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Studie hat es untersucht

Halten Schnittblumen durch Viagra wirklich länger?

Viagra für Schnittblumen?
Viagra wird bei Menschen mit Potenzproblemen eingesetzt, soll aber auch eine Wirkung in der Blumenvase haben Foto: Getty Images/peter-dazeley
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Marike Stucke
Autorin

3. März 2026, 17:13 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ein Strauß frischer Rosen auf dem Tisch – und schon nach zwei, drei Tagen lassen sie die Köpfe traurig hängen. Kein Wunder, dass sich um die Haltbarkeit von Schnittblumen zahlreiche Mythen ranken: Zucker ins Wasser, Kupfermünzen, Aspirin. Und auch Viagra kann angeblich bei Schnittblumen helfen. Tatsächlich haben sogar Wissenschaftler in einer Studie untersucht, ob der Wirkstoff aus dem Potenzmittel die Lebensdauer von Blumen verlängern kann. Kann das Medikament also wirklich dafür sorgen, dass Rosen und Tulpen länger frisch bleiben?

Was ist eigentlich Viagra?

Viagra enthält den Wirkstoff Sildenafil. Er sorgt beim Menschen dafür, dass sich Blutgefäße erweitern und besser durchblutet werden. Entwickelt wurde das Medikament ursprünglich zur Behandlung von Herzproblemen – erst später wurde seine Wirkung bei Erektionsstörungen bekannt. Was aber hat das mit Schnittblumen in der Vase zu tun?

Was hinter der Idee steckt

Die Verbindung zwischen Viagra und Blumen führt über einen Botenstoff namens Stickstoffmonoxid (NO). Sildenafil beeinflusst im menschlichen Körper einen Signalweg, der mit NO zusammenhängt. Stickstoffmonoxid spielt jedoch nicht nur beim Menschen eine Rolle, sondern auch bei Pflanzen.

Genau hier setzte eine Studie aus dem Jahr 1999 an: Forscher untersuchten, ob sehr geringe Mengen Sildenafil im Vasenwasser die Haltbarkeit von Schnittblumen verlängern können. In ihren Versuchen zeigte sich unter kontrollierten Laborbedingungen eine verlängerte Vase-Lebensdauer um mehrere Tage. Als möglicher Mechanismus wurde diskutiert, dass über NO-abhängige Signalwege Alterungsprozesse in den Pflanzenzellen verzögert werden könnten.

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Stickstoffmonoxid und Pflanzenalterung

Stickstoffmonoxid ist in Pflanzen ein wichtiges Signalmolekül. Es beeinflusst unter anderem Stressreaktionen, Abwehrmechanismen und Alterungsprozesse. In der Forschung wird seit Jahren untersucht, ob sogenannte NO-Donoren – also Substanzen, die Stickstoffmonoxid freisetzen – die sogenannte Seneszenz, den natürlichen Alterungsprozess von Pflanzengewebe, verlangsamen können.

Tatsächlich zeigen verschiedene Laborstudien, dass bestimmte NO-Donoren bei einigen Pflanzenarten die Blütenfrische verlängern können. Allerdings hängt die Wirkung stark von der Konzentration, der Pflanzenart und den Versuchsbedingungen ab. Zu hohe oder ungeeignete Dosierungen können sogar gegenteilige Effekte haben.

Warum Viagra bei Schnittblumen problematisch ist

So verlockend die Idee klingt – es gibt gute Gründe, die Finger davon zu lassen:

  • Keine verlässlichen Studien für den Hausgebrauch: Es existieren keine belastbaren Untersuchungen, die zeigen, dass handelsübliches Viagra in der Vase Schnittblumen messbar länger frisch hält.
  • Falsche Dosierung: Medikamente wie Viagra sind auf den menschlichen Körper abgestimmt. In der Vase können Konzentrationen schnell zu hoch oder wirkungslos sein.
  • Rückstände im Abwasser: Arzneistoffe gehören nicht ins Blumenwasser und später nicht in den Ausguss. Sie können Kläranlagen belasten.
  • Hoher Preis: Für eine einzelne Tablette (Preis zwischen 10 und 20 Euro) lassen sich problemlos mehrere Sträuße frischer Blumen kaufen.
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Warum Schnittblumen überhaupt welken

Schnittblumen sind von ihrer Wasser- und Nährstoffversorgung getrennt. Nach dem Abschneiden:

  • bilden sich Luftblasen in den Leitungsbahnen,
  • Bakterien vermehren sich im Vasenwasser,
  • die Pflanze verliert stetig Feuchtigkeit und
  • der natürliche Alterungsprozess setzt ein.

Das Ziel jeder „Haltbarkeits-Maßnahme“ ist daher simpel: Wasseraufnahme verbessern und Bakterien reduzieren.

Viagra für Schnittblumen? Was wirklich hilft

Wer die Haltbarkeit von Schnittblumen verlängern möchte, muss kein riskantes Hausmittel ausprobieren. Entscheidend sind vor allem zwei Faktoren: eine gute Wasseraufnahme und möglichst wenig Keime im Vasenwasser. Mit den folgenden Maßnahmen lässt sich die Lebensdauer eines Straußes oft um mehrere Tage verlängern.

Stiele frisch und richtig anschneiden

Mit einem scharfen Messer schräg anschneiden, um die Wasseraufnahme zu verbessern. Bei empfindlichen Blumen kann es helfen, die Stiele unter Wasser zu kürzen, damit keine Luft in die Leitungsbahnen gelangt. Holzige Stiele (z. B. Rosen) dürfen unten leicht eingeschnitten oder vorsichtig angeklopft und aufgefächert werden, weiche Stiele sollten dagegen sauber und glatt angeschnitten bleiben.

Blätter unterhalb der Wasserlinie entfernen

Alte Blätter im Wasser faulen schnell und fördern die Bakterienbildung. Deshalb sollten sie konsequent entfernt werden.

Saubere Vase verwenden

Hygiene spielt eine entscheidende Rolle für die Haltbarkeit der Blumen. Vor jedem Neubefüllen reinigt man die Vase gründlich mit heißem Wasser, um Bakterien, Keime und Rückstände zuverlässig zu entfernen. Anschließend spült man die Vase sorgfältig aus, damit keine Reinigungsreste zurückbleiben, und füllt erst danach frisches, sauberes Wasser ein.

Wasser regelmäßig wechseln

Spätestens alle zwei Tage erneuert man das Wasser, damit es frisch und sauber bleibt. Bei hohen Temperaturen wechselt man es noch häufiger, da sich Keime und Bakterien in der Wärme besonders schnell vermehren.

Wasserhöhe anpassen

Nicht jede Blumenart benötigt gleich viel Wasser. Rosen oder Hortensien benötigen eine höhere Füllmenge, Tulpen hingegen kommen mit weniger Wasser besser zurecht, sollten aber regelmäßig nachgefüllt werden. Zu viel Wasser kann Fäulnis begünstigen.

Blumennahrung einsetzen

Handelsübliche Frischhaltemittel kombinieren Zucker (Energiequelle), Säuerungsmittel und antibakterielle Bestandteile – in einer ausgewogenen Dosierung. Das ist deutlich sinnvoller als Experimente mit Zucker, Aspirin oder Medikamenten.

Der Standort ist entscheidend

Blumen nicht in die pralle Sonne oder direkt neben die Heizung stellen. Auch Obstschalen sind ungünstig, da reifendes Obst Ethylen freisetzt, ein Gas, das den Alterungsprozess beschleunigt.

Verblühtes entfernen

Welke Blüten schneidet man möglichst frühzeitig ab, da sie vermehrt Ethylen freisetzen. Dieses Reifegas beschleunigt den Alterungsprozess und lässt den gesamten Strauß schneller welken.

Marike Stucke
Autorin

Sträuße regelmäßig „ausmisten“

„Nichts ist schöner als ein großer, bunter Blumenstrauß. Schade, wenn die ersten Blüten nach ein paar Tagen welken. Aber dieses Schicksal muss nicht gleich dem ganzen Strauß blühen. Ich kann die Lebensdauer meiner Sträuße meist auf gute zwei Wochen verlängern, indem ich regelmäßig verwelkte oder gar faule Blüten aussortiere und die Stiele noch frischer Blumen kürze. Auch das Wasser wird jedes Mal erneuert. So wird der Strauß mit der Zeit immer kleiner und kompakter, hält aber gefühlt ewig.“

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