30. Oktober 2026, 16:26 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer im Herbst oder Winter aufmerksam in Baumkronen schaut, kann mitunter merkwürdige Gebilde entdecken: Zwischen den normalen Ästen sitzt plötzlich ein dichtes Knäuel aus zahlreichen kleinen Zweigen. Aus der Entfernung erinnert es ein wenig an einen alten Reisigbesen. Tatsächlich bezeichnet man diese auffälligen Wuchsformen als Hexenbesen. Mit Hexerei haben sie allerdings nichts zu tun. Dahinter können ganz unterschiedliche botanische Ursachen stecken.
Was ist ein Hexenbesen?
Hexenbesen können sowohl an Laub- als auch an Nadelgehölzen auftreten. Besonders gut lassen sich die ungewöhnlichen Gebilde häufig erkennen, wenn Laubbäume ihre Blätter verloren haben. Dann fällt auf, dass sich an bestimmten Stellen in der Baumkrone besonders viele kurze Triebe dicht verzweigen.
Nach Angaben des Pflanzenschutzdienstes Hamburg können hinter solchen Hexenbesen ganz unterschiedliche Ursachen stecken. Möglich sind etwa Krankheitserreger wie Pilze, Bakterien oder Viren. Es gibt aber auch Hexenbesen, die durch eine spontane genetische Veränderung einer Knospe entstehen.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Nicht jeder Hexenbesen bedeutet automatisch, dass ein Baum krank ist.
Ein Pilz kann für den ungewöhnlichen Wuchs sorgen
Ein bekanntes Beispiel findet sich bei Birken. Wie Wald und Holz NRW auf dem Fachportal Waldwissen erklärt, kann hier der Pilz Taphrina betulina für die Bildung von Hexenbesen verantwortlich sein. Durch den Befall treiben zahlreiche sogenannte schlafende Knospen aus. Mit der Zeit entsteht daraus das charakteristische dichte Zweigbüschel.
Auch der Pflanzenschutzdienst Hamburg beschreibt diesen Zusammenhang. Demnach besiedelt der Pilz die Rinde des Triebes und sorgt durch Wuchsstoffe dafür, dass unterhalb der betroffenen Stelle zahlreiche ruhende Knospen austreiben.
Je nach Gehölz können jedoch ganz andere Ursachen hinter dem Phänomen stecken. Der Pflanzenschutzdienst nennt unter anderem Viren bei Eschen und Robinien sowie Bakterien bei Lärchen. An Tannen können wiederum Rostpilze Hexenbesen verursachen.
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Nicht jeder Hexenbesen entsteht durch eine Krankheit
Besonders interessant sind Hexenbesen, die nicht auf einen Krankheitserreger zurückgehen. Nach Angaben des Pflanzenschutzdienstes Hamburg können spontane genetische Veränderungen einzelner Knospen dazu führen, dass ein Trieb plötzlich stark gestaucht weiterwächst. Die Knospen sitzen dadurch besonders eng beieinander und es entwickelt sich die auffällig kompakte Form.
Auch bei Nadelgehölzen lässt sich ein solcher kompakter Wuchs beobachten. „Bei Nadelgehölzen gibt es das ab und zu, dass die so kompakt beginnen zu wachsen, meist in den Baumkronen“, erklärt Sebastian Mühlemann von der Baumschule Bauer auf Nachfrage von myHOMEBOOK. Was zunächst nur ungewöhnlich aussieht, kann für den Gartenbau allerdings besonders interessant sein.
Aus Hexenbesen können neue Zwerggehölze entstehen
Ein genetisch entstandener Hexenbesen kann gezielt weitervermehrt werden. Auch Wald und Holz NRW weist darauf hin, dass solche genetischen Formen für die Züchtung beziehungsweise Entwicklung von Zwerggehölzen für Gärten und Parks genutzt wurden.
Mühlemann erklärt, dass solche Hexenbesen gezielt vegetativ vermehrt wurden, meist durch Veredelung. Als Beispiele nennt er die Bergkiefern Pinus mugo ‚Humpy‘ und Pinus mugo ‚Mops‘.
„Es gibt fast von jeder Konifere eine ‚Kugelform‘ oder etwas Ähnliches, welche man so vegetativ vermehrt hat“, erklärt der Experte.
Dass solche auffälligen Mutationen gärtnerisch interessant sein können, bestätigt auch der Pflanzenschutzdienst Hamburg. Demnach haben schwachwüchsige Mutationen zur Erweiterung des Gehölzsortiments beigetragen und wurden gezielt weitervermehrt.
So kann aus einer zunächst merkwürdig wirkenden Wuchsform hoch oben in der Baumkrone letztlich eine kompakte Gartenpflanze hervorgehen.
Muss man einen Hexenbesen entfernen?
Ein Hexenbesen muss nicht grundsätzlich entfernt werden. Laut Pflanzenschutzdienst Hamburg treten die Gebilde häufig nur an einzelnen Ästen auf und beeinträchtigen das Wachstum des gesamten Baumes meist nicht. Eine Entfernung sei deshalb in der Regel nicht notwendig.
Ähnlich bewertet es Wald und Holz NRW: Selbst größere Hexenbesen haben demnach in der Regel keine negativen Auswirkungen auf das Wachstum des Baumes. Entscheidend ist allerdings, wodurch der Hexenbesen überhaupt entstanden ist. Weil hinter der auffälligen Wuchsform verschiedene Ursachen stecken können, sollte man allein anhand des Aussehens nicht automatisch auf eine bestimmte Erkrankung schließen.