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Tipps vom Profi

Hühner artgerecht im eigenen Garten halten

Was man beachten muss, wenn man Hühner im eigenen hält.
Jeden Tag ein Ei, sonntags auch mal zwei. Bei der Hühnerhaltung im eigenen Garten muss man ein paar Grundregeln beachten. Foto: Getty Images

Mit einem eigenen Garten kann man nicht nur eigenes Obst und Gemüse anbauen. Hält man sich zudem ein paar Hühner, ist das Frühstücksei ebenfalls aus eigener Produktion. Wie man Hühner artgerecht hält und welche Regeln zu beachten sind, erklärt myHOMEBOOK im Überblick.

Laut Bund der Deutschen Rassegeflügelzüchter gibt es in Deutschland mehr als 300.000 private Hühnerhalter – Tendenz steigend. Und das nicht ohne Grund: Durch das Halten eigener Hühner wird der Garten nicht nur lebendiger, sondern man verzichtet zudem auf Eier aus Massentierhaltung. Eine Expertin verrät, worauf es bei der Hühnerhaltung ankommt.

Hühner im Garten halten – das sind die Vorteile

Wenn man Hühner im Garten hält, setzt man ein sichtbares Zeichen gegen Massentierhaltung und hat einen konstanten Zustrom an frischen, ökologischen Eiern. Nebenbei lernen Kinder verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren und ein respektvolles Verhältnis ihren „Lebensmittel-Lieferanten“ gegenüber. Spaß macht es natürlich auch, sich um die gefiederten Freunde zu kümmern und sie beim Fressen, Flattern und Gackern zu beobachten.

Dipl. Agraringenieurin Stefanie Pöpken, Fachreferentin vom Verein ProhVieh, kennt sich bestens aus mit der Hühnerhaltung. Sie war Mitbegründerin der Initiative „Give me five!“. Die Idee dahinter: man kann die Machenschaften der Hühnerindustrie nur besiegen, indem sich jeder Privathaushalt selbst Hühner zulegt. Am besten vier Hennen und einen Hahn. Diese Gruppengröße kommt den natürlichen sozialen Bedürfnissen der Tiere entgegen und reicht, um eine komplette Familie täglich mit Eiern zu versorgen.

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Was braucht man, um Hühner im Garten zu halten?

Man braucht keinen eigenen Bauernhof, wenn man sich für das Halten von Hühnern entscheidet. Ein Garten mit circa 25 qm nutzbarer Grundfläche oder eine größere Dachterrasse sind ausreichend. „Könnten Hühner sprechen, würden sie aber einen Garten bevorzugen“, sagt Pöpken. Hühner scharren gerne im Gras. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass sie den Rasen von Ungeziefer wie z.B. Schneckeneiern reinigen, bringt aber auch den Nachteil, dass der Boden leidet. „Um die Grasnarbe im Garten zu schonen, lohnt es sich, den Auslauf der Hühner mit einem mobilen Zaun häufig umzustecken.“

Wichtigste Grundvoraussetzung bildet natürlich der Hühnerstall, damit die Tiere einen sicheren Ort für die Nacht haben. Es sollte auch darauf geachtet werden, dass ungebetene Gäste wie Fuchs und Marder keinen Zugang unter dem Zaun oder ins Hühnerhaus finden. Um spätere Streitigkeiten, schlimmstenfalls vor Gericht, zu vermeiden, sollte man im Vorfeld auch mit den Nachbarn sprechen. „Manch skeptischer Nachbar lässt sich aber mit der Aussicht auf frische Eier milde stimmen.“

Hinweis: Wenn Sie Hundebesitzer sind, prüfen Sie bitte vor Anschaffung der Hühner, wie ihr Hund auf lebendes Geflügel reagiert.

„Bevor ich mir eigene Hühner hole, würde ich mich bei Privatleuten oder Züchtern umschauen, die mir ein gutes Bild von der eigenen Haltung vermitteln können.“ empfiehlt die Expertin. Wenn man sich noch nicht sicher ist, ob Hühner langfristig in die Familie passen, kann man Hühner inklusive Stall auch für ein paar Wochen mieten. Services wie „Miete ein Huhn“ werden immer beliebter.

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Wo kaufe ich Hühner am besten?

Stefanie Pöpken rät, sich an einen Rassegeflügelzüchter zu wenden. „Es gibt eigentlich in jedem Bundesland entsprechende Züchter. Bei ihnen kann man sich Tiere verschiedenen Alters kaufen. Wenn die gewünschte Hühnerrasse nicht dabei ist, hat der Züchter sicherlich einen Tipp, wo sie zu erhalten ist. Auch bei Archehöfen könnte man anfragen.“

Welche Rassen sind geeignet?

In der Massentierhaltung werden entweder Hühner gezüchtet, die schnell Fleisch zulegen oder große Mengen an Eiern legen, sogenannte „Turbohühner“. Früher war es üblich, innerhalb einer Hühnerschar den Hennen das Eierlegen zu überlassen und die Hähne zu Braten zu nutzen. Einige dieser Hühnerrassen (Zweinutzungshühner) gibt es noch und es ist sinnvoll, diese Rassen zu fördern und vor dem Aussterben zu bewahren. Stefanie Pöpken empfiehlt für Anfänger Hühnerrassen, die eher ruhig sind und schnell zahm werden. „Hier eignen sich Deutsche Zwerghühner, Brahma, Mechelner und Lachshühner. Am besten ist es, direkt mit mit dem Züchter abzuklären, ob die Hühner zu meinem Garten passen.“ Weitere Rassen, die optimal für die private Haltung geeignet sind:

  • Westfälische Totleger (reine Legehühner)
  • Vorwerkhühner (Zwiehühner)
  • Ramelsloher (Zwiehühner, Winterleger)
  • Cochin (schwere Zwiehühner)
  • Dorking (Fleischrasse)
  • Zwerg-Sundheimer (Winterleger)
  • Zwerg-Wyandotten (viele Farbschläge)

Hahn im Korb? Oder nur Hennen?

Viele Haushalte, die sich dafür entscheiden Hühner im Garten zu halten, vermeiden es, sich einen Hahn zuzulegen. Der Hahn legt schließlich keine Eier. Dafür kräht er zuverlässig in den Morgenstunden und damit ist Streit mit den Nachbarn vorprogrammiert. Dennoch kann es sinnvoll sein, den Hennen ein männliches Oberhaupt zu gönnen. „Der Hahn spielt eine wichtige Rolle.“ erklärt Stefanie Pöpken. „Er schlichtet Streit zwischen den Hennen, warnt, falls sich ein Greifvogel am Himmel befindet und sorgt natürlich gemeinsam mit den Hennen für den Nachwuchs. Um Eier zu erhalten, brauche ich allerdings keinen Hahn. Wenn ich ein tolerantes Umfeld habe, wäre der Hahn eine Überlegung wert.“

Hühner im eigenen Garten halten. Aber den Hahn nicht vergessen!
Man kann auch nur Hennen halten. Dann kräht niemand die Nachbarn wach. Aber für das soziale Gefüge übernimmt der Hahn wichtige soziale Aufgaben. Foto: Getty Images

Wie sieht ein artgerechter Hühnerstall aus?

Bei einer kleinen Anzahl Hühner eignet sich besonders ein mobiler Hühnerstall mit Rädern. Der Vorteil ist, dass man diesen auf dem Rasen leicht versetzen kann. So wird der Boden nicht übermäßig beansprucht durch die scharrenden Hühner, sondern kann gleichmäßig genutzt werden. Dabei sollte man allerdings darauf achten, ob das Hühnerhaus für den Winter ausreichend isoliert ist. Es gibt auf dem Markt zahlreiche Anbieter für Hühnerhäuser, teilweise direkt mit angegliedertem Freigehege.

„Jeder kann sich einen Stall selber bauen. Ein kleines Gartenhäuschen aus dem Baumarkt reicht bereits aus.“ meint Stefanie Pöpken. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: ob man ein kleines Haus zimmert oder einen alten Anhänger umfunktioniert. Man sollte jedoch auch hier darauf achten, dass der Stall für den Winter geeignet ist.

Innerhalb der Behausung sind Sitzstangen für einen erholsamen Schlaf der Hühner unverzichtbar. Sie dürfen nicht zu glatt sein, damit die Tiere nicht abrutschen. Rund- oder Kanthölzer sollten alle auf der gleichen Höhe von circa 50 cm montiert werden, damit es keinen Streit zwischen den Hühnern gibt.

Um das Einstreu sauber zu halten, empfiehlt sich darunter die Montage eines Kotbrettes. Der entfernte Kot kann nach der Reinigung in den Hausmüll oder auf den Kompost. „Er eignet sich aber auch als hervorragender Dünger für den Gemüsegarten.“ meint Stefanie Pöpken. Damit die Hühner möglichst viele Eier legen können, brauchen sie einen separaten Bereich im Stall mit sogenannten Legenestern. Eine Eierschublade kann die Entnahme vereinfachen.

Auch der Einbau eines automatischen Schließsystems für den Stall kann sinnvoll sein. Die Tür verriegelt automatisch zur Nacht und öffnet morgens zu einer einprogrammierten Zeit wieder. Das erspart frühes Aufstehen und verhindert, dass der Hahn in den Morgenstunden die Nachbarschaft aus den Betten kräht.

Hühner im Garten halten und richtig füttern

Hühner sind prinzipiell Allesfresser. Sie sollten aber dennoch nicht alles fressen. Ein gut ausgewogenes handelsübliches Hühnerfutter besteht aus Körnern, Legemehl und Muschelgrit und enthält alle wichtigen Nährstoffe. Küchenabfälle können zugefüttert werden, sollten aber geraspelt oder kleingeschnitten werden.

In Frage kommen Obst- und Gemüseabfälle wie Birnen, Äpfel, Weintrauben, Beeren, Karotten mit Grün, Blumenkohl, Salat, Kürbis, Tomaten, Zwiebeln. Außerdem Getreideprodukte wie Reis, Nudeln oder gekochte Kartoffeln. Brotreste sollten vorher in Wasser eingelegt werden. Milchprodukte wie Joghurt sollten nur in geringer Menge zugefüttert werden. Hühner lieben außerdem frisch gesammeltes Grünfutter wie Löwenzahn oder Lebendfutter wie Regenwürmer oder Mehlwürmer. Eine Wassertränke sollte immer mit frischem, sauberen Wasser gefüllt sein und für die Hühner zugänglich sein. Lebensmittel, die man nicht an Hühner verfüttern sollte:

  • stark gesalzene oder gewürzte Küchenreste
  • verdorbene oder verschimmelte Teile
  • rohe Kartoffeln oder Kartoffelschalen
  • Fleisch, Fisch oder andere tierische Produkte
  • Eier oder Eierschalen
  • Tee- und Kaffeesatz

Um die Eierschale bilden zu können, brauchen Hühner Kalk im Futter. Dieses wird am besten über Muschelgrit aufgenommen. Gibt man den Hühnern Eierschalen zu fressen, besteht die Gefahr, dass sie Geschmack daran finden und zukünftig ihre eigenen Eier anpicken.

Gesetzeslage bei der privaten Haltung

Wie Kaninchen und Meerschweine gelten Hühner als Kleintiere. Ihre Haltung ist also grundsätzlich erlaubt. Trotzdem muss man ein paar offizielle Regelungen beachten. „Als Halter von Hühnern bin ich verpflichtet, meine Tiere beim zuständigen Veterinäramt anzumelden.“ erklärt Pöpken. „In Zeiten von Seuchenausbrüchen muss ich meine Tiere den Anweisungen entsprechend verwahren. Auch die Impfungen gegen hochansteckende Krankheiten sind Pflicht des Halters.“

Was den Hahnenschrei betrifft, gibt es bereits eine Fülle gerichtlicher Entscheidungen aus Nachbarschaftsstreitigkeiten. Teilweise werden regelrechte Stundenpläne ausgehandelt, wann ein Hahn krähen darf und wann er in einen schalldichten Stall gesperrt werden muss. Als Faustregel gilt: in der Zeit von 7 Uhr abends bis morgens 8 Uhr sollte kein Weckruf erschallen.

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Hühner halten im Garten – die eigenen Eier

Die Eier sollten täglich entnommen werden. Verschmutzte Eier können einfach mit einem feuchten Tuch gereinigt werden. Am besten bewahrt man die Eier in einem Eierkarton auf, mit der Spitze nach unten. Nach der Entnahme aus dem Legenest, sollten die Eier mindestens einen Tag ruhen. Ungekühlt sind sie eine Woche, gekühlt bis zu vier Wochen haltbar. Während der Mauser legen die Hühner weniger oder gar keine Eier.

Vorsicht! Wenn Sie ein Ei ohne Schale oder nur mit einer ganz dünnen, weichen Hülle im Stall finden, dürfen Sie dieses nicht verzehren. Man nennt diese Fehlproduktionen „Windeier“.

Hühner im Garten halten. Schon bald hat man die ersten eigenen Eier.
Im Supermarkt kauft man Eier im gleichen Modus wie eine Konservenbüchse. Die ersten Eier der eigenen Hühner gleichen einem Wunder. Wie hat das Huhn das nur hingekriegt?Foto: Getty Images

Dürfen Hühner mit in die Wohnung?

Man hört immer wieder von Menschen, die Hühner auch mit ins Wohnhaus nehmen. „Das muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich würde es nicht tun.“ meint Stefanie Pöpken. Als besonders prominenter Fall wurde das Huhn der US-Schauspielerin Tori Spelling bekannt. Das edle Rassehuhn schläft angeblich in einem Hundekorb neben ihrem Bett. Das ist allerdings weder besonders artgerecht, noch hygienisch. Hühner sollten vorsorglich gegen Endoparasiten (wie Würmer) und Ektoparasiten (wie Milben und Flöhe) vom Tierarzt behandelt werden.

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Die beste Vorsorge: den Hühnern ein trockenes Sandbad zur Verfügung stellen. Die Reinigung des Gefieders kann dabei unterstützt werden, indem man dem Sand Holzasche und Kieselgur beimengt. Die Hühner baden im Sand und schütteln anschließend alles, was nicht ins Gefieder gehört, wieder von sich. Für Menschen ist der Kontakt mit dem Federvieh grundsätzlich unbedenklich. Man sollte sich aber immer gründlich die Hände waschen.

Wie erkennt man, ob Hühner weiße Eier legen?

In der Osterzeit sind weiße Eier besonders beliebt. Doch abgesehen davon sind braune Eier beliebter. 70 Prozent aller in Deutschland verkauften Eier sind nämlich braun. Mit der Qualität des Eis hat die Farbe der Schale allerdings nichts zu tun. Auch ist es falsch, dass das Gefieder der Hühner mit der Eierfarbe zusammenhängt. In welcher Farbe die Tiere ihre Eier legen, ist genetisch bedingt und hängt mit den in der Schalendrüse produzierten Pigmenten zusammen. Doch ein kleines Merkmal an den Hühnern verrät die Farbe. Unter ihrem Federkleid versteckt, befindet sich hinter dem Ohrläppchen die Ohrscheibe. Ist diese weiß, legt das Huhn weiße Eier. Eine rote Ohrscheibe bedeutet, dass es braune Eier legt.

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