28. Juni 2026, 7:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Es gibt Menschen, die warten sehnsüchtig auf die erste Gelegenheit, die Wohnung der Jahreszeit anzupassen. Kaum ist Weihnachten vorbei, stehen schon die ersten Osterhasen in den Startlöchern. Danach folgen Sommermuscheln, Herbstkränze, Halloween-Kürbisse und schließlich wieder die Adventsdeko. Ein endloser Kreislauf aus Kisten, Kunstblumen und Dekorationsobjekten. myHOMEBOOK-Redakteurin Mareike Schmidt kann damit nicht viel anfangen.
Früher fand ich die Idee charmant, das Zuhause passend zur Jahreszeit zu gestalten. Heute empfinde ich den ständigen Wechsel eher als Belastung. Denn während draußen die Natur ohnehin zeigt, welche Jahreszeit gerade herrscht, frage ich mich zunehmend, warum auch mein Wohnzimmer alle paar Monate ein neues Kostüm anziehen muss.
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Wann wurde Dekoration zur Daueraufgabe?
Was mich an saisonaler Dekoration am meisten stört, ist die Erwartung, ständig etwas verändern zu müssen. Kaum hat man sich an einen Raum gewöhnt, soll schon wieder umgeräumt, ausgetauscht und neu dekoriert werden. Dabei ist ein Zuhause für mich kein Schaufenster und auch keine Kulisse für den nächsten Anlass. Ich möchte Räume schaffen, die dauerhaft schön wirken und nicht nur für wenige Wochen funktionieren.
Jedes Jahr dieselben Kisten aus dem Keller zu holen, Dekoration zu entstauben, aufzustellen und kurze Zeit später wieder wegzuräumen, fühlt sich inzwischen eher nach einer zusätzlichen Aufgabe an als nach einem Vergnügen. Die Vorstellung, mein Zuhause permanent an den Kalender anzupassen, hat für mich ihren Reiz verloren.
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Mein persönlicher Endgegner: Osterdeko
Besonders mit Osterdekoration konnte ich nie wirklich etwas anfangen. Bunte Plastikeier, Hasenfiguren mit Schleifen, künstliche Küken oder Zweige voller Anhänger erzeugen bei mir selten Frühlingsgefühle. Stattdessen wirken viele dieser Arrangements auf mich überladen und oft auch etwas zu kitschig.
Die klassische Osterdekoration ist für viele ein Hase hier, ein Ei dort, dazu andere Dekoration in Pastellfarben – und plötzlich soll Frühlingsstimmung entstehen. Doch genau das passiert bei mir nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass der Frühling keine künstliche Inszenierung braucht. Während andere Jahreszeiten oft subtil kommen, zeigt sich der Frühling von ganz allein. Die ersten Blüten erscheinen, das Licht verändert sich, die Tage werden länger und überall beginnt es zu grünen. Diese Veränderungen wirken auf mich wesentlich stimmungsvoller als jede Vase mit Ästen, an denen bunte Plastikeier baumeln.
Ein einfacher Strauß frischer Zweige oder die ersten Tulpen auf dem Esstisch bereiten mir da deutlich mehr Freude und sind das Einzige, was bei mir von der Dekoration her im Frühjahr einziehen darf.
Herbstkränze und gefärbte Blätter
Ähnlich geht es mir mit vielen Herbstdekorationen. Kaum fallen die ersten Blätter, tauchen überall Kränze aus Kunstlaub, dekorative Kürbisse und Arrangements in Orange-Braun auf. Dabei liefert der Herbst bereits genug Atmosphäre. Die Farben draußen sind spektakulär genug. Ich brauche keine künstlich gefärbten Blätter auf dem Esstisch, um zu erkennen, dass Oktober ist. Oft habe ich das Gefühl, dass saisonale Dekoration versucht, eine Stimmung zu erzeugen, die ohnehin schon vorhanden ist. Das Ergebnis wirkt dann nicht gemütlicher, sondern eher wie eine überdeutliche Wiederholung dessen, was die Natur bereits viel schöner vormacht.
Lieber zeitlose Räume als saisonale Dekoration
Mit den Jahren habe ich gelernt, dass ich mich in Räumen am wohlsten fühle, die nicht von einer bestimmten Saison abhängig sind. Natürliche Materialien, gute Textilien, schöne Leuchten und ausgewählte Möbel funktionieren im Januar genauso gut wie im August. Sie brauchen keine saisonalen Ergänzungen, um relevant zu bleiben. Anstatt jedes Quartal neue Dekoartikel zu kaufen, investiere ich lieber in Dinge, die dauerhaft bleiben dürfen und die mich zu jeder Jahreszeit erfreuen. Das wirkt nicht nur ruhiger, sondern oft auch hochwertiger. Mein Zuhause soll sich nach mir anfühlen und nicht nach dem aktuellen Dekokalender.
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Die einzige Ausnahme
Wenn es allerdings eine Form von saisonaler Dekoration gibt, die ich verstehe, dann ist es Weihnachtsdekoration.
Vielleicht liegt es daran, dass sie mehr ist als reine Dekoration. Weihnachten verändert die Atmosphäre eines Raumes tatsächlich. Lichterketten bringen Helligkeit in die dunkelste Zeit des Jahres, Kerzen sorgen für Wärme und ein Weihnachtsbaum schafft eine besondere Stimmung, die sich kaum künstlich erzeugen lässt. Während Osterhasen oder Herbstkränze für mich oft wie austauschbare Accessoires wirken, besitzt Weihnachtsdekoration eine emotionale Ebene. Sie ist mit Erinnerungen, Ritualen und gemeinsamen Momenten verbunden.
Weniger Deko, mehr Zuhause
Vielleicht ist meine Abneigung gegen saisonale Dekoration letztlich keine Kritik an Dekoration selbst. Es geht vielmehr um das Gefühl, ständig etwas verändern zu müssen. Ich möchte nicht viermal im Jahr ein neues Wohnkonzept inszenieren. Ich möchte Räume, die das ganze Jahr über gut aussehen. Räume, die nicht von Osterhasen, Herbstkränzen oder anderer kitschiger Deko abhängig sind, um schön zu wirken.