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myHOMEBOOK-Redakteurin rechnet ab

„Diese Interior-Trends kann ich 2026 nicht mehr sehen!“

Interior-Trend ausgedient
Am Bouclé-Overload im Wohnzimmer hat myHOMEBOOK-Redakteurin Mareike Schmidt sich nun wirklich sattgesehen Foto: Getty Images/Edwin Tan / © Wolf Lux
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Im Foto Mareike Schmidt

© Wolf Lux
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Redakteurin

4. März 2026, 6:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Interior-Trends kommen und gehen, doch manche haben wir 2026 wirklich endgültig satt. Was lange Instagram-Feeds dominierte, wirkt inzwischen eher inszeniert als inspirierend. Welche Interior-Trends 2026 für sie endgültig ausgedient haben, verrät myHOMEBOOK-Redakteurin Mareike Schmidt.

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Inszenierte Bücherregale ohne Persönlichkeit

Das perfekt arrangierte Regal mit farblich sortierten Büchern, dazwischen zufällig drapierte Kerzen, Mini-Vasen und abstrakte Skulpturen? Nein, danke. Davon haben wir jetzt wirklich genug in den vergangenen Jahren gesehen. Schlimmer sind nur noch sogenannte „Deko-Bücher“ mit neutralen Leineneinbänden oder prominenten Titeln, die nie gelesen wurden. Oder künstlich gealterte Vintage-Bücher, die ausschließlich für den „Old Money“-Look ins Regal wandern. Und bitte auch nicht mehr Bücher mit dem Rücken zur Wand einsortieren, nur damit die „zu bunten“ Buchrücken das Farbkonzept nicht stören – als wäre Literatur bloß ein Störfaktor im Interior-Konzept.

Als studierte Literaturwissenschaftlerin tut mir dieser Umgang mit Büchern natürlich ein wenig weh. Gleichzeitig verstehe ich, dass nicht jeder ein ausgeprägtes Interesse an Literatur hat, und das ist vollkommen in Ordnung. Aber dann sollte man auch dazu stehen, statt Bücher zur bloßen Staffage zu degradieren. Ein Bücherregal sollte erzählen, wer hier wohnt, und nicht, welcher Pinterest-Algorithmus zuletzt dominiert hat. 2026 wünscht man sich das Präsentieren echter Lieblingsbücher, Gebrauchsspuren, vielleicht auch mal Unordnung. Persönlichkeit schlägt Perfektion. Denn ein Regal ist kein Showroom, sondern ein stilles Selbstporträt. Es darf wachsen, sich verändern und Lücken haben.

Torbögen ohne architektonischen Bezug

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Rundbögen waren in den vergangenen Jahren überall: als Wanddurchbruch, als aufgesetztes Zierelement, als Spiegel, als Kopfteil oder als Nische. Inspiriert von mediterraner Architektur oder Art-Déco-Anklängen, wirkten sie zunächst weich und elegant. Problematisch wird es, wenn sie nur rein dekorativ und ohne Bezug zur Architektur eingesetzt werden, wie in einem klaren Neubau mit minimalistischer Linienführung, wo plötzlich ein künstlich eingezogener Torbogen auftaucht. 2026 hat dieser Interior-Trend für mich ausgedient und ich finde, dass wieder genauer hingeschaut werden sollte: Passt ein solches Element wirklich zum Grundriss, zur Bauweise und zur Materialität? Wenn nicht, bleibt der Rundbogen ein Fremdkörper. Authentizität ersetzt reine Formspielerei.

Auch interessant: Was 2026 bei der Einrichtung angesagt ist

Überinszenierte Coffee-Table-Stylings

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Der Couchtisch als Ausstellungsfläche: drei übereinandergelegte Bildbänder, eine Duftkerze, ein Steinobjekt. Schön, aber oft auch steril und unpersönlich. Was einst als kuratierte Lässigkeit gedacht war, wirkt inzwischen wie eine Bühne ohne Leben. Räume dürfen wieder benutzt aussehen: ein Glas Wasser, eine aktuelle Zeitung, vielleicht ein begonnenes Notizbuch oder das Buch, das man aktuell liest – all das darf herumliegen und erzählt mehr als das hundertste perfekt abgestimmte Coffee-Table-Arrangement.

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Bouclé-Overload

Bouclé war das Material der vergangenen paar Jahre: Das Material schmückte Sessel, Sofas, Hocker und Betten. Je flauschiger, desto besser. Der Stoff brachte Weichheit und Wärme in minimalistische und eher sterile Einrichtungen. Doch mittlerweile zeigt sich eine gewisse Materialmüdigkeit. Vor allem, wenn Bouclé wahllos in jedem Raum integriert wurde, verliert es seinen Reiz. Stattdessen setzen sich differenziertere Texturen durch: grobes Leinen, strukturierte Wolle, geöltes Holz, Naturstein mit sichtbarer Maserung. Lieber auf weniger Trendstoff setzen und dafür mehr auf Materialehrlichkeit.

Künstlich erzeugte Patina

Patina war lange Zeit gefragt, ob „used look“-Möbel, auf alt getrimmte Accessoires oder bewusst unperfekt gestrichene Wände. Doch künstlich erzeugte Geschichte bleibt eben genau das: künstlich. Was heute zählt, ist echte Substanz. Ein geerbtes Sideboard mit Kratzern oder ein Holztisch, der mit den Jahren dunkler wird, sind authentisch. Denn Materialien dürfen altern und müssen nicht so produziert werden, dass sie lediglich alt aussehen.

Der Trend zur künstlichen Patina lebte lange von der Sehnsucht nach Authentizität. In einer zunehmend digitalen und glatten Welt versprach der „Vintage-Look“ Wärme, Individualität und eine erzählte Vergangenheit. Doch je massenhafter dieser Stil industriell reproduziert wurde, desto deutlicher wurde sein Widerspruch: Was als Ausdruck von Geschichte gedacht war, kam fabrikneu aus dem Container. Gebrauchsspuren waren standardisiert, Risse vorab geplant, Farbabriebe maschinell erzeugt. Das Ergebnis war keine gewachsene Ästhetik, sondern vielmehr ein kalkulierter Effekt. Und genau darin liegt das Problem. Denn Patina ist eigentlich ein Nebenprodukt von Zeit, Nutzung und Materialqualität. Wird sie künstlich erzeugt, verliert sie ihre Bedeutung. Echte Patina braucht Zeit, und genau diese kann nicht gekauft werden.

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Mehr Echtheit, weniger Show

„Interior 2026 verabschiedet sich von Trends, die vor allem für die Kamera gedacht waren. Räume werden endlich wieder individueller und langlebiger. Es geht nicht darum, alles neu zu machen, sondern bewusster. Weniger inszenieren, mehr leben – und vielleicht ist genau das der schönste Trend von allen.“

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