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Hohe Baukosten

Wie man mit der Muskelhypothek beim Hausbau Geld sparen kann

Muskelhypothek
Der Hausbau war immer schon teuer – und die Kosten steigen derzeit stark an. Wer sich mit Eigenleistungen einbringen kann, kann sparenFoto: Getty Images

Viele müssen hart kalkulieren, wenn sie ein Haus bauen. Ein paar Tausend Euro Ersparnis können da wichtig sein. Eigenleistungen können das ermöglichen - doch man darf nicht zu hohe Erwartungen haben.

Eigenleistungen statt teurer Handwerker, die derzeit auch noch Mangelware sind – geht diese Rechnung für Bauherren auf? Fachleute sind skeptisch, dass das Übernehmen von Aufgaben am Hausbau oder im Rahmen von Sanierungen die Arbeit von Fachfirmen ersetzen kann. Aber versierte und talentierte Heimwerker können mit Eigenleistungen – der sogenannten „Muskelhypothek“ – durchaus den einen oder anderen Euro sparen. Folgende Tipps sollte man allerdings dabei beachten.

1. Keine Profi-Ergebnisse erwarten

Für die „Muskelhypothek“ eignen sich vor allem Arbeiten, die personalintensiv sind, aber zugleich ohne große Fachkenntnisse erledigt werden können. Viele malern und tapezieren, verlegen Fußböden oder helfen beim Dämmen des Dachs. Etliche wagen sich auch an das Verlegen der Fliesen.

Trotzdem sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau: „Ein Heilmittel gegen die aktuellen Personalengpässe bei Baufirmen und Handwerkern sind die Eigenleistungen nicht. Nicht umsonst gibt es verschiedene Berufe mit langen Ausbildungszeiten“, sagt er. „Laien können beim besten Willen nicht in kurzer Zeit die Fachkenntnisse erwerben, die Maler, Maurer, Fliesenleger, Dachdecker oder Elektriker besitzen.“

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2. Realistisch kalkulieren

Auch finanziell muss man seine Erwartungen dämpfen. „Das große Geld“ lasse sich mit Eigenleistungen nicht sparen, sagt Klaus-Jürgen Edelhäuser.

Das liegt daran, dass die großen Kostenpunkte am Hausbau auf Arbeiten entfallen, die in der Regel Profis übernehmen müssen. Aber nicht nur. So bleiben in der Praxis auch die Arbeiten, die Verwandte und Freunde erledigen, oft nicht unvergütet – man einigt sich auf kleine Helferlöhne für all die Mühen und die Zeit, die sie investieren. Dazu kommt, dass durch mangelndes Wissen, Unsicherheiten und Schusseligkeit Verluste bei teuren Materialien vorkommen können.

Ob Eigenleistungen am Ende zu nennenswerten Kostenersparnissen bei der Baufinanzierung führen, hängt also stark vom handwerklichen Können, der zur Verfügung stehenden Zeit und dem Engagement des Bauherren und seinem Umfeld ab.

Wer handwerklich geschickt ist, kann zwar viele Arbeiten übernehmen. Aber man sollte den Aufwand gegenrechnen, gerade wenn man beruflich und familiär eh schon stark eingespannt ist. Daher rät Ingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser: „Wer sich nicht sicher ist, dass er das wirklich will, sollte sich lieber nicht zu Eigenleistungen überreden lassen.“

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3. Ausprobieren, was einem liegt

Aber das Geld ist nicht der einzige Grund, selbst Hand anzulegen. Vielen Bauherren macht es Freude, am Entstehen des eigenen Heims mitzuwirken. Und man kann sich vieles aneignen, etwa in Onlinekursen. Robert Raschke-Kremer, Trainer an der DIY Academy in Köln, rät daher, vor der Entscheidung für bestimmte Eigenleistungen auszuprobieren, was einem liegt.

Selbst wer handwerklich nicht so geschickt, aber körperlich fit ist, findet noch genügend Betätigungsfelder. Bei Renovierungen und Umbauten sind das zum Beispiel vorbereitende Arbeiten wie das Abreißen von alten Tapeten und Fußbodenbelägen oder der Rückbau von Einbauten. Auch Arbeiten für die Handwerker wie das Glätten von Wänden und Fußböden oder das Fräsen von Schlitzen für die Elektroleitungen können von Bauherren übernommen werden.

„Wichtig ist, das vorher mit den Baufirmen zu besprechen und alle Haftungsfragen zu klären. Denn die Fachfirmen übernehmen nur die Haftung für ihre eigenen Leistungen, nicht für die der Bauherren“, rät Klaus-Jürgen Edelhäuser.

4. Sich mit Baufirma detailliert absprechen

Man sollte vor Vertragsabschluss genau auflisten, welche Eigenleistungen man selbst erbringen möchte. Das muss dann mit dem Vertragspartner abgestimmt und im Vertrag detailliert festgeschrieben werden, erklärt der Verband Privater Bauherren (VPB). Besonders wichtig sei es, die Schnittstellen zwischen Fremd- und Eigenleistungen exakt zu definieren, und zwar in zeitlicher und organisatorischer Hinsicht.

Und es muss beachtet werden, dass die Eigenleistungen nicht den Bauablauf stören, sondern sich reibungslos einfügen. „Das ist nicht einfach, denn Baulaien brauchen in der Regel mindestens doppelt so lange wie routinierte Handwerker“, sagt Heimwerker-Trainer Robert Raschke-Kremer.

Auch die finanziellen Fragen sollte man im Vorfeld klären, damit klar ist, welchen Wert die Eigenleistungen am Ende haben. „Viele Baufirmen lassen sich auf die Beteiligung der Bauherren ein, auch weil sie aktuell schwer Personal finden“, sagt Ingenieur Klaus-Jürgen Edelhäuser. „Dann muss aber ausgehandelt werden, wie sie bezahlt werden – nach Zeit, pauschal oder eventuell mit einem Rabatt vom Endpreis.“

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5. Versicherungen abschließen

Unterstützen Helfer aus dem Familien- und Freundeskreis den Bauherren bei den Eigenleistungen, muss dieser sie und sich selbst versichern. „Denn Privatleute, die in eigener Sache auf ihrer Baustelle tätig sind, genießen keinen Schutz durch die gesetzliche Unfallversicherung“, so der Verband Privater Bauherren. „Sie müssen sich selbst durch eine private Unfallversicherung oder eine freiwillige Versicherung bei der Berufsgenossenschaft absichern.“

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