27. März 2026, 15:33 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein Kratzbaum oder ein Katzenbett muss längst kein störendes Element mehr in der Wohnung sein – mit der richtigen Auswahl fügen sie sich harmonisch in jedes Einrichtungskonzept ein. Moderne Designs verbinden Funktionalität mit Ästhetik und machen Katzenmöbel zu echten Hinguckern. So entsteht ein Zuhause, in dem sich sowohl Mensch als auch Tier rundum wohlfühlen. myHOMEBOOK-Interiorexpertin Mareike Schmidt hat selbst einen Kater und erklärt, wie man Design und Katze miteinander vereinen kann.
Als mein Kater Archie bei mir einzog, war klar, dass das jetzt auch seine Wohnung ist und er sich natürlich dort bestmöglich wohlfühlen soll. Dennoch wollte ich nicht, dass man mein Zuhause betritt und direkt denkt: „Hier wohnt eine Katze“ oder, schlimmer noch: „So wohnt also eine Crazy-Cat-Lady“. Ob ich eine bin, ist eine andere Sache. Es mussten also Kratzmöglichkeiten und Katzenspielzeuge her, die sowohl mein Interiorherz nicht bluten ließen als auch Archie gerecht werden konnten.
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Katzenmöbel, die nicht nach Katzenmöbeln aussehen
Die wohl größte Herausforderung: Katzenmöbel sind oft funktional gedacht, aber ästhetisch eher ausbaufähig. Plüschige Kratzbäume in Beige oder Grau dominieren viele Wohnungen und wirken oft wie Fremdkörper im Raum. Die Lösung liegt häufig in bewusst ausgewählten Materialien und Formen. Kratzbäume aus Holz, mit klaren Linien und Sisalflächen können sich erstaunlich gut in moderne Wohnkonzepte einfügen. Auch wandmontierte Kletterelemente aus hellem Holz oder in der jeweiligen Wandfarbe lackiert wirken eher wie ein durchdachtes Regalsystem als wie ein Katzenparcours. Der Vorteil: Katzen lieben Höhe. Wandlösungen bieten ihnen Bewegung, Überblick und Sicherheit – und nehmen gleichzeitig weniger Bodenfläche ein.
Kratzbäume als Design-Statement
Während lange Zeit vor allem neutrale und möglichst unauffällige Katzenmöbel gefragt waren, gibt es inzwischen eine spannende Gegenbewegung: Kratzbäume, die bewusst gesehen werden wollen. Immer mehr Hersteller setzen auf ausdrucksstarke Farben, skulpturale Formen und hochwertige Materialien. Statt sich optisch zu verstecken, werden Kratzbäume so zu echten Interior-Elementen – fast wie ein Möbelstück oder ein kleines Designobjekt.
Ein kräftig gefärbter Kratzbaum in Terrakotta, Petrol oder Senfgelb kann beispielsweise als Farbakzent in der Wohnung funktionieren. In einer ansonsten ruhigen Einrichtung wirkt er wie ein bewusst gesetztes Statement-Piece. Auch monochrome Modelle – etwa komplett in einer Farbe gehalten – wirken deutlich moderner als klassische Varianten aus Holz und Sisal.
Das Entscheidende bleibt jedoch: Die Gestaltung darf die Funktion nicht überlagern. Ein stilvoller Kratzbaum ist nur dann wirklich gelungen, wenn er auch stabil genug ist, ausreichend Kratzflächen bietet und der Katze verschiedene Ebenen zum Klettern und Ausruhen ermöglicht. Design und Tierwohl sollten hier Hand in Hand gehen.
Die unterschätzte Fläche
Katzen denken dreidimensional. Während wir Menschen Räume vor allem horizontal nutzen, erschließen Katzen sich ihre Umgebung vertikal. Genau hier liegt großes Potenzial für stilvolle Lösungen. Regalbretter, Sideboards oder Bücherregale können so arrangiert werden, dass sie auch für die Katze begehbar sind. Ein bewusst freigelassener Weg über Möbelstücke oder ein einzelnes Wandboard an der richtigen Stelle schafft eine kleine Katzenroute durch den Raum.
Kratzflächen clever integrieren
Kratzverhalten gehört zu den wichtigsten natürlichen Bedürfnissen von Katzen. Es dient nicht nur der Krallenpflege, sondern auch der Reviermarkierung und dem Stressabbau. Deshalb gilt: Lieber mehr Kratzmöglichkeiten anbieten als zu wenige. Damit diese nicht das gesamte Wohnbild dominieren, können sie geschickt integriert werden. Es muss nicht immer nur ein Kratzbaum in der Wohnung sein. Kratzbretter können an unterschiedlichen Plätzen in der Wohnung befestigt werden, auch dort, wo sie nicht direkt ins Auge stechen, wie etwa an der Seite eines Regals. Wichtig ist aber, dass der Platz für die Katze gut zugänglich ist,
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Rückzugsorte, die auch ins Interior passen
Katzen schlafen bis zu 16 Stunden am Tag. Entsprechend wichtig sind gemütliche und sichere Ruheplätze. Statt vieler verstreuter Katzenbetten kann ein bewusst gewählter Lieblingsplatz oft schon reichen. Schlichte Körbe aus Seegras, minimalistische Filzhöhlen oder kleine Polster auf Fensterbänken lassen sich leicht in bestehende Wohnkonzepte integrieren. Besonders beliebt bei Katzen sind erhöhte Plätze mit Aussicht – etwa am Fenster oder auf einem Regal. Da meine Fensterbänke sehr schmal sind, habe ich für Archie eine gepolsterte Fensterbankverlängerung besorgt,
Spielzeug sichtbar oder stilvoll verstaut
Katzenspielzeug gehört zum Alltag – egal, wie minimalistisch das Zuhause ist. Federangeln, Bälle oder kleine Mäuse sorgen für Bewegung und mentale Auslastung. Damit sie nicht dauerhaft Teil der Einrichtung werden, hilft eine einfache Lösung: schöne Aufbewahrungsmöglichkeiten. Körbe, kleine Boxen oder Schubladen sorgen dafür, dass Spielzeug schnell griffbereit ist, aber ebenso schnell wieder verschwinden kann. Der Effekt: Ordnung im Raum und trotzdem genug Abwechslung für die Katze.
Am Ende entscheidet die Katze
„So sehr man sich bemüht, Einrichtung und Katzenbedürfnisse zu vereinen – Katzen haben manchmal ihre ganz eigene Vorstellung davon, wie ein Zuhause genutzt werden sollte. Statt seines Katzenbetts hat mein Kater Archie den Wohnzimmersessel zu seinem Platz auserkoren. Statt mich darüber zu ärgern, habe ich den Sessel mit seiner liebsten Decke ausgekleidet und nehme jetzt eher auf der Couch Platz. Stylisch mit Katze zu wohnen, bedeutet eben nicht immer, jedes Katzenaccessoire perfekt zu kuratieren. Es bedeutet vielmehr, Räume so zu gestalten, dass sie sowohl für Menschen als auch für Tiere funktionieren.
Wenn sich die Katze sicher fühlt, ausreichend Bewegung hat und ihre natürlichen Bedürfnisse ausleben kann, entsteht etwas, das man mit keinem Designkonzept planen kann: ein Zuhause, das wirklich lebt. Und vielleicht ist genau das am Ende das schönste Interior.“