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Niedrigere Standards

Neuer „Gebäudetyp E“ könnte für privaten Hausbau zur Falle werden

Hausbau
Der neue Gebäudetyp soll den Wohnungsbau vorantreiben – könnte sich aber für private Bauherren negativ auswirken Foto: GettyImages/filmfoto
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Felix Mildner
Redaktionsleiter

21. November 2025, 10:54 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Die Bundesregierung verspricht einfacheres, schnelleres und günstigeres Bauen – mit einem neuen Gebäudestandard namens „Gebäudetyp E“. Was nach einer willkommenen Erleichterung für angehende Eigenheimbesitzer klingt, birgt laut Verbraucherschützern erhebliche Risiken. Denn wer auf niedrigere Standards setzt, muss mit unerwarteten Folgen rechnen.

Was hinter dem Gebäudetyp E steckt

„Bauen ist in Deutschland zu teuer“, sagte Justizministerin Stefanie Hubig, die laut Medienberichten zusammen mit Bauministerin Verena Hubertz die Eckpunkte am Donnerstag (20.11.2025) vorstellte. Mit dem Gebäudetyp E – das „E“ steht für „einfach“ – möchte die Bundesregierung nun Hürden im Bauwesen abbauen. Er solle sowohl für den Neubau als auch im Bestand gelten. Der Ansatz: Bauherren und Baufirmen sollen künftig bestimmte technische Standards reduzieren oder weglassen dürfen, sofern dies vertraglich vereinbart ist.

Solche Vereinfachungen können etwa bedeuten:

  • weniger Steckdosen,
  • schlichtere Fenster oder dünnere Wände,
  • Verzicht auf Fußbodenheizung, Keller oder Aufzug.

Der entscheidende Punkt: Diese Abweichungen gelten dann nicht mehr als Mängel – sofern sie im Vertrag festgehalten sind. Damit würde sich die Verantwortung auf die Bauherren selbst verlagern, die mit ihrer Unterschrift eine geringere Qualität ausdrücklich akzeptieren.

Die Auswirkungen auf den privaten Hausbau

Insbesondere für private Bauherren sieht der Bauherren-Schutzbund e. V. (BSB) große Gefahren. Eine aktuelle Umfrage des Verbands zeigt: Mehr als 60 Prozent der Befragten lehnen es ab, die Baustandards abzusenken – selbst wenn das Einsparungen von bis zu zehn Prozent bedeutet. „Bezahlbares Wohneigentum ja – aber nicht auf Kosten der Bauqualität“,
warnt BSB-Pressesprecher Erik Stange in einer Pressemitteilung.

Aus Sicht des Verbands ergeben sich gleich mehrere Risiken:

  • Weniger Kontrolle: Abweichungen von den allgemein anerkannten Regeln der Technik könnten leichter durchgesetzt werden – oft, ohne dass Bau-Laien den vollen Umfang verstehen.
  • Qualitätsprobleme: Vereinfachtes Bauen kann langfristig zu Schäden am Gebäude, höherem Energieverbrauch oder mangelndem Schallschutz führen.
  • Fragwürdige Ersparnis: Gerade im privaten Einfamilienhausbau seien die finanziellen Vorteile durch reduzierte Standards gering. Relevante Kosteneffekte seien eher bei größeren Bauprojekten wie Mehrfamilienhäusern zu erwarten.
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Verband übt Kritik am neuen Gebäudetyp

„Wenn beim Gebäudetyp E von Standards abgewichen wird, ist für private Bauherren volle Transparenz entscheidend“, sagt Stange vom BSB auf myHOMEBOOK-Nachfrage. „Wer nach Gebäudetyp E baut, muss genau wissen, an welcher Stelle Standards abgesenkt und Kosten eingespart werden und ob diese Einsparungen mögliche Qualitätseinbußen überhaupt rechtfertigen.“ Pauschale Schätzwerte – wie aktuell vorgesehen – würden dafür nicht ausreichen.

Zudem sei es laut Stange fraglich, ob die Unternehmen etwaige Einsparungen tatsächlich auch an die Verbraucher weitergeben. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass herkömmliches Bauen künstlich verteuert wird, um den Gebäudetyp E im Vergleich günstiger erscheinen zu lassen. „Es darf nicht dazu kommen, dass am Ende der gleiche Preis für geringere Qualität gezahlt wird“, stellt der Experte klar. Die Abweichung von bestehenden Normen berge zudem die Gefahr, dass Mängel schwerer nachzuweisen sind.

Was private Bauherren jetzt beachten müssen

Wer den Traum vom eigenen Haus verwirklichen will, sollte jeden Vertrag sehr genau prüfen. Alle vereinbarten Abweichungen von üblichen Standards müssen klar, verständlich und schriftlich geregelt sein. Denn wenn etwa bestimmte Dämmwerte oder Bauelemente wegfallen und später Mängel auftreten, sind nachträgliche Ansprüche kaum durchzusetzen.

Hinzu kommt: Es ist keineswegs sicher, dass Bauunternehmen ihre Einsparungen an die Kundschaft weitergeben. Wer auf einfachere Standards setzt und auf einen Preisnachlass hofft, könnte enttäuscht werden.

Felix Mildner
Redaktionsleiter

Wenn vereinfachtes Bauen zur Falle wird

„Der Ansatz des einfacheren Hausbaus ist nicht grundsätzlich verkehrt. Im seriellen Wohnungsbau oder bei kommunalen Projekten kann die Senkung von Standards durchaus helfen, Kosten zu reduzieren und Verfahren zu beschleunigen. Für private Bauprojekte hingegen fehlt es aber wohl an den entsprechenden Effekten. Die Verantwortung liegt hier bei Einzelpersonen – ohne technisches Fachwissen oder juristischen Beistand. Für sie kann der Gebäudetyp E schnell zur Falle werden.“

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