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Ikonisch und modern

90 Jahre Savoy-Vase! Warum das Design von Alvar Aalto zeitlos bleibt

Vase Alvar Aalto
Angeblich soll die Form der Vase von finnischen Seen oder der geschwungenen Küstenlandschaft inspiriert sein Foto: Iittala
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Mareike Schmidt

Berlin, 18.5.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Redakteurin

19. August 2026, 6:47 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Es gibt Designobjekte, die den Zeitgeist einer Epoche einfangen. Und es gibt jene wenigen Entwürfe, die Jahrzehnte überdauern und dabei nichts von ihrer Modernität verlieren. Die Savoy-Vase von Alvar Aalto gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Seit ihrer Entstehung im Jahr 1936 hat sie sich von einem Wettbewerbsentwurf zu einer der bekanntesten Glasvasen der Welt entwickelt. In diesem Jahr feiert die berühmte Form ihren 90. Geburtstag und ist aktueller denn je.

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Ein Entwurf, der mit Konventionen brach

Das finnische Architektenpaar Alvar und Aino Aalto nahm 1936 am Designwettbewerb des Glasherstellers Karhula-Iittala teil. Ihr Beitrag unterschied sich radikal von allem, was damals als modernes Glasdesign galt. Während symmetrische, geometrische Formen den europäischen Zeitgeschmack bestimmten, präsentierten die Aaltos eine Serie organisch geschwungener Glasobjekte mit frei fließenden Konturen.

Der Wettbewerbsbeitrag trug den ungewöhnlichen Titel „Eskimoerindens skinnbyxa“ – auf Deutsch etwa „Die Lederhose der Eskimofrau“. Hinter dem merkwürdigen Namen verbarg sich keine einzelne Vase, sondern eine ganze Kollektion unterschiedlich großer Gefäße und Schalen. Die Entwürfe gewannen den Wettbewerb und wurden anschließend im finnischen Pavillon der Pariser Weltausstellung 1937 ausgestellt. Dort machte die außergewöhnliche Form erstmals ein internationales Publikum auf sich aufmerksam.

Woher stammt die berühmte Silhouette?

Kaum ein Designobjekt wurde so häufig interpretiert wie die geschwungene Kontur der Savoy-Vase. Oft heißt es, ihre Form sei von den Tausenden finnischen Seen oder der geschwungenen Küstenlandschaft inspiriert. Andere sehen in ihr den Umriss einer flatternden Stoffbahn oder eine abstrahierte Wellenbewegung, was zum Familiennamen Aalto passt, der auf Finnisch „Welle“ bedeutet.

Interessanterweise hat Alvar Aalto selbst nie eindeutig erklärt, welche Idee hinter der Form stand. Gerade diese Unklarheit macht den Entwurf bis heute so spannend. Statt einer eindeutigen Symbolik schuf Aalto eine organische Formensprache, die Raum für eigene Assoziationen lässt. Sie wirkt natürlich, lebendig und gleichzeitig erstaunlich modern. Und das selbst noch neun Jahrzehnte nach ihrer Entstehung.

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Warum die Vase „Savoy“ heißt

Der heute weltweit bekannte Name entstand erst nach der Gestaltung der Vase. Ursprünglich trug sie lediglich eine Modellnummer. Erst als sie ab 1937 auf den Tischen des neu eröffneten Restaurants Savoy in Helsinki eingesetzt wurde, etablierte sich die Bezeichnung „Savoy-Vase“.

Das Restaurant selbst wurde von Alvar und Aino Aalto gestaltet und entwickelte sich schnell zu einem Treffpunkt der finnischen Kultur- und Wirtschaftselite. Die Vase war dort nicht nur Dekoration, sondern Teil eines ganzheitlichen Gestaltungskonzepts, das Architektur, Möbel, Leuchten und Accessoires miteinander verband. Aus dem Einsatzort wurde schließlich ihr bis heute gebräuchlicher Name.

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Handwerkskunst macht jedes Exemplar einzigartig

Die Herstellung der Vase ist bis heute echte Handarbeit. Jede Vase wird mundgeblasen. Die frei fließende Kontur lässt sich nicht einfach in eine standardisierte Form pressen, sondern verlangt viel Erfahrung der Glasbläser.

Gerade diese handwerkliche Fertigung sorgt dafür, dass keine Vase der anderen vollkommen gleicht. Kleine Unterschiede in Linienführung, Materialstärke oder Farbwirkung gehören bewusst zum Charakter des Designs.

Während viele Designikonen eng mit einer bestimmten Epoche verbunden sind, scheint die Savoy-Vase von Alvar und Aino Aalto jeder Mode zu trotzen. Ihr Geheimnis liegt in ihrer Vielseitigkeit. Sie funktioniert als Blumenvase ebenso selbstverständlich wie als skulpturales Objekt auf einem Sideboard oder Esstisch.

Hinzu kommt ihre Wandelbarkeit. Im Laufe der Jahrzehnte erschienen zahlreiche Größen und Farbvarianten: von klarem Glas über Rauchgrau und Moosgrün bis hin zu kräftigeren Blau- oder Rottönen. Dennoch blieb die charakteristische Silhouette stets unverändert. Sie ist zum Markenzeichen finnischen Designs geworden und gehört heute zu den bekanntesten Entwürfen des 20. Jahrhunderts.

Mareike Schmidt

Berlin, 18.5.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Redakteurin

Mehr als nur eine schöne Vase!

„Die Savoy Vase steht für eine Designhaltung, die Funktion und Poesie miteinander verbindet. Außerdem folgt sie keinem kurzlebigen Trend und keinem dekorativen Zeitgeist. Sie ist ein Objekt, das mit seiner schlichten Eleganz Generationen überdauert und beweist, dass gutes Design nicht altert, sondern mit den Jahren nur an Bedeutung gewinnt.“

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