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Achtung, giftig!

Breitet sich der Ammen-Dornfinger weiter in Deutschland aus?

Ammen-Dornfinger ist eine Gift-Spinne, die in deutschen Gärten vorkommt
Der Ammen-Dornfinger kann menschliche Haut durchbeißen und ist damit die einzige Spinne in Mitteleuropa, die Menschen ernsthaft verletzen kannFoto: Getty Images

Der Ammen-Dornfinger ist eine Gift-Spinne, deren Biss äußerst schmerzhaft sein kann. Sie wird seit einigen Jahren in Deutschland aus immer häufiger gesichtet und taucht mitunter auch in Gärten mit hohem Gras auf. myHOMEBOOK erklärt, worauf man achten sollte und was bei einem Biss zu tun ist.

Der Ammen-Dornfinger – auch nur Dornfinger genannt – ist eine Gift-Spinne, die eigentlich im warmen Mittelmeerraum verbreitet ist. Aufgrund des Klimawandels fühlt sich die wärmeliebende Spinne jedoch auch hierzulande immer wohler. Die Experten vom Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg sagen, die Population nehme in Deutschland seit den 50er Jahren stetig zu.

Welche Folgen hat ein Biss des Ammen-Dornfingers?

Die Nabu-Experten sagen auch, die Spinne sei zwar scheu, könne dem Menschen womöglich jedoch gefährlich werden. Was ihren Biss so unangenehm macht: Mit den starken Kiefernklauen beißt sich die Spinne mühelos durch menschliche Haut, wo sie ihr Gift injizieren.

Dr. Hubert Höfer meint, es gebe noch weitere Spinnen, die dazu in der Lage seien. Der stellvertretende Vorstand der Arachnologischen Gesellschaft zählt auf: „Das schaffen mindestens auch Dysdera crocata, Scotophaeus-Arten, einige große Radnetzspinnen, Zoropsis spinimana, Argyroneta (Wasserspinne).“ Er fügt auch kritisch an, dass Ammen-Dornfinger hierzulande durchaus natürliche Fressfeinde hätten, wie zum Beispiel Vögel. [Anm. d. Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von keinen natürlichen Fressfeinden die Rede. Wir entschuldigen den Fehler.]

Aggressiv reagieren Dornfinger-Weibchen, kommt man mit ihren kugelförmigen, weißen Nestern in Berührung. Die finden sich vor allem auf Wiesen und in hohem Gras. Die nachtaktiven Tiere bissen jedoch nur zu, wenn sie sich angegriffen fühlten. Zudem würden nur wenige Bisse ärztlich registriert. Der Haken: Nicht jeder Biss wird registriert. Denn trotz teils heftiger Schmerzen nach einem Spinnenbiss geht nicht jeder gleich zum Arzt.

Wie giftig ist der Ammen-Dornfinger?

„Alle Spinnen sind giftig, weil sie ihre Beute lähmen, die Ammen-Dornfinger-Spinne ist allerdings die einzige, die bei uns vorkommt, deren Kieferklauen durch unsere Haut dringen können“, erklärt Martin Klatt, Artenschutzreferent beim NABU Baden-Württemberg. Der Biss des Ammen-Dornfingers ist zudem äußerst schmerzhaft. „Die Giftwirkung ist vergleichbar mit der einer Hornisse, allergische Reaktionen sind möglich.“ Spinnen-Experte Höfer sagt dagegen: „Äußerst schmerzhaft ist für mich anders.“ Und er fügt an: „Berichte, die ich kenne, nennen fast alle Bienen oder Wespen, aber auch die Wirkung von Hornissenstichen wird ja meist übertrieben.“

Auch in Brandenburg kann Ammen-Dornfinger öfter auftreten. Die Experten vom Nabu Brandenburg sagen: „Opfer vergleichen den Schmerz des Bisses oft mit dem eines Wespenstichs. An der Bissstelle tritt kurze Zeit später ein stechender Schmerz auf. Da die betroffenen Gliedmaßen extrem anschwellen können, sollte unter allen Umständen ein Arzt aufgesucht werden. In den seltensten Fällen treten neben dem Schmerz noch Fieber, Kreislaufversagen, Schwindel, Schüttelfrost oder Erbrechen auf. Bei Allergikern kann es zudem zu Herzrasen kommen.“

Auch das sieht Spinnen-Experte Höfer anders. „Eine Allergie kann erst auftreten, wenn der Körper einen Stoff bereits erkennt, man müsste also öfters gebissen werden.“ Ihm seien keinerlei Allergien gegen Spinnengifte bekannt. Worin sich die Fachwelt jedoch einig ist: Der Biss ist für Menschen nicht tödlich. Die Symptome klingen in der Regel nach einigen Tagen wieder ab.

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Was tun, wenn man gebissen wurde?

Die betroffenen Stellen können extrem anschwellen, sich röten und stark jucken. Auch wenn es schwerfällt: Auf jeden Fall Ruhe bewahren! „Besonnen reagieren ist gut“, empfiehlt Klatt. Nicht aufkratzen, sonst verteilt man das Gift und Bakterien in der Wunde. Als Sofortmaßnahme sollte man die Wunde unter fließendem Wasser reinigen und anschließend desinfizieren.

Auch ein Mückenstift kann helfen, den Schmerz zu lindern. Das Gerät hat vorne am Stiftende ein Metallplättchen. Dieses wird heiß, sobald man am anderen Ende des Stifts einen Knopf drückt. Das Plättchen legt man dann auf die betroffene Stelle. Die Hitze zerstört umgehend das giftige Eiweiß und lindert Juckreiz und Schmerz.

Spinnen sind wild lebende Tiere. Sie tragen in der Regel Bakterien mit sich herum. Die können bei einem Biss in die Wunde gelangen und Infektionen auslösen. Nach einem Biss mit heftigen Reaktionen des Körpers sollte man einen Arzt aufsuchen. Höfer sagt jedoch, ihm seien keine bakteriellen Infektionen nach einem Spinnenbiss bekannt.

Wo kommen Ammen-Dornfinger vor?

Im letzten Jahr wurden Ammen-Dornfinger vor allem in Süddeutschland gesichtet. Mittlerweile finden sich Populationen auch in nördlicheren Gegenden Deutschlands, zum Beispiel in Berlin und Brandenburg. Die Spinnen sind sehr scheu, nachtaktiv und halten sich bevorzugt in der freien Natur auf. Sie lassen sich mit dem Wind treiben, baumeln dann von Ästen und hohen Gräsern. Man findet sie oft auf Waldlichtungen und Ackerflächen. Der Naturschutzbund Brandenburg warnt, in Sommermonaten nicht durch hohes Gras zu streifen.

Die giftigen Ammen-Dornfinger-Spinnen verirren sich mitunter auch in Gärten, dort bevorzugt im hohen Gras, Gebüsch und in Hecken. Dort findet man die Nester der Spinnen, die sogenannten Gespinste. Darin hocken die Tiere tagsüber und bewachen ihre Eier.

Tagsüber ruhen sich die Spinnen in der Regel bevorzugt in ihren Ruhenestern aus, nachts werden sie jedoch aktiv. Dann machen sich männliche Dornfinger-Spinnen auf die Suche nach paarungswilligen Weibchen. Sie gelangen bei ihrer Wanderung selten auch mal in Wohnhäuser und Keller, sobald es im Herbst kälter wird.

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Breitet sich die Spinne weiter in Deutschland aus?

Artenschutzreferent Klatt vom Nabu: „Die Spinne mag es warm und trocken, wahrscheinlich muss man sich darauf einstellen, dass man sie regelmäßiger bei uns antrifft.“ Seit letztem Jahr wurden laut myHOMEBOOK-Recherche keine weiteren Fälle verzeichnet, aber das kann sich ändern, wenn es im Sommer wärmer wird.

Wie erkenne ich den Ammen-Dornfinger?

Ammen-Dornfinger im Gelege, im Hintergrund die Spinnen-Eier

Ein Ammen-Dornfinger-Weibchen droht mit ihren Giftklauen, nachdem das Ei-Gelege geöffnet wurde Foto: dpa picture alliance

Der ovale Körper dieser Gift-Spinne wird nur 1,5 Zentimeter groß, dennoch zählen Ammen-Dornfinger zu den größten mitteleuropäischen Spinnen. Die Kieferklauen, mit der das Tier zubeißt, sind groß und kräftig ausgeprägt, schimmern grünlich-gelb bis gelb-braun. Die anschließenden Gift-Klauen sind bedrohlich schwarz glänzend. Der Vorderkörper ist rot-orange, der Hinterleib eher gelb-grün. Die Beine der Spinne sind gelb-bräunlich behaart und vier Zentimeter lang und damit auffällig lang im Vergleich zum Körper. Am Ende haben die Beine schwarze Spitzen.

Wie erkennt man die Nester?

Die Nester sind nicht zu übersehen: Sie sind aus weißer Spinnenwolle gewebt und faustgroß. Diese Gespinste sollte man keinesfalls öffnen. Die Spinnen fühlen sich bedroht, reagieren aggressiv und beißen schnell zu. Gefährlich wird es auch, wenn Fußgänger versehentlich die Gespinste im Gras streifen. Hubert Höfer hält jedoch einen Befall durch Zecken als ungleich gefährlicher durch die übertragbaren Krankheiten.

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