17. Oktober 2025, 17:44 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Früher wurden Einrichtungstrends in Möbelläden oder den Studios großer Interior-Designer geboren. Heute entstehen sie auf TikTok, Pinterest und Instagram. Vom Märchenschloss über das Landhausidyll bis zur Stube wie zu Großmutters Zeiten – diese fünf „Cores“ zeigen, wie kurios und atemberaubend Interior sein kann.
Castlecore
Sich einmal betten wie eine Prinzessin und in den Charme längst vergangener Monarchien eintauchen: Fast ein wenig märchenhaft kommt der Trend Castlecore daher, der maßgeblich auf der Fotoplattform Pinterest gepusht wurde. Anfang 2025 wurde die klare Ästhetik, die an Schlösser, mittelalterliche Burgen und pompöse Herrenhäuser erinnert, in den Trendbericht „Pinterest Predicts“ aufgenommen. Seither ist sie aus den sozialen Netzwerken nicht mehr wegzudenken.
Im Bereich Interior bedient sich Castlecore vorwiegend an schweren Samttextilien, goldenen Dekoelementen sowie schweren, dunklen Holzmöbeln. Auch kahle Steinwände erlebten in diesem Zusammenhang ihr großes Comeback. Der Stil kombiniert historischen Glamour mit modernen Elementen und lässt Royalträume wahr werden. Verzierte Möbelstücke, große dunkle Wandbilder oder -leinen, Skulpturen, Kronleuchter und Perserteppiche sind genauso erlaubt wie stabile Himmelbetten, lange Tafeln und Vintage-Sessel. Farblich bedient sich der Trend einer eher düsteren, gesättigten Palette. Neben Bordeauxrot und Gold sind auch dunkle Grün- und Marine-Nuancen angesagt.
Warum es so beliebt ist: Castlecore lässt Träume Wirklichkeit werden und längst vergangene Zeiten wieder aufleben. Die royal angehauchte Gestaltung ist die Antwort auf tiefe Luxusfantasien, sorgt aber gleichzeitig für eine gemütliche, wohlige und fast bodenständige Atmosphäre.
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Cottagecore
Wenn das Leben wieder einmal zu hektisch, anstrengend oder eintönig ist, holt man sich ganz einfach das natürliche Gefühl von Geborgenheit in die eigenen vier Wände. Cottagecore ist der Trend, der dem ländlichen Lebensstil gekonnt Tribut zollt und die tiefe Sehnsucht nach einem naturverbundenen Alltag stillt. Er ist langsamer und bewusster und entstand vormals während der Corona-Pandemie, als die Welt um einen herum zusammenzubrechen schien.
Damals rückte der Traum von einem freien Leben in weite Ferne, als Lockdowns und Quarantänen die Menschheit in Schach hielten. Viele begannen genau in dieser Zeit, sich nach Natur, Aktivitäten im Freien und Ruhe zu sehnen. Cottagecore war vermeintlich die Lösung, weil es Elemente aus dem Draußen raffiniert ins Innendesign integrierte.
Traditionelle Werte sowie längst in Vergessenheit geratene Handarbeit vereinten sich im Rahmen des Trends mit der Gemütlichkeit eines Landhauses. Cottagecore bot natürlichen Elementen wieder eine Bühne: Helles Echtholz, Stein, Baumwolle und Leinen dürfen in keiner Einrichtung mehr fehlen. Florale Akzente sowie ein Urban Garden unterstrichen den Look und schafften Atmosphäre. Zum besonderen Hingucker wurden aber handgemachte Pieces wie gehäkelte oder gestrickte Kissenbezüge, Plaids oder DIY-Möbelstücke wie Steintische.
Warum es so beliebt ist: Cottagecore holt das nach innen, was im Alltag so gerne in Vergessenheit gerät: die Schönheit der Natur, die Bodenständigkeit und das ruhige, erdende Gefühl, anzukommen. Man spürt, wie Geist und Seele ganz automatisch herunterfahren und tiefe Entspannung finden. Eine Wohltat in einer Welt, die kaum noch stillsteht.
Tenniscore
Als Boris Becker 1985 als jüngster männlicher Spieler das Wimbledon-Finale gewann, löste er über Nacht einen regelrechten Hype um sich und die Sportart Tennis aus. Jahrzehnte später schreiben Spieler wie Jannik Sinner und Alexander Zverev die Erfolgsgeschichte weiter und machen Tennis wieder salonfähig. So sehr, dass sich auch die Popkultur an der Preppy-Sportbubble bedient.
Strahlendes Weiß ist nicht nur in der Mode wieder angesagt, sondern auch im Interior Design. Dort darf es noch ein wenig mehr sein: Clubhaus-Flair, Farben wie Grün, Marineblau oder Terrakotta, die an die legendären Turnierplätze erinnern. Tennis ist längst auch ein visueller Trend geworden, der in den eigenen vier Wänden einiges hergibt.
Der typische Tenniscore-Look ist geradlinig und minimalistisch. Er rückt die typischen, oben genannten Farben in den Fokus und bedient sich traditioneller Preppy-Elemente, die bekannt sind für ihre zeitlose Eleganz.
Warum es so beliebt ist: Farbe bekennen war noch nie so einfach. Tenniscore ist perfekt für alle, die auch bei Interior-Trends einen frischen, sportlichen Look bevorzugen und dem eigenen Zuhause einen Hauch Eleganz wie aus der britischen oder amerikanischen Oberschicht entsprungen verleihen möchten.
Was ist eigentlich „Cottagecore“?
4 Einrichtungsstile, die immer angesagt sind
Fishermancore
Spätestens, seitdem die Serie „The Summer I Turned Pretty“ und die Teenie-Dreiecksbeziehung um Belly, Conrad und Jeremiah den wohl größten Hype des Jahres ausgelöst haben, sind alle ganz vernarrt in den „Fisherman-Style“ ihres Familien-Sommerhauses am Wasser. Die Ästhetik bevorzugt warme und erdige Naturtöne, wie Khakigrün, Salbei oder ein sattes Braun – eine Farbpalette, die man von Flüssen oder Seen kennt.
Schlammige Nuancen sind dabei genauso erlaubt, wie frische, leuchtende Farbabstufungen. In Kombination mit hellem Holz, zum Beispiel in Form einer weißen Landhausküche, entfalten sie ihren vollen Charakter. Auch die Verwendung von Stein und Treibholz gehen bei der Fischerästhetik Hand in Hand und erzeugen eine organische, natürliche Anmut.
Wer an Fischer denkt, denkt unweigerlich an ihre markanten Mützen aus Wolle oder Kord. Es ist kein Wunder, dass diese Stoffe auch beim maritimen Core zum Einsatz kommen. Vor allem Sofagarnituren oder Sessel aus Bouclé, Tweed oder Kord sind beliebt. Leinenkissen und -decken sowie Teppiche und Körbe aus Jute können für den besonderen Look sorgen.
Garniert wird die gemütliche Optik mit allem, was ans Meer erinnert: Buddelschiffe, Dekofische, Muscheln und Seesterne, Netze sowie Spiegel oder Bilderrahmen in Bullaugenform. Auch Wandbilder mit Erklärung von Schiffsknoten oder nautischen Begriffen können dem Interior das besondere Finish verleihen. Erlaubt ist alles, was die Seefahrt wieder aufleben lässt oder Lust auf den nächsten Segelturn macht.
Warum es so beliebt ist: Fishermancore wirkt wie authentisches Storytelling. Jedes Stück erzählt von langen Seefahrten, Handwerk und Tradition und löst taktile Reize aus. Außerdem lösen die Pieces ein Gefühl von Naturverbundenheit und Ruhe aus, was den Stress senken und Entspannung fördern kann. Die Farbpalette ist zudem cozy und zeigt heilende Wirkung auf das Nervensystem.
Dragoncore
Daenerys Targayen aus der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ ist als Mutter der Drachen bekannt und hat schon vor einigen Jahren den Trend um die wilden Fabelwesen ausgelöst. Daraus ist das mystische Dragoncore entstanden, das Drachensymbole gekonnt und raffiniert ins Interior integriert.
Das Besondere: Die Farbpalette könnte vielseitiger kaum sein und deckt fast jeden Geschmack ab. So erinnern Rubinrot- oder Orangetöne an die gefährlichen Feuerdrachen, während Wasserdrachen für Farbtöne wie Smaragdgrün, Mitternachtsblau oder Grau stehen. Erdige Töne wie Sand, Braun oder Grün passen zur Landschaft, in der Drachen vorzugsweise leben. Auch Fototapeten, die tiefe Wälder oder geheimnisvolle Höhlen zeigen, sind in diesem Zusammenhang sehr gefragt. Zudem ein Muss: Viele Pflanzen, um den natürlichen Fokus haptisch zu machen.
Dragoncore ist inspiriert von mittelalterlicher Fantasy und düsteren Kreaturen, deshalb darf es auch stilistisch dunkler zugehen. Tiefschwarzes oder braunes Leder, zum Beispiel in der Wohnlandschaft, ist genauso erlaubt wie dunkle Holzmöbel. Metallische Details geben den geheimnisvollen Touch und erinnern an Drachenschuppen. Kombiniert werden sie gern mit dunklen Samttextilien oder schwerem Marmor sowie glitzernden Extras wie verschiedenen Kristallen.
Dragoncore vermittelt das Gefühl, dass man in seiner eigenen epischen Welt lebt, die voller Abenteuer und Geheimnisse steckt. Um das zu intensivieren kommen Drachenskulpturen, Fantasy-Bücher oder epische Wandbilder zum Einsatz.
Warum es so beliebt ist: Wenn die Welt um einen herum stressig und herausfordernd wird, suchen Menschen gerne nach dem Ausweg und flüchten sich in geheimnisvolle Welten. Maximalismus is the key, deshalb ist alles erlaubt, was gefällt und an Fantasy erinnert. Hier kann man sich besonders kreativ ausleben und Epik mit Emotionalität verbinden. Ein Dragoncore-Look ist einzigartig und spiegelt die kühnsten Träume wider.