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von myHOMEBOOK

Lohnt sich die Installation?

Wie Sie mit einer Solaranlage auf dem Balkon Strom erzeugen können

Auch Mieter können die Mini-Solaranlagen auf dem Balkon anbringen
Auch Mieter können die Mini-Solaranlagen auf dem Balkon anbringenFoto: Getty Images

Sie sind Mieter und haben einen Balkon in Südlage? Dann können Sie sich bereits für ein paar hundert Euro eine Solaranlage selbst installieren, anmelden und den Strom in ihr Hausnetz einspeisen. myHOMEBOOK hat mit einer Expertin über die Vorteile gesprochen und erfahren, wann sich eine Anschaffung lohnt.

Eigenen Strom produzieren, unabhängig von großen Energieversorgern sein und einen kleinen Beitrag zur Energiewende leisten: Solarmodule gibt es mittlerweile nicht nur für das Hausdach, sondern auch für den Balkon. Mieter können sie selbst anbringen und damit Strom für ihr Zuhause erzeugen. Rund 40.000 solcher Anlagen gibt es bereits in Deutschland, Tendenz steigend. Für die Installation der sogenannten Plug-In-Module muss kein Techniker kommen, anmelden kann man sie seit dem Sommer 2019 ganz leicht selbst beim Netzbetreiber. Das einzige, was Sie dazu brauchen, ist ausreichend Sonne!

Was steckt hinter der Balkon-Solaranlage?

Nachdem es in Österreich und Luxemburg die Plug-In-Module für Balkon und Garten schon seit längerer Zeit gibt, sind die „kleinen Schwestern der Dach-Solaranlagen“ mittlerweile auch hierzulande auf dem Vormarsch. Die Module haben eine Nennleistung von 200 bis 600 Watt und können auf direktem Weg das eigene Stromnetzwerk unterstützen.

Seit April 2019 können Privathaushalte die Solaranlagen sogar selbst beim Energieversorger anmelden, bislang brauchte man dazu die Unterschrift eines Elektroinstallateurs. Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. bietet zur Anmeldung ein normkonformes Formular als PDF zum Download an.

„Allerdings sollte eine Elektrofachkraft als erstes prüfen, ob die Leitung für eine Stromeinspeisung ausgelegt ist, wenn die Mini-PV-Anlage an einen bestehenden Stromkreislauf angeschlossen werden soll“, rät Melanie Unseld vom VDE auf Anfrage von myHOMEBOOK. Unter Umständen muss diese vorab ausgetauscht werden, damit sie nicht überlastet wird.

Hinweis: Nach der Niederspannungsanschlussverordnung darf nur ein Elektriker am öffentlichen elektrischen Versorgungsnetz arbeiten. „Allerdings wird Sie niemand zur Rechenschaft ziehen, wenn Sie es doch selbst erledigen“, weiß Unseld. Doch Vorsicht: Die Hausrat- und Gebäudeversicherungen zahlen nicht, wenn es dann zu einem Hausbrand oder gar Personenschaden kommt.

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Wann lohnen sich Solarmodule auf dem Balkon?

Mit den Solaranlagen auf dem Balkon können Privathaushalte nicht nur ihre persönliche Energiewende voranbringen, sondern zudem auch bares Geld sparen. Die neue Verordnung ist ein wichtiger Schritt, um „die dezentrale Energieproduktion auch für Mieter und Kleingärtner voranzubringen, die bisher keine eigene Sonnenenergie nutzen konnten“, erklärt Bernhard Weyres-Borchert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus gewährleisten die Mini-Solaranlagen eine konstante Versorgungssicherheit – vorausgesetzt, die Sonne scheint. Um den eigenen Solarstrom auch bei schlechtem Wetter zu nutzen, brauchen Sie einen Speicherakku. Die Solarspeicher sind mit mehreren Tausend Euro leider immer noch sehr kostspielig, anders sieht es bei den Balkon-Solarmodulen aus.

VDE-Verbandssprecherin Unseld hat für myHOMEBOOK eine Beispielrechnung durchgeführt:

„Mini-PV-Module haben unter Testbedingungen eine Leistung von 150 bis 300 Watt. Durchschnittlich ist pro Jahr ein Ertrag von 70 bis 85 Kilowattstunden pro 100 Watt Nennleistung zu erwarten. Eine 500-Watt-Anlage erzeugt demnach beispielsweise rund 350 bis 425 Kilowattstunden pro Jahr. Ein Vier-Personen-Haushalt benötigt rund 3.000 Kilowattstunden Energie pro Jahr. Fazit: Ein Vier-Personen-Haushalt könnte über zehn Prozent weniger Strom vom Netzbetreiber beziehen.“

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Ab wann hat sich die Balkon-Solaranlage gelohnt?

Bis wann sich eine Mini-Solaranlage bezahlt gemacht hat, hängt stark davon ab, wie viel Strom sie erzeugt. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • In welche Himmelsrichtung ist die Mini-Solaranlage ausgerichtet?
  • Ist der Einstrahlungswinkel der Sonne optimal?
  • Fällt Schatten auf die Solarmodule?

„In einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren amortisiert sich bereits der energetische Aufwand, der für die Herstellung benötigt wurde“, weiß Unseld. Die Anschaffungskosten für ein Mini-Solarmodul sind nach acht bis 15 Jahren mit den ersparten Stromkosten beglichen, so die Expertin.

Laut Jörg Sutter, dem Vizepräsidenten der DGS, geht es den meisten Nutzern gar nicht so sehr um den Zeitpunkt, ab dem es sich rechnet: „Viel relevanter ist aber, dass mit Steckersolar eine Möglichkeit besteht, auch mit kleinem Geld bei der Energiewende selbst mitzumachen und selbst Strom umweltfreundlich zu erzeugen.“

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Woher kann man Solarmodule für den Balkon beziehen?

Die Module kann man recht unkompliziert im Baumarkt kaufen oder im Internet bestellen. Vor dem Kauf sollte sich der Verbraucher genau informieren. Energieexpertin Unseld warnt: „Am Markt sind ganz viele unterschiedliche Systeme verfügbar, leider immer auch noch einige, bei denen der Kunde selbst basteln muss und nur ein Kabel aus dem Wechselrichter kommt.“ Die überwiegende Mehrheit der Hersteller bietet aber sogenannte Energiesteckvorrichtungen an. Diese beinhalten einen Stecker plus Steckdose, die den direkten Kontakt mit Spannungen vermeiden. „Der Kunde bekommt also keinen Stromschlag und kann keinen aktiven Leiter berühren.“

Die Installation der Solarmodule auf dem Balkon können handwerklich begabte Menschen selbst übernehmen. In den fertigen Sets ist meistens ein Modul, die Verkabelung, ein Wechselrichter und eine Unterkonstruktion enthalten. „Wer sich eine eigene Installation nicht zutraut, kann einen Elektriker oder Solarbetrieb anfragen und auch eine solch kleine Anlage fix und fertig inklusive Montage und Anschluss kaufen“, erklärt Jörg Sutter auf myHOMEBOOK-Anfrage. „Beachten muss man, dass der Aufstellort möglichst sonnig ist und der Untergrund stabil genug ist, um das Modul auch bei Sturm sicher zu befestigen“, rät der Diplom-Physiker. Bei Mietwohnungen oder einer Eigentumsgesellschaft müssen die Vermieter oder die Miteigentümer 
angesprochen werden. Je nach Vertrag muss deren Zustimmung eingeholt werden.  

Tipp: Die DGS bietet auf ihrer Webseite eine große Produktübersicht über Steckdosen-Solarmodule, die sich auch nach Leistung oder Preis filtern lässt. Die günstigsten Modelle gibt es bereit ab rund 350 Euro.

Was ist beim Betrieb der Solaranlage zu beachten?

„Beim Betrieb von Steckdosen-Solarmodulen ist zu beachten, dass sich der Stromzähler nicht rückwärts dreht“, schreibt Greenpeace Energy in der gemeinsamen Pressemitteilung mit der DGS. Dazu benötigt man beispielsweise Stromzähler mit eingebauter Rücklaufsperre. „Die Umrüstung, in der Regel durch die Netzbetreiber, scheitert jedoch häufig an deren mangelnder Kooperation, da bislang nur ein Verfahren für die Anmeldung von Stromerzeugungsanlagen über Elektriker existierte“, heißt es weiter.

Das hat sich nun mit der Novelle der Verordnung geändert: Netzbetreiber sind jetzt verpflichtet, die Anmeldung von Steckdosen-Solargeräten bis 600 Watt durch Laien zu akzeptieren. Dies ist ein weiterer Schritt, wie auch Privathaushalte einen Beitrag zur Nutzung erneuerbarer Energie leisten können: „Die kleine Schwester der großen Photovoltaikanlagen öffnet die Tür für den privaten Verbraucher, seinen eigenen Beitrag zur Energiewende und zur Einsparung von CO2 zu leisten“, so Unseld.