31. März 2026, 6:15 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Auf den ersten Blick wirkt das Orientalische Zackenschötchen harmlos: leuchtend gelbe Blüten, ähnlich dem Raps, ein echter Hingucker am Wegesrand. Doch der Eindruck täuscht. Die aus Osteuropa stammende Pflanze zählt zu den sogenannten Neophyten und wird von Fachleuten zunehmend kritisch gesehen. Denn wo sie sich wohlfühlt, breitet sie sich rasant aus und kann heimische Arten verdrängen.
Offiziell ist das Zackenschötchen bislang nicht als invasive Art auf EU-Ebene gelistet – als potenziell invasiv gilt es jedoch schon heute. Für Gartenbesitzer bedeutet das: genau hinschauen und im Zweifel handeln. myHOMEBOOK erklärt, was zu tun ist.
Was ist das Orientalische Zackenschötchen?
Das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis) gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist damit verwandt mit Raps, Senf und Kohl. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Osteuropa und Westasien. Heute ist sie auch in Deutschland weit verbreitet. Typisch sind ihre leuchtend gelben Blüten im späten Frühjahr, kräftige, oft gefiederte Blätter und ein Wuchs von bis zu anderthalb Metern Höhe. Als mehrjährige Staude kann sie viele Jahre am selben Standort überdauern.
Warum die Pflanze zum Problem werden kann
Das Problem liegt weniger in ihrem Aussehen als in ihrem Verhalten: Eine einzelne Pflanze kann mehrere tausend Samen bilden. Gleichzeitig ist das Zackenschötchen äußerst robust und konkurrenzstark. „Es wächst schnell, bildet dichte Bestände und regeneriert sich aus kleinen Wurzelresten“, erklärt Sandra von Rekowski vom Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands. Außerdem nimmt es anderen Pflanzen Licht, Platz und Nährstoffe weg. Besonders auf artenreichen, mageren Wiesen kann es so heimische Pflanzen nach und nach verdrängen und die Vielfalt deutlich verringern.
Dazu passend: Kirschlorbeer in der Schweiz verboten! Bald auch in Deutschland?
Hier tritt das Orientalische Zackenschötchen häufig auf
Man findet die Pflanze vor allem an Straßenrändern, auf Bahndämmen, an Feldrändern oder auf brachliegenden Flächen. Sie liebt sonnige Standorte und kommt gut mit trockenen, kalkhaltigen Böden zurecht. Solche Bedingungen bieten viele vom Menschen geprägte Landschaften – ein Grund, warum sich das Zackenschötchen in den vergangenen Jahren so erfolgreich ausbreiten konnte.
Ist es das Zackenschötchen oder Raps?
Auf den ersten Blick ist die Verwechslung mit Raps naheliegend: Beide haben gelbe Blüten und gehören zur gleichen Pflanzenfamilie. Doch es gibt Unterschiede. Zackenschötchen blühen meist etwas später und wachsen oft in unregelmäßigen Gruppen an Wegesrändern, nicht in gleichmäßigen Feldern. Außerdem werden sie meist höher und besitzen eine kräftige, tiefreichende Pfahlwurzel. Auch die Blätter wirken gröber und stärker eingeschnitten als beim Raps.
Bitte nicht im Garten anpflanzen
Auch wenn Teile der Pflanze essbar sind und die Samen sogar teils im Handel als Wildgemüse verkauft werden, ist von einer gezielten Ansiedlung im Garten abzuraten. Das Zackenschötchen verbreitet sich schnell über Samen und kann sich nur schwer wieder entfernen lassen. Wer es einmal im Garten hat, muss oft über Jahre hinweg dagegen anarbeiten. Deshalb gilt: lieber gar nicht erst ansiedeln und vorhandene Pflanzen frühzeitig im Blick behalten.
Auch interessant: Paulownia in der Schweiz verboten – bald auch in Deutschland?
Warum man auf die Kanadische Goldrute im Garten verzichten sollte
Sollte Kirschlorbeer in Deutschland verboten werden? Das denken die myHOMEBOOK-Leser
So wird man das Orientalische Zackenschötchen wieder los
Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend, erklärt die Expertin: „Im Garten sollte man es frühzeitig ausgraben und vor der Samenbildung entfernen.“ Da die Pflanze nach einem bloßen Abschneiden erneut austreiben kann, ist es sinnvoll, sie vollständig mitsamt der Wurzel auszustechen. Dafür wird in der Regel ein stabiler Unkrautstecher benötigt, da die Wurzeln tief in den Boden reichen.
Verwendung in der Küche
Auch die Nutzung der Pflanze ist möglich: „Junge Blätter und Knospen sind sogar essbar, die einjährige Wurzel schmeckt wie milder Meerrettich“, erläutert von Rekowski. Damit lässt sie sich in der Küche vielseitig verwenden, etwa in Salaten oder als würzige Ergänzung zu verschiedenen Gerichten.