat beim Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, nachgefragt, wie wahrscheinlich eine Ansteckung im eigenen Garten ist: „Ein Risiko über Obst, Gemüse oder Kräuter aus dem eigenen Garten ist vorhanden“, erklärt Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut. Die Diplom-Biologin ergänzt jedoch, dass es keine quantitativen Daten dazu gibt. Das bedeutet, es gibt keine verlässlichen Studien darüber, wie häufig sich Menschen mit dem Fuchsbandwurm im Garten infizieren. Ebenso gibt es keine Statistiken darüber, wie oft Fuchskot im privaten Garten tatsächlich infektiös ist.
Neben dem Fuchs gibt es noch weitere Möglichkeiten, sich im Garten mit dem Fuchsbandwurm anzustecken. Die Expertin erklärt: „Bekannte Risikofaktoren sind etwa die Haltung von Hunden und Katzen und der Besitz eines Küchengartens.“ Menschen stecken sich mit dem Fuchsbandwurm hauptsächlich durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln an. Der Parasit gelangt auf die Beeren durch Kot oder sogenannte Schmierinfektionen. Die Eier des Fuchsbandwurms können nämlich auch im Tierfell von Füchsen, Marderhunden oder in seltenen Fällen auch Hunden und Katzen sitzen und so übertragen werden. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut informiert, sind die Eier des Fuchsbandwurms mehrere Monate lang infektiös. „Voraussetzung sind günstige Bedingungen, da die Eier empfindlich gegenüber Austrocknung sind“, so Reinking.
Auch interessant: Tierkot im Garten erkennen und richtig zuordnen
So vermeiden Sie eine Ansteckung mit dem Bornavirus im eigenen Garten
Die Auwaldzecke breitet sich in deutschen Gärten weiter aus
Schutzmaßnahmen im Garten
Das Risiko, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren, ist für den Menschen sehr gering. Dennoch ist die Gefahr ernst zu nehmen. Unbehandelte Erkrankungen können tödlich enden. Um sich im Garten vor einer Infektion mit dem Fuchsbandwurm zu schützen, ist es sinnvoll, Gartenhandschuhe zu tragen. Nach der Gartenarbeit sollte man seine Hände gründlich waschen. Geerntetes Obst, Gemüse und Kräuter gilt es vor dem Verzehr gründlich zu waschen.
Noch besser ist jedoch Hitze, um die Eier zu eliminieren: „Wer sicher gehen will, sollte nur ausreichend erhitzte Beeren, Fallobst oder Gemüse verzehren“, meint die Expertin. 65 Grad Celsius für mindestens 120 Minuten oder 80 Grad Celsius für 8 Minuten. Laut der Expertin vertragen die Eier auch keine Kälte. Allerdings seien beim Tiefgefrieren entsprechende Geräte vonnöten, die Temperaturen von mindestens minus 70 bis 80 Grad Celsius erreichen können. Für Haustierbesitzer gilt zudem: Hund und Katze regelmäßig entwurmen!
Was tun, wenn man sich mit dem Fuchsbandwurm infiziert hat?
Hat man den Verdacht, sich mit dem Fuchsbandwurm infiziert zu haben, sollte man einen Arzt aufsuchen. Obwohl es selten ist, kann Echinokokkose entstehen. Die Symptome entwickeln sich jedoch nur langsam und schleichend. Eine Infektion wird man vermutlich erst Jahre später wirklich merken, oft erst fünf bis fünfzehn Jahre nach Ansteckung. Gerade das ist das Gefährliche an der Erkrankung, denn nach fünfzehn Jahren sind Organe wie die Leber wahrscheinlich bereits stark betroffen.
Typische Symptome in der frühen Phase sind Müdigkeit, ein Druckgefühl im rechten Oberbauch, Appetitlosigkeit und ungewollte Gewichtsabnahme. In der späten Phase zählen zu den typischen Symptomen eine vergrößerte Leber, Druckschmerzen im rechten Oberbauch, Gelbsucht – unter anderem an gelben Augen zu erkennen –, Fieber, Entzündungen und Leberfunktionsstörungen. Der Befall kann neben der Leber auch auf andere Organe übergreifen, dazu zählen Lunge, Gehirn oder Milz. Entsprechend spürt man dort ebenfalls Schmerzen.