23. November 2025, 7:13 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Kaum eine Pflanze steht so sehr für die Adventszeit wie der Weihnachtsstern. Seine leuchtenden Hochblätter bringen Licht in dunkle Tage, bis sie nach und nach verblassen. Für viele ist das der Moment der Enttäuschung: Hat man etwas falsch gemacht? In den meisten Fällen lautet die Antwort: ein wenig ja – und ein wenig nein. Denn der Weihnachtsstern ist empfindlicher, als er aussieht. myHOMEBOOK-Pflanzenexpertin Franka Kruse-Gering erklärt, warum der Weihnachtsstern seine Farbe verliert und was man unter Berücksichtigung seiner biologischen Uhr tun kann.
Darum hat der Weihnachtsstern bunte Blätter
Seine roten, rosafarbenen oder weißen „Blütenblätter“ sind in Wahrheit gar keine Blüten, sondern sogenannte Hochblätter – botanisch „Brakteen“ genannt. Die echten Blüten des Weihnachtssterns sind winzig, unscheinbar und sitzen als kleine gelbgrüne Knöpfchen in der Mitte.
Die farbigen Hochblätter sind nur die Bühne, nicht der Star. Sie sollen in der Natur Insekten anlocken, damit diese die echten Blüten bestäuben. In seiner Heimat Mexiko blüht der Weihnachtsstern rund um die Wintersonnenwende, wenn das Tageslicht kurz ist. Erst diese langen Nächte lösen die Verfärbung der Hochblätter aus – ein genialer Trick, um im dunklen Winter Aufmerksamkeit zu erregen.
Dazu passend: Wie man einen Weihnachtsstern übersommern kann
Warum der Weihnachtsstern seine Farbe verliert
Wenn der Weihnachtsstern seine leuchtende Farbe verliert, kann das ganz unterschiedliche Gründe haben. Manche sind ganz natürlich – andere liegen an Pflegefehlern oder ungünstigen Umweltbedingungen.
Wie man den Weihnachtsstern richtig pflegt, damit er lange blüht
Die bunten Blätter des Weihnachtssterns sind keine Blüten
Natürliche Ursachen
Ende der Blütezeit
Nach einigen Wochen ist die Blütezeit des Weihnachtssterns ganz einfach vorbei. Die kleinen gelbgrünen Blüten in der Mitte – die sogenannten Cyathien – verwelken, und damit verlieren auch die farbigen Hochblätter ihre Aufgabe. Sie haben Insekten angelockt, solange die Pflanze bestäubt werden wollte. Sobald diese Phase endet, kehrt der Weihnachtsstern zu seinem ursprünglichen Grün zurück.
Natürlicher Alterungsprozess
Wie jede Blühpflanze durchläuft auch der Weihnachtsstern einen Lebenszyklus mit Aktivitäts- und Ruhephasen. Nach der farbintensiven Zeit im Winter zieht er sich zurück, um neue Kraft zu sammeln. Das äußert sich durch das Verblassen der Farben und manchmal durch Blattfall – kein Grund zur Sorge, sondern ein Zeichen für seinen natürlichen Rhythmus.
Biologischer Takt – die Kurztagspflanze
Der Weihnachtsstern färbt seine Hochblätter nur, wenn die Nächte lang genug sind. Dieses Signal – die sogenannte Kurztag-Reaktion – regt die Bildung der Farbstoffe an. Ist die Blühphase abgeschlossen oder ändert sich das Lichtverhältnis, stellt die Pflanze die Farbstoffproduktion ein. Dadurch verliert sie langsam ihren festlichen Ton und wird wieder grün.
Pflegefehler und Umweltfaktoren
Zu wenig Licht
Der Weihnachtsstern liebt Helligkeit. Steht er zu dunkel, kann er keine kräftigen Farbpigmente mehr bilden – die Hochblätter werden blasser oder grünlich. Besonders nach den Feiertagen, wenn die Tage noch kurz sind, ist Lichtmangel eine der häufigsten Ursachen für Farbverlust. Ein heller Standort direkt am Fenster (aber ohne Zugluft) hilft, die Farbe länger zu erhalten.
Zu hohe Temperaturen
Zu warme Heizungsluft macht dem Weihnachtsstern zu schaffen. Temperaturen über 22 Grad beschleunigen seinen Stoffwechsel, die Pflanze verbraucht mehr Energie und verliert schneller ihre Farbkraft. Ideal sind gleichmäßige 18 bis 20 Grad – nicht zu heiß, nicht zu kühl.
Zugluft und Temperaturschwankungen
Schon ein kurzer Kältereiz, etwa beim Transport oder Lüften, kann zu Stress führen. Der Weihnachtsstern reagiert darauf empfindlich mit Flecken, Farbverlust oder sogar Blattfall. Deshalb: keine Plätze über der Heizung oder neben der Balkontür.
Falsches Gießverhalten
Staunässe und Ballentrockenheit sind die größten Feinde. Zu viel Wasser lässt die Wurzeln faulen, zu wenig trocknet sie aus – beides stört die Nährstoffversorgung und damit auch die Farbintensität. Die Erde sollte stets leicht feucht, aber niemals nass sein. Am besten: von unten gießen und überschüssiges Wasser nach einigen Minuten abgießen.
Trockene Heizungsluft
Sie entzieht der Pflanze Feuchtigkeit, was zuerst an den Hochblättern sichtbar wird: Die Ränder werden blass, die Farbe verliert an Tiefe. Eine kleine Schale Wasser auf der Heizung oder das gelegentliche Besprühen der Luft rund um die Pflanze können helfen, das Raumklima zu verbessern.