28. Mai 2026, 14:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wächst eine junge Familie um ein weiteres Mitglied, setzen die frischgebackenen Eltern häufig alles daran, das Neugeborene nicht aus den Augen zu lassen. Auch nachts wird dann häufig Wert auf gemeinsame Zeit und ein großes Familienbett gelegt. Aber wie sinnvoll ist das? myHOMEBOOK wirft einen Blick auf die Vor- und Nachteile sowie wichtige Sicherheitsaspekte.
Es gibt kaum ein Thema, das heißer diskutiert wird, als die kontroverse Frage nach der Schlafsituation für junge Familien. Alle in einem Bett oder doch getrennt in verschiedenen Räumen – die Entscheidung darüber fällt meistens bereits vor der Geburt des Kindes und je nach Vorlieben beider Elternteile. Leichtfertig sollte man diese auf keinen Fall treffen, denn es gibt neben den Pro- und Contra-Argumenten zum Familienbett auch gesundheitliche Leitlinien, an denen man sich nach der Geburt eines Kindes orientieren sollte. Und die schließen die Schlafsituation mit ein.
Folgen Sie jetzt myHOMEBOOK bei WhatsApp
Familienbett ist kein neuer Hype
Erst, wenn man eigene Kinder hat, bemerkt man, wie schnell die Zeit wirklich vergeht. Gerade noch ein Säugling, lernen Babys rasch dazu und wachsen und gedeihen in Rekordtempo. Weil vor allem das erste Lebensjahr für Eltern oftmals viel zu schnell dahinzieht, hat sich über Jahre die Idee des Familienbettes etabliert. Der Gedanke dahinter: sich auch nachts besonders nah sein zu können. Während die Form des Co-Sleepings in anderen Kulturen ganz selbstverständlich genutzt wird, sorgt der Gedanke, dass sich alle Familienmitglieder ein Bett teilen, hierzulande immer wieder für Debatten.
Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass das gemeinsame Schlafen Menschen bereits seit tausenden Jahren begleitet. Lange vor der Industrialisierung schliefen Menschen ausschließlich in Gemeinschaft – häufig aus Platzmangel, aber auch zum Schutz jedes Einzelnen und zum Temperaturerhalt. Erst weitaus später, etwa vor 200 Jahren, entwickelte sich daraus eine neue Schlafkultur, die eigene Zimmer für jeden vorsah.
Warum das Familienbett so beliebt ist
Vor allem in den ersten Lebensmonaten eines Neugeborenen kann ein Familienbett viele Vorteile haben. Die Nähe beim Schlafen stärkt nicht nur die Eltern-Kind-Bindung, sondern sorgt auch für Geborgenheit und ein sicheres Gefühl. Babys können sich noch nicht selbst regulieren und von alleine in den Schlaf finden. Deshalb kann ein Familienbett helfen, dass sich Schlafrhythmen angleichen und Aufwachzyklen verringert werden. Mütter betonen zudem den praktischen Nutzen, da das nächtliche Stillen erleichtert wird, wenn man das Bett nicht verlassen muss.
Wer also nachts stillt, Wert auf körperliche Nähe legt und genügend Platz zur Verfügung hat, kann über die Möglichkeit eines Familienbettes nachdenken.
Auch interessant: So lässt sich Kinderspielzeug stilvoll ins Wohnzimmer integrieren
Deshalb kann ein Familienbett problematisch sein
Gleichzeitig ist es wichtig, auch die negativen Aspekte hinter einem Familienbett zu beachten. An oberster Stelle steht der Punkt Sicherheit. Zu den größten Risiken für Neugeborene zählt der plötzliche Säuglingstod. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. sowie die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. empfehlen diesbezüglich übereinstimmend den Verzicht auf Bettzeug. Große Decken oder Kissen können zu Überhitzung des kleinen Körpers führen und bergen die Gefahr der Erstickung. Gerade in den ersten Lebensmonaten gilt ein Familienbett deshalb aus medizinischer Sicht als umstritten.
Doch es gibt noch weitere Nachteile. So können Platzmangel und fehlende Privatsphäre den Schlaf der Eltern in Mitleidenschaft ziehen. Vor allem unruhigen Schläfern oder Familien mit stark unterschiedlichen Schlafrhythmen wird von einem Familienbett abgeraten.
Sicherheit steht an erster Stelle
Auch, wenn ein Familienbett ernsthafte Sicherheitsbedenken mit sich bringt, bedeutet das nicht, dass Eltern nicht mit ihren Neugeborenen in einem Raum schlafen sollten. Zahlreiche Gesundheitsbehörden, so auch der britische Gesundheitsdienst NHS, empfehlen vielmehr einen Mittelweg: keine räumliche Trennung, stattdessen eine Alternativlösung zum Familienbett: „Der sicherste Schlafplatz für ein Baby in den ersten sechs Lebensmonaten ist ein eigenes Bettchen im selben Raum wie die Eltern.“ Hintergrund der Empfehlung sei vor allem die Prävention des plötzlichen Säuglingstodes. Denn nur so kann die Schlafumgebung möglichst sicher gestaltet werden – mit einer harten Matratze, dem Verzicht auf lose Textilien und einem Babyschlafsack. Der sei weitaus sicherer als eine Decke, betont auch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.
Viele Gesundheitsbehörden sehen insbesondere in den ersten sechs Lebensmonaten erhöhte Risiken beim gemeinsamen Schlafen in einem Bett. Mit zunehmendem Alter des Kindes wird das Familienbett als entspannter und sicherer empfunden.
Worauf es beim Babybett ankommt
So groß sollte ein Bett mindestens sein
Kann man ein Familienbett selbst bauen?
Die Größe eines Familienbettes hängt von der Anzahl an Personen ab, ist aber weitaus größer als ein herkömmliches Kingsize-Bett. Deshalb entscheiden sich viele Familien für den Eigenbau. Während Paare oft mit 1,80 Meter breiten Betten auskommen, wird für drei Personen bereits eine Breite von 2,40 Metern empfohlen. Besonders beliebt sind dafür Konstruktionen, die aus mehreren zusammengeschobenen Bettrahmen (z.B. drei 90-Zentimeter-Rahmen) oder Podesten bestehen. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass die Zwischenräume ordentlich abgedichtet werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Rahmen nachts bei Bewegung auseinanderschieben und das Kind in den Zwischenraum rutscht. Sogenannte Liebesbrücken, also Schaumstoffeinlagen, die zwischen die Matratzen gedrückt werden, können genau das verhindern. Außerdem sollten die Rahmen fest miteinander verschraubt werden.
Der Vorteil am Eigenbau: Weil Familienbetten häufig nur in den ersten Lebensjahren der Kinder genutzt werden, können die modularen Systeme später kostenfrei und einfach zurückgebaut oder reduziert werden. Übrige Bettrahmen können dann direkt als Kinder- oder Gästebett weiterverwendet werden.
Familienbett ja oder nein?
Ob man auf getrennte Schlafplätze oder ein Familienbett setzt, hängt letztlich von den individuellen Bedürfnissen der Familie ab. Wer sich an den medizinischen Empfehlungen orientieren möchte, sollte insbesondere in den ersten sechs Lebensmonaten auf eine separate Schlafstätte für das Baby achten.