2. Dezember 2025, 13:07 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Wie stark Deutschlands Haushalte noch auf fossile Heizsysteme setzen, zeigt eine aktuelle Auswertung – und offenbart große regionale Unterschiede. Besonders im Nordwesten ist die Gasheizung nach wie vor Standard, während in anderen Regionen alternative Heizformen wie Fernwärme oder Wärmepumpen an Bedeutung gewinnen.
Mehr als jede zweite Wohnung wird mit Gas beheizt
Nach einer Analyse des Hamburger Energieunternehmens 1Komma5°, die auf Zensusdaten des Statistischen Bundesamts zu den Heizsystemen in allen 400 Landkreisen und kreisfreien Städten basiert, wird mehr als die Hälfte der Wohnungen in Deutschland mit Gas beheizt. Der genaue Anteil liegt bei 56 Prozent. Auf Platz zwei folgt Heizöl mit einem Anteil von 19 Prozent.
In städtischen Gebieten spielt zudem Fernwärme eine wichtige Rolle und kommt auf einen Anteil von 15 Prozent. Damit entfallen auf diese drei Energieträger insgesamt 90 Prozent aller Heizsysteme bundesweit. Der verbleibende Anteil verteilt sich auf Wärmepumpen, Holz, Kohle und Strom.
„Die vielen Gas- und Ölheizungen in Deutschland werden mittel- und langfristig zur Kostenfalle für Verbraucherinnen und Verbraucher“, warnt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer des Unternehmens. CO2-Preis und Netzentgelte würden bereits 2026 je nach Region um zweistellige Prozentwerte ansteigen. Dazu kommt der Rückbau des Gasnetzes, wodurch es für verbleibende Kunden noch teurer wird. „Wer fossil heizt, trägt künftig die teuerste Infrastruktur“, erklärt Schall.
Nordwestliche Bundesländer besonders stark von Gas abhängig
Den höchsten Anteil an Gasheizungen unter den Bundesländern weist Niedersachsen auf: Hier werden rund 72 Prozent aller Wohnungen mit Gas beheizt. Auch Nordrhein-Westfalen und Bremen liegen mit ähnlich hohen Anteilen im oberen Bereich.
Deutlich weniger verbreitet ist die Gasheizung hingegen im Süden und Osten des Landes. In Bayern beispielsweise beträgt der Gasanteil lediglich 42 Prozent. Dort spielen alternative Heizformen wie Holz und Holzpellets eine größere Rolle (zehn Prozent).
Auch Fernwärme ist in einigen Regionen eine verbreitete Lösung – so etwa in Berlin, wo sie 43 Prozent der Heizsysteme ausmacht, sowie in Mecklenburg-Vorpommern mit einem Anteil von 34 Prozent. In Baden-Württemberg ist Gas hingegen weniger dominant.
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Interesse an Wärmepumpen variiert stark je nach Bundesland
Neben der Analyse der Heizdaten ließ 1Komma5° im Rahmen einer repräsentativen YouGov-Umfrage auch das Interesse am Umstieg auf Wärmepumpen erfassen. Die höchste Bereitschaft zum Einbau einer Wärmepumpe wurde in Nordrhein-Westfalen festgestellt: 46 Prozent der Befragten dort gaben an, sich wahrscheinlich für diese Heiztechnologie zu entscheiden. Am wenigsten Zustimmung zeigt sich hingegen in den ostdeutschen Bundesländern Sachsen und Thüringen.
Wärmepumpen-Vorreiter in Rheinland-Pfalz
Dass der Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme bereits vielerorts Fahrt aufnimmt, zeigt ein Blick auf einzelne Landkreise. Die beiden rheinland-pfälzischen Kreise Trier-Saarburg und Eifelkreis Bitburg-Prüm gelten dabei als Vorreiter. Dort liegt der Anteil an Wärmepumpen bei 11,7 beziehungsweise 10,1 Prozent – und damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.