17. Oktober 2025, 10:35 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
So putzig Marder auch aussehen – auf dem Dachboden möchte sie niemand haben. Sobald der flinke Eindringling ins Haus gelangt ist, sollte man schnell reagieren. Denn der nächtliche Unruhestifter verursacht nicht nur Lärm, sondern oft auch hohe Reparaturkosten. Wie man den nachtaktiven Marder mit schonenden Mitteln aus dem Haus vertreiben kann, erklären Experten bei myHOMEBOOK.
Übersicht
- Warum lassen sich Marder nur schwer vertreiben?
- Mit welchen Gerüchen kann man Marder fernhalten?
- Was bringt das Vertreiben von Mardern mit Gerüchen?
- Kann man Marder mit Geräuschen vertreiben?
- Was tun, damit der Marder nicht wiederkommt?
- Wie kommen Marder ins Haus?
- Darf man Marder eigentlich fangen oder töten?
- Gibt es eine Schonzeit für das Vertreiben von Mardern?
- Darf ein Kammerjäger Marder töten?
Warum lassen sich Marder nur schwer vertreiben?
Im Haus ist es gerne mal die Wärmedämmung, vor der die Tiere nicht haltmachen. Dazu dann der nächtliche Krach, der den gequälten Hausbewohnern den letzten Schlaf raubt. Zudem kommen noch der verkotete Dachstuhl und der unerträgliche Verwesungsgeruch, der durchs Haus zieht, wenn das erlegte Beutetier im Marderversteck gebunkert wird. Alles in allem können Schäden, die durch Marder entstehen, teuer werden: Die Tiere verursachen jährlich Millionen Euro Versicherungsschäden an Haus und Auto.
Fakt ist aber auch: Sind Marder erst einmal im Haus, wird es schwierig, sie wieder loszuwerden. Es gibt gequälte Hausbesitzer, die von mehrjährigen Marder-Martyrien zu berichten wissen. Ein nächtlicher Besuch von einem Marder klingt nämlich durchaus angsteinflößend.
Dr. Hans-Heinrich Krüger hat das Verhalten von Steinmardern lange erforscht. Der Wildbiologe bestätigt auf myHOMEBOOK-Anfrage: „Marder sind sehr empfindliche Tiere, die sich nur sehr schwer fangen lassen. In der Regel meiden sie alles Neue, ziehen sich dann erstmal zurück.“ Das Problem: Die Tiere seien auch ausgesprochen neugierig. „Nach einiger Zeit kommen Marder wieder zurück“, weiß der Marder-Experte.
Mit welchen Gerüchen kann man Marder fernhalten?
Oft wird empfohlen, Marder mit bestimmten Düften fernzuhalten. Laut Krüger ist dies in den meisten Fällen jedoch wenig effektiv – mit einer Ausnahme: Menschengeruch wirke laut dem Experten „abschreckend“ auf die Tiere. „Denn Marder wurden über Jahrhunderte in Fallen gefangen“, erklärt der Profi. „Insofern meiden Marder Menschengeruch, der nun einmal den Fallen anhaftet.“ Und damit ist laut Krüger konkret Schweißgeruch gemeint, etwa in Form eines getragenen Socken. Diese kann man demnach an den entsprechenden Stellen platzieren, um Marder abzuschrecken.
Was bringt das Vertreiben von Mardern mit Gerüchen?
Ob das Auslegen von Duftstoffen tatsächlich die geruchsempfindlichen Tiere vertreibt – daran scheiden sich die Geister. Stark diskutiert wird im Internet auch die Empfehlung, den Dachboden mit Eigenurin zu markieren. Aber ist das wirklich eine Lösung für das Problem?
Auch Julian Heiermann vom NABU kennt sich mit Mardern aus. Er erklärt: „Ob man die Tiere anhand von starken Düften und Geräuschen vertreiben kann, liegt an der Beharrlichkeit der Anwendung und auch von den für Marder alternativ vorhandenen Versteckmöglichkeiten in der Umgebung. Menschlicher Urin könnte hier durchaus ein wirksames Mittel zum Vertreiben von ungebetenen Untermietern sein, doch aus hygienischer Sicht ist das sicherlich auch zu hinterfragen.“ Auch Marder-Experte Krüger ist bei der Urin-Methode eher skeptisch.
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Kann man Marder mit Geräuschen vertreiben?
Heiermann verrät denn auch einen weitaus hygienischeren Trick, um die Tiere zum Umzug zu bewegen: „Da Marder sehr geräuschempfindlich sind, kann man es mit einem kleinen Radio versuchen, dass Lärm macht und mittels einer Zeitschaltuhr gesteuert wird. Marder sind nachtaktiv und suchen sich für den Tag ruhige Verstecke. Ein nerviger Radiosender kann da schnell zum Ruhekiller werden und die Tiere vertreiben.“ Krüger ergänzt allerdings, dass auch beim Radio irgendwann der „Gewöhnungseffekt“ eintritt.
Was tun, damit der Marder nicht wiederkommt?
Marder aus dem Haus zu vertreiben, ist das eine. Sie am Wiederkehren zu hindern, stellt Hausbesitzer vor geradezu detektivische Herausforderungen. Hier hilft nur der ärgerliche, mühselige und nicht zuletzt kostspielige Weg: Alle Löcher und Ritzen am Gebäude suchen und stopfen. Für Hans-Heinrich Krüger ist klar, wer Verursacher all der Probleme ist: „Nicht der Steinmarder! Es sind die Dachdecker, die Häuser nicht marderdicht bauen.“ Beim Abdichten dürfe es dabei kein Schlupfloch geben, das größer als vier oder fünf Zentimeter sei.
Dass am Abdichten kein Weg vorbeiführt, sieht auch NABU-Experte Heiermann – allerdings sollte das mit Umsicht geschehen. „Um Marder dauerhaft als Untermieter ausschließen zu können, sollte man tatsächlich versuchen, potentielle Zugänge zu verschließen oder unerreichbar zu machen. Wichtig ist dabei, keine Tiere versehentlich einzuschließen.“
Wer alle möglichen Einstiegshilfen am Haus abklopfen will, sollte den Experten-Tipp von Hans-Heinrich Krüger berücksichtigen: „Im Winter können Spuren im Schnee – so er denn liegt – verraten, wie der Marder ins Hausdach kommt. Im Sommer kann ein Sandbeet auf dem Dachboden Hinweise zum Einstieg geben.“
Wie kommen Marder ins Haus?
Ein wichtiges Einfallstor sind etwa Bäume, die zu nahe am Haus stehen. Wildbiologe Krüger erklärt, dass Marder ziemlich hoch springen können. „Locker bis zu 1,5 Meter! Deswegen sollten Bäume auch so weit vom Haus weg stehen.“ Bei Bäumen, die näher am Haus wachsen, muss man zwangsläufig einige Äste absägen.
Sieht zwar nicht schön aus, kann aber hilfreich sein: Eine Baummanschette aus Hartplastik oder Blech. „Damit der Marder die Manschette nicht überwinden kann, muss diese eine ausreichende Breite von mindestens 60 Zentimetern haben“, sagt Krüger. Neben Bäumen sind auch Wasserfallrohre eine weitere beliebte Einstiegshilfe bei Mardern. Auch hierfür gibt es im Handel abschirmende Manschetten mit abstehenden Dornen aus Edelstahl zu kaufen.
Schwieriger wird es bei einem niedrigeren Anbau am Haus, wie zum Beispiel einem Carport. Krüger schwört zudem auf Strom: „Das Top-Mittel gegen Marderbesuch ist ein Weidezaungerät. Das gibt es für rund 200 Euro im Handel und ist, richtig installiert, hochwirksam.“ Kommen die Tiere mit dem unter Strom stehenden Zaun in Kontakt, bekommen sie einen Schlag, erschrecken sich und suchen das Weite. Allerdings handelt es sich dabei um keine besonders schonende Methode.
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Darf man Marder eigentlich fangen oder töten?
Vertreiben ist erlaubt – einfangen und töten nur bedingt. Julian Heiermann erklärt, dass man beim Umgang mit Mardern das Tierschutz- und Jagdgesetz beachten sollte. „Nur Jäger dürfen Marder fangen oder auch töten. Auch schon der Versuch, die Tiere mit einer Lebendfalle zu fangen, muss einem Jäger überlassen werden. Laut Tierschutzgesetz darf man den Tieren kein Leid zufügen, die ordnungsgemäße Jagd ist hierbei ausgenommen.“
Krüger ergänzt dabei den Hinweis, einen Blick in die Landesjagdgesetze zu werfen, die je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen. Fangen und Töten wäre aber ohnehin nicht sinnvoll, „da der nächste Marder schon auf ein freies Revier wartet“, meint der Wildbiologe. „Sie haben immer nur ein erwachsenes Pärchen auf dem Boden.“ Alle anderen werden vertrieben.
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Gibt es eine Schonzeit für das Vertreiben von Mardern?
Bezüglich des Einsatzes von schonenden Vertreibungs- oder Vergrämungsmethoden wie Düften oder Lärm, gibt es laut Gesetz keine jahreszeitliche Einschränkung. Julian Heiermann vom NABU erklärt, dass Marder ihre Jungen auch in ein neues Versteck umquartieren können. „Um es den Wildtieren aber nicht zu schwer zu machen, sollte man in der Hauptaufzuchtzeit, etwa April bis Ende Juni, wenn möglich auf Vergrämungsmaßnahmen vorerst verzichten.“
Darf ein Kammerjäger Marder töten?
Auch wenn man es vermuten könnte – selbst der Schädlingsbekämpfer darf die Marder nicht töten. „Kammerjäger dürfen zwar keine Fallen aufstellen oder gar Gift gegen Marder einsetzen, doch wenn diese zulässige Vergrämungsmethoden anbieten, dann kann man auch deren Hilfe in Anspruch nehmen“, sagt Heiermann.
