13. September 2026, 9:08 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Duftende Blüten, leuchtende Früchte und mediterranes Flair machen Zitronen, Mandarinen und Kumquats zu beliebten Kübelpflanzen. Doch wer sich an den Exoten versucht, merkt schnell: Zitruspflanzen stellen besondere Ansprüche. Vor allem bei Erde, Wasser und der Überwinterung können kleine Fehler große Folgen haben.
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Warum Zitruspflanzen als anspruchsvoll gelten
Zitrusgewächse verschönern Balkon, Terrasse oder Wintergarten und liefern je nach Art sogar essbare Früchte. Gartenbauingenieur und Buchautor Heinrich Beltz beschreibt ihre Vorzüge so: „Sie blühen und duften herrlich, sie sind wunderschön und die Früchte von vielen kann man abpflücken und frisch essen. Vor allem Mandarinen schmecken selbst gezogen sehr oft besser als gekauft.“ Manche Sorten eigneten sich zudem zum Kandieren oder für Marmeladen.
Besonders wichtig ist der pH-Wert des Substrats. Liegt dieser außerhalb des optimalen Bereichs, können die Pflanzen Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufnehmen. Gartenbauwissenschaftler Lutz Popp vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege verweist dabei unter anderem auf Eisenmangel. Die Folgen können gelbliche Blätter und ein beeinträchtigtes Wurzelwachstum sein.
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Spezialerde hilft bei Problemen mit dem pH-Wert
Weil die exakte Einstellung des pH-Werts schwierig ist, empfiehlt Beltz bei Problemen das Umtopfen. Die alte, lockere Erde sollte möglichst entfernt und die Pflanze anschließend in spezielle Zitruserde gesetzt werden.
Sowohl Beltz als auch Popp halten Spezialsubstrate und entsprechende Dünger bei vielen Pflanzen für verzichtbar, bei Zitrusgewächsen jedoch nicht. Die Pflanzen gelten als „Diven“ und reagieren empfindlich auf ungeeignete Bedingungen. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, ist ein Umtopfen alle zwei bis drei Jahre sinnvoll.
Das richtige Gießwasser macht den Unterschied
Nicht nur die Erde, auch die Wasserqualität beeinflusst den pH-Wert im Topf. Beltz rät: „Das Wasser sollte eine Carbonathärte von sechs bis zehn haben. Das Leitungswasser in vielen Regionen Norddeutschlands liegt in diesem Bereich. Regenwasser ist zu weich.“
So bestimmen Sie die Carbonathärte des Gießwassers
Die Carbonathärte (KH) lässt sich am einfachsten über die Angaben des örtlichen Wasserversorgers ermitteln. Die meisten Wasserwerke veröffentlichen die Werte für ihre Versorgungsgebiete online. Alternativ können Hobbygärtner die Carbonathärte mit Teststreifen oder Tröpfchentests aus dem Aquaristikbedarf selbst messen. Wer besonders genaue Werte benötigt, kann zudem eine Wasseranalyse im Labor durchführen lassen. Für Zitruspflanzen gilt eine Carbonathärte von etwa sechs bis zehn Grad deutscher Härte (°dH) als günstig.
Nach seinen Beobachtungen kann die Erde versauern, wenn Zitruspflanzen über viele Jahre ausschließlich mit Regenwasser gegossen werden.
Anders verhält es sich in Regionen mit sehr hartem Leitungswasser, etwa rund um München und in weiteren Teilen Süddeutschlands. Dort kann der pH-Wert im Substrat zu stark ansteigen. Popp empfiehlt deshalb, Leitungswasser mit Regenwasser zu mischen.
Beim Gießen selbst brauchen Zitronen, Mandarinen und Co. weniger Wasser als beispielsweise Hortensien, reagieren aber empfindlich auf längere Trockenheit. Im Sommer kann je nach Topfgröße meist alle ein bis zwei Tage gegossen werden, im Winter reicht häufig eine Wassergabe pro Woche.
So gelingt die Überwinterung
Neben dem pH-Wert zählt die Temperatur zu den entscheidenden Faktoren für gesunde Pflanzen. Vor allem die kalte Jahreszeit stellt viele Besitzer vor Herausforderungen. Zwar überstehen zahlreiche Arten leichten Frost, doch Beltz betont: „Es tut ihnen nicht gut.“
Als ideal gelten Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad Celsius an einem hellen Standort, etwa in einem Wintergarten oder beheizten Gewächshaus.
Dunkle Garagen oder fensterlose Schuppen sind nach Einschätzung von Popp keine gute Lösung. „Wenn man Zitrusgewächse im Winter in eine dunkle Garage oder einen fensterlosen Gartenschuppen sperrt, leiden sie“, erklärt er. Helfen können energiesparende Leuchten oder LEDs, die zusätzliches Licht liefern, ohne Wärme abzugeben.
Auch die Überwinterung in Wohnräumen birgt Probleme. „Dann wachsen sie weiter und bekommen häufig sehr lange Triebe, weil sie sich zum Licht strecken“, so Popp. Hinzu kommt die trockene Raumluft. Beltz warnt: „Zitrusbäume mögen keine Zentralheizungsluft.“
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Schädlinge frühzeitig bekämpfen
Die schwierigen Bedingungen im Winter begünstigen häufig einen Befall mit Schildläusen oder Spinnmilben. Stehen die Pflanzen im Sommer im Freien, können natürliche Gegenspieler helfen. Dazu zählen unter anderem Raubmilben. Nach den Erfahrungen von Beltz gilt außerdem: „Auch Spinnen räumen ganz gut ab.“
In Gewächshäusern lassen sich Nützlinge gezielt einsetzen. Fadenwürmer können gegen Larven des Dickmaulrüsslers wirken, Schlupfwespen gegen Blattläuse und Raubmilben gegen Spinnmilben.
Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. „Wichtig ist, die Nützlinge vorbeugend oder beim allerersten Befall einzusetzen, sonst schaffen sie es nicht“, erklärt Beltz.
Bei Schild- und Wollläusen empfiehlt er ölhaltige Pflanzenschutzmittel aus dem Fachhandel. Von selbst gemischten Präparaten rät er dagegen ab, da deren Wirkung und Verträglichkeit nicht geprüft sind.
Beim Schnitt auf Knospen und Seitentriebe achten
Ob Kumquat oder Pomeranze: Die Wuchsform vieler Zitruspflanzen lässt sich durch gezielte Schnitte beeinflussen. Wichtig ist dabei, Triebe immer direkt über einer Knospe oder an einem jungen Seitentrieb zu kürzen. So bleibt die Versorgung des Asts erhalten und die Schnittstelle kann besser geschlossen werden.
Wird dagegen weit entfernt von einer Knospe oder einem Seitentrieb geschnitten, kann die Versorgung des Zweigs unterbrochen werden. Die Wunde bleibt offen und Krankheitserreger haben leichteres Spiel.
Allerdings lässt sich nicht jede Sorte in eine gewünschte Form bringen. Beltz verweist auf eine besonders ungewöhnliche Art: „Buddhas Hand wächst zum Beispiel krumm und schief – man muss es halt bizarr nennen.“ Die charakteristischen Früchte erinnern tatsächlich an eine Hand mit langen Fingern. Andere Zitrusarten fallen durch gestreifte Blätter oder auffällig gezeichnete Früchte auf.
Mit Material der dpa