9. August 2026, 6:43 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Kaum ein Einrichtungstrend hat Küchen und Wohnräume in den vergangenen Jahren so geprägt wie Open Shelving. Offene Regale galten als Inbegriff eines modernen, luftigen Wohnstils. Statt schwerer Oberschränke zogen schlichte Holzregale oder filigrane Metallkonstruktionen ein, auf denen schönes Geschirr, Gläser und dekorative Lieblingsstücke ihren Platz fanden. Inspiriert von skandinavischen Wohnkonzepten und perfekt inszenierten Social-Media-Bildern wirkt das offene Wohnen unkompliziert, stilvoll und persönlich. Doch inzwischen zeichnet sich ein Wandel ab.
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Die Realität sieht oft anders aus
Was auf Fotos mühelos wirkt, stellt sich im Alltag häufiger als weniger praktisch heraus. Offene Regale zeigen nicht nur die schönsten Keramiktassen oder Lieblingsvasen, sondern eben auch Staub, Fettablagerungen und Unordnung. Gerade in der Küche müssen Geschirr und Gläser deutlich häufiger gereinigt werden, wenn sie dauerhaft offen stehen. Auch Gewürzdosen, Vorräte oder Küchenhelfer sorgen schnell für ein unruhiges Gesamtbild, wenn sie nicht optisch aufeinander abgestimmt sind.
Hinzu kommt, dass offene Regale eine gewisse Disziplin verlangen. Wer alles einfach dort abstellt, wo gerade Platz ist, verliert schnell den harmonischen Look, der den Trend ursprünglich so attraktiv gemacht hat. Das bedeutet, regelmäßiges Umräumen, Aussortieren und Dekorieren gehört fast schon zum Konzept.
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Weniger Inszenierung, mehr Alltagstauglichkeit
Mit dem Wandel der Wohntrends rückt auch die Funktionalität wieder stärker in den Mittelpunkt. Viele Menschen wünschen sich heute Räume, die nicht ständig perfekt aussehen müssen. Gerade im hektischen Alltag wird geschätzt, wenn Geschirr, Vorräte oder Haushaltsgegenstände einfach hinter einer Tür verschwinden können.
Geschlossene Schränke sorgen für ein ruhigeres Gesamtbild und lassen Räume oft aufgeräumter wirken – selbst dann, wenn sich dahinter das alltägliche Chaos verbirgt. Das macht sie vor allem für Familien oder Menschen mit wenig Zeit wieder besonders attraktiv.
Der Traum vom offenen Wohnen hat einen entscheidenden Haken
6 Trends, die in der Küche nicht mehr gefragt sind
Open Shelving bleibt – aber in kleinerem Maß
Ganz verabschiedet hat sich der Trend allerdings nicht. Vielmehr hat sich seine Rolle verändert. Statt ganze Küchen ohne Oberschränke zu planen, werden heute häufig einzelne offene Regalböden integriert. Sie lockern geschlossene Schrankfronten auf, bieten Platz für Pflanzen, Kochbücher oder andere dekorative Elemente und schaffen Persönlichkeit, ohne den gesamten Stauraum offen zu gestalten.
Auch im Ess- oder Wohnzimmer funktionieren offene Regale weiterhin gut. Hier stehen meist dekorative Objekte im Vordergrund, die ohnehin bewusst präsentiert werden sollen. Der Pflegeaufwand ist geringer als in der Küche, und das Regal kann seine dekorative Wirkung besser entfalten.
Qualität statt Masse
Ein weiterer Trend zeichnet sich ebenfalls ab. Statt möglichst viele Dinge sichtbar zu präsentieren, setzen einige Wohnkonzepte auf eine reduziertere Gestaltung. Wenige ausgewählte Stücke wirken hochwertiger als vollgestellte Regalbretter. Offene Regale werden dadurch eher zu einer Bühne für Lieblingsobjekte als zu einer klassischen Aufbewahrungslösung. Diese Entwicklung passt zum allgemeinen Wunsch nach mehr Ruhe im Zuhause.
Offene Regale sind nicht verschwunden, aber der Hype hat sich etwas relativiert. Während offene Regale vor einigen Jahren als Standard moderner Küchen galten, werden sie heute bewusster eingesetzt. Viele kombinieren geschlossenen Stauraum mit wenigen offenen Flächen und verbinden so Ästhetik mit Funktion. Vielleicht ist genau das die größte Veränderung: Statt Trends kompromisslos zu übernehmen, rückt heute die Frage in den Vordergrund, was zum eigenen Alltag passt.