12. Mai 2026, 12:22 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Brennnesseln sind vielen vor allem wegen ihres unangenehmen Brennens auf der Haut ein Begriff und deshalb im Garten eher unbeliebt. Dabei werden sie oft unterschätzt, denn die Pflanzen sind deutlich vielseitiger, als ihr Ruf vermuten lässt: Sie können etwa als Tee zubereitet oder zur Pflege anderer Pflanzen eingesetzt werden und lassen sich sogar im eigenen Garten sinnvoll nutzen – zum Beispiel in Form von Brennnesseljauche als natürlicher Dünger. myHOMEBOOK-Gartenexpertin Franka Kruse-Gering erklärt im Video, wie man Brennnesseljauche ganz einfach selbst herstellen kann.
Wie man Brennnesseljauche ansetzt
- Zunächst müssen die Brennnesseln geschnitten werden, am besten mit einer Schere, wobei die Stängel auf etwa 20 Zentimeter Länge gekürzt werden. Da die feinen Brennhaare bei Berührung Hautreizungen verursachen können, empfiehlt es sich, dabei unbedingt Handschuhe und möglichst auch lange Kleidung zu tragen, um direkten Kontakt zu vermeiden.
- Die abgeschnittenen Pflanzenteile werden anschließend in einen Holz- oder Kunststoffbehälter gelegt und vollständig mit Regenwasser übergossen, sodass alles gut bedeckt ist und der Gärprozess einsetzen kann. Alternativ lässt sich die Brennnesseljauche auch in einer größeren Flasche ansetzen.
Anschließend braucht es etwas Geduld: Die Jauche sollte regelmäßig umgerührt oder geschüttelt werden, idealerweise einmal täglich. Zudem ist es wichtig, das Gefäß hin und wieder zu öffnen, damit Sauerstoff hineingelangt – ohne ihn kann die Gärung nicht richtig stattfinden. Bereits nach wenigen Tagen beginnt die Mischung zu blubbern und zu schäumen, gleichzeitig entwickelt sie einen sehr intensiven, unangenehmen Geruch. Daher empfiehlt es sich, den Behälter an einem abgelegenen Ort aufzustellen und ausreichend Abstand zur Terrasse oder zu Sitzplätzen einzuplanen.
Der Gärprozess dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Ein sonniger Standort kann die Umsetzung beschleunigen und die Phase mit dem intensiven Geruch verkürzen. Um den Geruch etwas abzumildern, lässt sich beispielsweise eine kleine Menge Steinmehl oder etwas Lavendel hinzufügen. Sobald sich die Flüssigkeit dunkel färbt und keine Blasen mehr bildet, ist die Gärung abgeschlossen. Nach dem Abseihen steht der fertige Bio-Dünger zur Verfügung, während die verbleibenden Pflanzenreste auf dem Kompost entsorgt werden können.
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Tipp: Man sollte keine Metallgefäße für das Ansetzen der Brennnesseljauche verwenden, da sie chemisch reagieren. Den Bottich sollte man mit einem Gitter oder Kaninchendraht abdecken, um das Ertrinken von Tieren zu vermeiden. Außerdem sollte man ihn mit einem Tuch bedecken, um Verunreinigungen durch Laub & Co. zu verhindern.
Die richtige Dosierung von Brennnesseljauche
Junge Pflanzen vertragen den Naturdünger aus Brennnesseln nicht so hoch konzentriert wie alte und große Pflanzen. Folgende Regel gilt für die richtige Konzentration:
- Alte und große Pflanzen: 1 Teil Jauche, 10 Teile Wasser
- Junge Pflanzen und Setzlinge: 1 Teil Jauche, 20 Teile Wasser
- Rasen: 1 Teil Jauche, 20 Teile Wasser
Selbstverständlich kann man auch Starkzehrer wie Tomaten, Kartoffeln, verschiedene Kohlsorten, Kürbis, Zucchini, Brokkoli, Paprika, Lauch, Gurken, Sellerie und weiteres Gemüse damit düngen. Hier empfiehlt sich ebenfalls das Mischverhältnis von einem Teil Jauche und 20 Teilen Wasser.
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Wie man Brennnesseln gegen Blattläuse einsetzen kann
Brennnesseln eignen sich auch als Schädlingsbekämpfungsmittel. Hierfür setzt man eine Brennnesselbrühe oder einen Brennnesselsud an. Die Herstellung erfolgt wie bei der Brennnesseljauche, doch ist der Sud bereits nach 24 Stunden fertig. Nach dem Sieben kann er in eine Sprühflasche umgefüllt werden. Von Blattläusen befallene Pflanzen müssen täglich eingesprüht werden. Nach ungefähr einer Woche sollten die Pflanzen frei von den lästigen Störenfrieden sein.
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Brennnesseln zum Heilen und Verzehren
Die Brennnessel ist vielseitig nutzbar. Brennnesselsamen sind sogar erstaunlich wohlschmeckend. Die chemische Analyse zeigt, dass die Pflanze ein vollwertiges Nahrungsmittel ist. Sie enthält viel Eisen, Vitamin A, C und E, Phosphor, Natrium, Kalium und Magnesium. In ihr findet sich mehr Vitamin C als in Orangen und mehr Eiweiß als in Soja. In Suppen überrascht sie mit einem besonders milden Geschmack. Mit ihrer entzündungshemmenden Wirkung wird sie als Tinktur oder Salbe bei verschiedensten Erkrankungen unterstützend eingesetzt. Als Tee wirkt sie harntreibend und soll bei Blasenentzündungen helfen.