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Was den Egg Chair von Arne Jacobsen so besonders macht

Egg Chair
Die Lobby des Radisson Collection Royal Hotels in Kopenhagen ist mit Egg Chairs ausgestattet Foto: picture alliance / Jörg Carstensen
Mareike Schmidt

Berlin, 18.5.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Redakteurin

2. Oktober 2026, 14:19 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Kaum ein Sessel hat das moderne Lounge-Chair-Design so geprägt wie der Egg Chair von Arne Jacobsen. myHOMEBOOK hat sich die Entstehungsgeschichte genauer angesehen und verrät, wieso der Sessel heute als Designikone gilt.

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Vom Hotelklassiker zur Designikone

Ursprünglich war der Egg Chair Bestandteil eines ganz konkreten Architekturprojekts. 1956 erhielt der dänische Architekt und Designer Arne Jacobsen von Scandinavian Airlines System, kurz SAS, den Auftrag, ein neues Hotel im Zentrum Kopenhagens zu gestalten. Das spätere SAS Royal Hotel sollte mehr sein als ein gewöhnliches Hotel. Jacobsen konzipierte es als ein Gesamtkunstwerk, bei dem Architektur, Innenraum und Ausstattung eine gestalterische Einheit bilden sollten. Jacobsen entwarf nicht nur Grundrisse, Fassade und Innenräume, sondern entwickelte auch speziell für dieses Projekt Textilien und Möbel, so etwa den Egg Chair.

Entstanden ist der Egg Chair in einer Zeit, in der sich das internationale Möbeldesign stark veränderte. Nach dem Zweiten Weltkrieg experimentierten Architekten und Designer zunehmend mit neuen Materialien, industriellen Produktionsverfahren und freien, organischen Formen. Namen wie Eero Saarinen, Alvar Aalto sowie Charles und Ray Eames stehen für diese Entwicklung.

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Auch Jacobsen war Teil dieser Bewegung. Seine Entwürfe verbanden technische Innovation mit einer ausgesprochen skulpturalen Formensprache. Der Egg und sein etwas leichter wirkender Partner, der Swan Chair, gehören zu den bekanntesten Beispielen dieser Entwicklung. Dabei lässt sich der Egg Chair nicht einfach auf einen einzelnen Designstil reduzieren. Er ist funktional und gleichzeitig expressiv, industriell gefertigt und dennoch handwerklich verfeinert, modern und zugleich überraschend wohnlich.

Warum heißt der Sessel eigentlich „Egg Chair“?

Sein Name ist denkbar einfach: Die Form erinnert an ein Ei. Allerdings handelt es sich nicht um eine bloße stilistische Spielerei. Jacobsen entwickelte eine organische Sitzschale, die sich deutlich von den geradlinigen Möbeln und der rationalistischen Architektur seiner Zeit unterschied.

Gerade dieser Kontrast war entscheidend. Während das Äußere des SAS Royal Hotels von klaren Linien und geometrischer Präzision geprägt war, setzte Jacobsen im Inneren auf weichere Formen, unterschiedliche Materialien und skulpturale Möbel. Der Egg Chair bildet innerhalb dieser Umgebung beinahe einen kleinen geschützten Raum. Die hohen Seiten der Sitzschale schirmen den Sitzenden optisch von seiner Umgebung ab. Dadurch entsteht ein Gefühl von Privatheit – eine bemerkenswerte Eigenschaft für einen Sessel, der ursprünglich für die öffentliche Lobby eines Hotels entworfen wurde.

Zwischen Architektur und Skulptur

Was den Egg Chair bis heute so außergewöhnlich macht, liegt vor allem in seinem Entwurfsprozess. Jacobsen näherte sich dem Sessel nicht ausschließlich als Architekt oder Konstrukteur, sondern beinahe wie ein Bildhauer.

Für die Entwicklung der organischen Form arbeitete er mit Materialien wie Ton. Auch Modelle aus Draht und Gips kamen zum Einsatz. Die Form wurde dabei Schritt für Schritt verändert, bis die Proportionen und die Silhouette seinen Vorstellungen entsprachen.

Der Egg Chair war nicht nur formal ungewöhnlich. Seine Herstellung profitierte von einer damals vergleichsweise neuen Technologie. Gemeinsam mit dem dänischen Möbelhersteller Fritz Hansen arbeitete Jacobsen mit einem Verfahren, das es ermöglichte, Möbel aus einem geformten Hartschaumkörper herzustellen. Jacobsen erkannte das Potenzial dieser Methode und setzte sie für seine organisch geformten Sitzmöbel ein.

Damit wurde eine Form möglich, die mit traditionellen Konstruktionen aus Holz oder einem klassischen Stahlrahmen wesentlich schwieriger umzusetzen gewesen wäre. Der Egg konnte seine charakteristische, durchgehende Silhouette erhalten – ohne die für viele ältere Polstermöbel typischen geraden Kanten und sichtbaren konstruktiven Elemente.

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Der Sessel als Rückzugsort

Die eigentliche Besonderheit des Egg Chair liegt jedoch nicht allein in seiner Form. Jacobsen dachte beim Entwerfen auch darüber nach, wie sich ein Mensch in einem Raum bewegt und fühlt. Der Sessel schafft eine Art architektonische Nische. Wer darin sitzt, ist nicht vollständig von der Umgebung abgeschirmt, ihr aber auch nicht völlig ausgesetzt. Rücken, Kopf und Arme werden von der geschwungenen Form eingefasst. So entsteht eine intime Sitzsituation, obwohl der Egg ursprünglich für einen öffentlichen Ort vorgesehen war.

Genau darin zeigt sich Jacobsens Verständnis von Design. Ein Möbelstück sollte nicht nur gut aussehen, sondern die Beziehung zwischen Mensch und Raum beeinflussen.

Was macht den Egg Chair zu einem echten Designerstück?

Ein Designerstück zeichnet sich nicht allein durch einen bekannten Namen oder ein ungewöhnliches Aussehen aus. Beim Egg Chair kommen mehrere Faktoren zusammen. Da ist zunächst seine unverwechselbare Form. Die Silhouette ist unverkennbar und übersteht kurzlebige Einrichtungstrends. Hinzu kommt seine Entstehung als Teil eines konsequent durchdachten Gesamtkonzepts. Jacobsen entwarf den Sessel nicht als isoliertes Produkt, sondern als Bestandteil einer Architektur, in der jedes Detail aufeinander abgestimmt war.

Auch die Verbindung von Gestaltung und Technologie spielt eine zentrale Rolle. Die innovative Schalenkonstruktion ermöglichte eine Form, die zuvor in dieser Art kaum realisierbar gewesen wäre. Und schließlich besitzt der Egg eine bemerkenswerte gestalterische Langlebigkeit. Sieben Jahrzehnte nach seiner Entstehung wirkt seine organische Form noch immer zeitgemäß.

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