16. August 2025, 12:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wenn auf dem Grill Würstchen und Steaks brutzeln, denken die wenigsten an Nachtisch. Dabei steckt im Grill mehr als nur Herzhaftes – selbst Eis lässt sich damit zubereiten. Klingt widersprüchlich? Ist es aber nicht, denn der Trick liegt in der Hülle und das Ergebnis sorgt nicht nur für staunende Gesichter, sondern auch für ein wahres Geschmackserlebnis.
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Süßer Trend vom Rost
Pizza und Stockbrot kennt man längst vom Grill, auch Gemüse aus der Wok-Pfanne ist nichts Neues. Dass nun auch Desserts immer häufiger auf dem Rost landen, ist kaum verwunderlich. Schließlich lassen sich viele Klassiker kreativ weiterdenken. Die altbekannte Grillbanane bekommt dabei Konkurrenz.
„Eis vom Grill ist ein tolles Dessert und viel leichter zu machen als man denkt“, sagt Volker Elm, ehemaliger Präsident der German Barbecue Association. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, wird mit dem richtigen Know-how zur raffinierten Ergänzung des Grillmenüs.
Der Trick mit der Hülle
Natürlich schmilzt Eis bei Hitze, doch genau das kann verhindert werden: „Das Eis wird von einer schützenden Hülle – etwa aus Eischnee, Blätter- oder Biskuitteig umgeben“, empfiehlt Heike Kreutz im Newsletter des Bundeszentrums für Ernährung zum Thema Desserts vom Grill. Elm favorisiert dabei Eischnee: „Das geht schnell, gelingt einfach und gibt immer Komplimente.“
Der Ablauf ist simpel: Zunächst werden Kugeln der gewünschten Eissorte vorportioniert und mehrere Stunden tiefgefroren. Je härter das Eis, desto besser hält es der Hitze stand. Für optische Kontraste empfiehlt sich farbiges Fruchteis oder Schokoladeneis, das sich deutlich vom hellen Eischnee abhebt.
Der Grill sollte mit geschlossenem Deckel auf mindestens 200 Grad Celsius vorgeheizt werden. Je höher die Temperatur, desto besser. Gegrillt wird das Dessert bei indirekter Hitze. Beim Holzkohlegrill bedeutet das: Glut nur an einer Seite. Beim Gasgrill reicht es, die Flammen einer Seite auszuschalten.
Kurz vor dem Grillen wird der Eischnee zubereitet: Eiweiß mit etwas Salz, Puderzucker und Zitronenabrieb in einer fettfreien Glas- oder Metallschüssel steif schlagen. Der Eischnee ist fest genug, sobald man die Schüssel auf den Kopf drehen kann, ohne dass Eischnee herausfällt. Pro Portion ein bis zwei Eiweiße einplanen.
So wird das Eis grillfertig
Sobald der Grill heiß ist, wird eine Eiskugel aus dem Tiefkühler geholt und auf eine Unterlage gesetzt. Mürbeteig-Torteletts oder belgische Waffeln sorgen für die nötige Stabilität und den gewünschten Crunch. Elm bestreicht diese gern mit etwas Marmelade oder belegt sie mit Obst, bevor er die Kugeln positioniert. „Dann verrutscht die Kugel beim Umhüllen nicht und schmecken tut es auch.“
Mit einem Löffel wird das Eis rundherum etwa einen Zentimeter dick mit Eischnee umhüllt. Dabei sollte die Kugel vollständig und dicht bedeckt sein. Wer will, kann mit einer Stern-Spritztülle dekorative Akzente setzen, die beim Grillen schön bräunen.
Anschließend kommt das Ganze in den indirekten Bereich des Grills – wichtig ist, dass der Boden nicht verbrennt. Nach drei bis sieben Minuten ist das Dessert fertig, wenn das Baiser goldbraun ist. Ob Kohle- oder Gasgrill sei dabei egal, Hauptsache der Grill hat eine Haube. „Das ist allerdings heute der Standard“, so Elm.
Wer einen Pizzaofen mit 300 bis 400 Grad besitzt, kann das Dessert sogar in wenigen Sekunden zubereiten.
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Vielfältige Verfeinerungsideen
Das Grill-Dessert lässt sich individuell aufpeppen: Nussstücke passen gut zu Nusseis und sorgen für zusätzlichen Biss. Kinder lieben Zuckerstreusel, die beim Grillen auf dem Baiser mitbacken. Für Erwachsene empfiehlt sich eine raffinierte Variante mit etwa einem Schuss Likör oder Whiskey im Eischnee. Besonders originell: eingekochter Aperol, der mit ins Baiser gegeben wird.
Eine weitere kreative Idee: Selbstgemachtes Aperol- oder Orangeneis in eine ausgehöhlte Orangenschale füllen und mit dem aromatisierten Baiser umhüllen – die heiß-kalte Interpretation eines Sommergetränks.
Mut zur Überraschung: Süß trifft deftig
Elm bringt mit einer süß-deftigen Variante zusätzlich Spannung auf den Teller. Dafür kombiniert er dunkles Schokoladeneis mit karamellisiertem Speck: Die gefrorene Kugel wird auf ein Tortelett gesetzt, mit Eischnee ummantelt und mit sogenannten Bacon-Candy-Stückchen bestreut.
Dafür wird der Speck kross gebraten und mit braunem Zucker karamellisiert, danach abgekühlt und gehackt. Zum Servieren wird Balsamico-Creme über das Dessert geträufelt. Ein kräftiger Espresso oder Ristretto macht das Erlebnis perfekt.
„Die Gäste sind zunächst etwas ungläubig, dann total begeistert“, sagt Elm. Und das überrascht nicht, wenn so viele Gegensätze miteinander verschmelzen: kaltes Eis trifft auf warmen Baiser, fluffige Hülle auf knusprigen Boden, süße Schokolade auf würzigen Speck. Das Ergebnis: eine wahre Geschmacksexplosion.
Wichtig zum Schluss: Das Dessert sollte sofort serviert werden, denn einmal angeschnitten, schmilzt das Eis bei sommerlichen Temperaturen rasch.
Mit Material der dpa

