23. September 2026, 6:49 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wer hin und wieder im Garten arbeitet, stößt früher oder später auf den Begriff „pH-Wert“. Was es mit diesem Wert auf sich hat, und warum Ihre Heidelbeeren oder Rhododendren es Ihnen danken werden, wenn Sie ihn verstehen, erfahren Sie hier auf myHOMEBOOK.
Sie haben gedüngt und gegossen und trotzdem haben Ihre Heidelbeeren gelbe Blätter bekommen, sind mickrig gewachsen und schließlich eingegangen. Der Grund dafür könnte der pH-Wert im Gartenboden gewesen sein. Dieser Wert ist ein unsichtbarer Faktor, der über Gedeih und Verderb im Garten mitentscheidet.
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Was der pH-Wert verrät
Der pH-Wert im Gartenboden gibt an, wie sauer oder alkalisch das chemische Milieu im Boden ist. Gemessen wird er auf einer Skala von 0 bis 14. Der Mittelpunkt bei 7 gilt als neutral. Unter 7 ist der Boden sauer, darüber alkalisch. Die meisten Gartenpflanzen mögen es leicht sauer bis neutral. Wo Ihr Gartenboden auf dieser Skala steht, können Sie mit wenig Aufwand herausfinden: Ein Teststreifen aus dem Gartenfachhandel gibt in Minuten einen groben Anhaltspunkt. Für genauere Werte können Sie eine Bodenprobe im Labor in Auftrag geben.
Was pH eigentlich bedeutet: Die Buchstaben pH stehen für „potentia Hydrogenii” – die Kraft des Wasserstoffs. Gemeint ist die Aktivität der Wasserstoff-Ionen (H⁺) in der Bodenlösung: Je mehr davon frei vorliegen, desto saurer der Boden, desto niedriger die Zahl.
Warum der pH-Wert so wichtig ist
Wurzeln nehmen Nährstoffe nicht einfach so auf, sondern sie brauchen sie in gelöster Form. Ob ein Nährstoff gelöst vorliegt oder fest im Boden gebunden bleibt, beeinflusst der pH-Wert. Bei einem ungünstigen Wert bleiben manche Nährstoffe blockiert, obwohl der Boden sie eigentlich enthält. Die Pflanzen sitzen quasi am gedeckten Tisch, können aber nicht zugreifen. Ein falscher pH-Wert kann also Mangelerscheinungen verursachen, wo eigentlich keine sein müssten.
Pflanzen für Böden mit niedrigem oder hohem pH-Wert
Für die meisten Beet- und Gemüsepflanzen genügt ein Boden, der leicht sauer bis neutral ist. Heidelbeeren dagegen brauchen einen niedrigeren pH-Wert und damit einen deutlich saureren Boden, sonst werden ihre Blätter gelb und sie kümmern. Auch Rhododendren, Azaleen und Kamelien gehören zu dieser Gruppe. Sie alle stammen ursprünglich aus Regionen mit ausgesprochen saurem Boden und tun sich mit gewöhnlicher Gartenerde schwer. Am anderen Ende der Skala stehen unter anderem Flieder, Buchsbaum und mediterrane Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Lavendel: Sie mögen einen höheren pH-Wert und damit einen eher alkalischen Boden, kommen aber auch mit einem neutralen Gartenboden gut zurecht.
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Kann sich der pH-Wert im Gartenboden von selbst verändern?
Auch wenn es nicht von heute auf morgen passiert, kann sich der pH-Wert im Gartenboden verschieben. Regen nimmt schon beim Fallen Kohlendioxid aus der Luft auf und wird dadurch leicht sauer. Im Boden selbst kommt einiges hinzu: Nadelstreu von Kiefern oder Fichten wirkt sauer, ebenso bestimmte Düngemittel. Über lange Zeiträume senkt das den pH-Wert schrittweise.
Leitungswasser, das oft kalkhaltig ist, wirkt in die andere Richtung. Wer über Jahre mit diesem harten Wasser gießt, hebt den pH-Wert im Beet langsam an. Eine einzelne Gießkanne bleibt folgenlos, in der Summe reicht es irgendwann, um empfindliche Pflanzen wie Heidelbeeren in Bedrängnis zu bringen.
Deshalb ist eine Bodenprobe alle paar Jahre sinnvoll, denn der Wert von heute muss nicht der von vor fünf Jahren sein.
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pH-Wert zu niedrig? Kalken hilft
Der optimale pH-Wert für die meisten Gartenpflanzen hängt unter anderem von der Bodenart ab: Sandböden liegen optimal zwischen 5,0 und 6,5, Lehmböden zwischen 5,5 und 7,0 und Tonböden zwischen 6,0 und 7,5. Rutscht der Wert einer Bodenprobe unter diese Spanne – wird er also zu sauer –, kann kohlensaurer Kalk im zeitigen Frühjahr etwa alle drei Jahre leicht in den Boden eingearbeitet werden: etwa 150 Gramm pro Quadratmeter auf leichten, sandigen Böden und 250 Gramm auf schweren. Wer regelmäßig Kompost ausbringt, hebt den pH-Wert damit oft schon ausreichend an und kann sich das Kalken sparen. Eine Ausnahme bilden Moorbeetpflanzen wie Heidelbeeren, Rhododendren und Eriken: Weil sie sauren Boden brauchen, sollte man bei ihnen auf Kalk oder gewöhnlichen Kompost verzichten.
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pH-Wert zu hoch? Nicht immer ein Problem
Liegt der pH-Wert des Bodens über der optimalen Spanne, ist das nicht automatisch problematisch. Wachsen die Pflanzen zufriedenstellend, besteht kein Handlungsbedarf. Erst wenn sie sichtbar schlecht gedeihen, kann es sinnvoll sein, den Boden anzusäuern.
Dafür zunächst auf Kalk und Kompost verzichten, weil beide den pH-Wert weiter erhöhen können. Über mehrere Jahre kann sich der pH-Wert dadurch von selbst wieder absenken. Etwas schneller geht es mit Nadelkompost oder Rindenmulch, die den Boden zusätzlich leicht ansäuern können.
Meine Heidelbeer-Lektion
Heidelbeeren, dachte ich zu Beginn meines Gärtnerlebens, können doch nicht so schwer sein. Ich habe ein großes Loch gebuddelt, die Hälfte des Aushubs mit saurer Erde aus dem Baumarkt gemixt und meine Heidelbeeren eingepflanzt. Ich hoffte, das mit dem pH-Wert im Gartenboden würde sich schon irgendwie einpendeln. Hat es natürlich nicht, denn die Natur verhandelt nicht mit uns. Inzwischen wachsen meine Heidelbeeren in großen, eingegrabenen Kübeln mit Abzugslöchern im Boden, randvoll mit reiner saurer Erde, kein Krümel Gartenboden mehr drin. Seitdem läuft es.