12. Februar 2026, 17:18 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Steigende Energiepreise, unsichere politische Rahmenbedingungen und hohe Investitionssummen – viele Eigentümer zögern bei der energetischen Sanierung. Doch eine aktuelle Modellrechnung legt nahe, dass sich der Blick auf die reinen Anschaffungskosten nicht auszahlt. Über einen Zeitraum von 20 Jahren betrachtet, können klimafreundliche Heizsysteme – allen voran Wärmepumpen – deutlich günstiger sein als fossile Alternativen. Unter bestimmten Annahmen ergibt sich sogar ein finanzieller Vorteil von bis zu 90.000 Euro.
20-Jahres-Vergleich statt Fokus auf Anschaffungskosten
Wie wirtschaftlich eine neue Heizung ist, wird häufig allein anhand der Investitionskosten beurteilt. Diese kurzfristige Perspektive greift allerdings laut Experten zu kurz. Für Eigentümer zählen die Gesamtkosten im Lebenszyklus der Immobilie – also Investition, Finanzierung, staatliche Förderung, laufende Energiekosten, Instandhaltung und die Entwicklung des Immobilienwerts. Die unabhängige Beratungsgesellschaft co2online hat deshalb eine Modellrechnung erstellt, die den Zeitraum von 20 Jahren betrachtet und all diese Faktoren einbezieht.
Typisches Einfamilienhaus als Grundlage
Untersuchungsgrundlage ist ein unsaniertes Einfamilienhaus aus dem Baujahr 1983 mit 130 Quadratmetern Wohnfläche. Bei dem beispielhaften Fall sind in den vergangenen 20 Jahren keine energetischen Modernisierungen erfolgt. In allen Szenarien wird eine vollständige energetische Sanierung angenommen – inklusive Maßnahmen an der Gebäudehülle, dem Einbau eines neuen Heizsystems sowie einer Photovoltaikanlage.
Verglichen wurden sechs Varianten: der Austausch von Gas- und Ölheizungen sowie der Umstieg auf Luft-Wasser-Wärmepumpen, Erdwärmepumpen, Fernwärme und Pelletheizungen.
Deutlich niedrigere Heizkosten mit erneuerbaren Energien
Ein zentrales Ergebnis: Die Heizkosten über 20 Jahre fallen bei Systemen auf Basis erneuerbarer Energien deutlich geringer aus als bei fossilen Heizungen. Im Modell summieren sich die Heizkosten bei einer Gasheizung auf rund 28.000 Euro, bei einer Ölheizung auf rund 41.000 Euro. Wärmepumpen liegen je nach Ausführung lediglich bei etwa 13.000 bis 17.000 Euro.
Zwar sind die Anfangsinvestitionen für Wärmepumpen und andere erneuerbare Systeme höher. Durch staatliche Förderprogramme und geringere laufende Energiekosten ergeben sich jedoch niedrigere Gesamtkosten aus Investition und Energie als bei Gas- oder Ölheizungen.
Passend dazu: Wärmepumpe im Altbau? Studie kommt zu interessantem Ergebnis
Wertsteigerung kann Sanierung wirtschaftlich drehen
Werden zusätzlich Instandhaltungskosten und die durchschnittliche Wertentwicklung der Immobilie berücksichtigt, verschieben sich die Ergebnisse noch deutlicher. Im Modell ergibt sich ein ökonomischer Vorteil von rund 39.000 Euro für Luft-Wasser-Wärmepumpen und 48.000 Euro für Erdwärmepumpen. Dagegen entstehen bei Gas- und Ölheizungen Mehrkosten von rund 31.000 Euro beziehungsweise 43.000 Euro.
Im direkten Vergleich entspricht das einem Vorteil von etwa 70.000 bis 90.000 Euro zugunsten der Wärmepumpen. Dabei handelt es sich nicht um einen kurzfristigen Gewinn, sondern um einen positiven Saldo über den Betrachtungszeitraum – unter anderem durch geringere laufende Kosten und eine höhere Bewertung der Immobilie.
Ab wann lohnt sich eine energetische Sanierung? Das zeigen aktuelle Analysen
Heizen mit Gas immer teurer – Wärmepumpen als günstigere Alternative
Weitere Studie zu laufenden Kosten
Eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox aus dem Jahr 2025 hat sich ebenfalls mit dem Vergleich von Gasheizung und Wärmepumpe beschäftigt und zeigt, wie viel man dabei langfristig sparen kann. Demnach betragen die Heizkosten für ein Einfamilienhaus mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zum Zeitpunkt der Analyse im Schnitt 2262 Euro. Setzt man die gleiche Heizleistung stattdessen bei einer modernen Wärmepumpe an, sinken die Kosten für den Betrieb auf 1337 Euro pro Jahr. Dabei handelt es sich um eine Ersparnis von 925 Euro bzw. 41 Prozent jährlich.
Ergebnisse sind Orientierung, keine Garantie
Die Modellrechnung von co2online versteht sich ausdrücklich nicht als individuelle Wirtschaftlichkeitsanalyse, sondern als Orientierung auf Basis typischer Annahmen. Da mit Energiepreisprognosen und Durchschnittswerten gerechnet wird, können tatsächliche Entwicklungen abweichen. Politische Entscheidungen, regionale Unterschiede oder das individuelle Nutzungsverhalten beeinflussen laut den Experten die realen Kosten.
co2online empfiehlt Eigentümern daher, die Modellrechnung als Einstieg zu nutzen und im Anschluss eine individuelle Berechnung auf Grundlage der eigenen Gebäudedaten vorzunehmen.