2. September 2026, 16:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Wanzen sind in vielen Gärten heimisch und meist harmlos. Allerdings breitete sich in den letzten Jahren eine Art in Deutschland aus, die Landwirten und Hobbygärtnern Probleme bereiten kann. Welche Wanze das ist und welche Arten man noch kennen sollte, verrät myHOMEBOOK.
Wanzen gibt es in unzähligen Arten. Obwohl sie für den Menschen nicht gefährlich sind, nehmen viele ihre Anwesenheit als unangenehm wahr. Für die Natur sind Wanzen allerdings bedeutsam, da sie Schädlinge fressen und das ökologische Gleichgewicht aufrechterhalten. Andere Wanzenarten können jedoch Obst, Gemüse und Zierpflanzen befallen oder werden zu blutsaugenden Parasiten.
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Übersicht
Welche heimischen Wanzen gibt es?
Die Bettwanze und die Feuerwanze gehören wohl zu den bekanntesten Wanzenarten in Deutschland, dabei ist die Vielfalt bei Weitem größer. Eine Sache haben viele Wanzen hierzulande gemeinsam. Fühlen sie sich bedroht, können sie fiese Gerüche ausstoßen. Das soll eigentlich Fressfeinde abschrecken. Der intensive Geruch sorgt jedoch auch bei Menschen oft für Unmut, besonders wenn sich die Tiere in die Wohnung verirren.
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1. Ruderwanze
Kennen Sie schon das lauteste Tier der Welt? Es ist die Ruderwanze. Kaum zu glauben, aber die nur zwei Millimeter kleine Wanze erzeugt ein Geräusch von rund 100 Dezibel. Das ist etwa so laut wie ein Presslufthammer. Verglichen mit ihrer Körpergröße, ist Micronecta scholtzi, so ihre wissenschaftliche Bezeichnung, damit das lauteste bekannte Tier und steht damit im Guinness Buch der Rekorde.
Kurios ist auch, wie und wo die Ruderwanze diese Lautstärke erzeugt, und zwar unter Wasser und mit ihrem Penis. Richtig gelesen. Mit dem gerippten Fortpflanzungsorgan reibt sich eine männliche Ruderwanze über den Bauch und erzeugt so das Zirpen, das für Sexualpartner unwiderstehlich ist.
Da es sich unter Wasser abspielt, hören Menschen das Geräusch viel leiser am Uferrand eines stehenden Gewässers wie Gartenteich, Tümpel oder Weiher. Mitunter verirrt sich die musikalische Wanze auch in den Pool im Garten. Für Menschen ist das wundersame Wesen ungefährlich und sollte unbedingt in Ruhe gelassen werden.
2. Bettwanze
Während man Ruderwanzen nur ins Herz schließen kann, sieht es bei diesen Wanzen ganz anders aus. Aus dem Urlaub bringen viele Menschen ungebetene Gäste mit ins eigene Bett: Die Rede ist von Bettwanzen (Cimex lectularius), die in der Kleidung und im Koffer quer durch die Welt reisen. Doch auch durch gebrauchte Möbel, die man bei einem Bummel auf dem Flohmarkt gekauft hat, können die Parasiten ins eigene Heim einziehen. Sie dann wieder loszuwerden, ist nicht leicht.
Übrigens: Bettwanzen verlassen nach ihrem Blutmahl das Bett. Sie verkriechen sich dann zum Schutz in Ritzen, an der Bettunterseite, hinter Holzleisten oder gerne auch hinter Lichtschaltern. Also dorthin, wo auch Agenten ihre Abhörgeräte verbergen. Daher stammt der Name Wanze.
3. Staubwanze
Wandert eine Staubflocke gezielt über den Boden, obwohl die Fenster geschlossen sind und es nicht zieht, ist womöglich eine Staubwanze unterwegs. Die Larve dieser Wanzen schützt sich vor Fressfeinden, indem sie sich mit Staub und Schmutz überhäuft. Die Partikel bleiben am klebrigen Drüsenhaar haften. Ausgewachsene Staubwanzen sind ohne Tarnung schwarz und länglich in der Form. Sie werden rund 17 Millimeter lang.
Die Wanze, hierzulande auch als „Große Raubwanze“, „Kotwanze“ oder „Maskierter Strolch“ bekannt, sucht durchaus Schutz in menschlichen Behausungen, vor allem da, wo es gerne mal staubt: in alten Häusern und auf Dachböden, in Geräteschuppen und Ställen.
Staubwanzen meiden in der Regel den Menschen und stechen nur zu, wenn sie sich bedroht fühlen. Der Stich ist allerdings ziemlich schmerzhaft, für ihre tierischen Opfer sogar tödlich. Staubwanzen ernähren sich von kleinen Insekten und Vorratsschädlingen. Und auch Bettwanzen stehen auf ihrem Speisezettel.
4. Feuerwanze
In großen Gruppen tauchen Feuerwanzen oft wie aus dem Nichts im Frühling auf. Die roten Käfer gelten nicht als Schädlinge und sind demnach für die meisten Pflanzen im Garten kein Problem. Trotzdem stören sich viele Hobbygärtner an ihnen.
Feuerwanzen sollten Sie ebenso wenig mit der Hand anfassen. Denn Berührung danken sie, wie viele andere Wanzen, mit dem gefürchteten, übelriechenden Sekret. Man kann sich gar nicht oft genug danach die Hände waschen, um den Geruch wieder loszuwerden.
5. Reis- und Baumwanze
Aus dem Ausland eingeschleppt, haben sich die Grüne Reiswanze und die Marmorierte Baumwanze inzwischen vor allem in Süddeutschland ausgebreitet. Doch auch in Richtung Norden sind die Schädlinge unterwegs, warnt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.
Beide Wanzenarten saugen an Gemüse wie Paprika, Peperoni, Gurken, Zucchini und Bohnen. Auch Tomaten bleiben nicht verschont. Auf diese Weise ändert sich der Geschmack der Pflanzen, sodass sie für den Menschen ungenießbar werden. Dabei verursachen sie nicht nur Schäden an den Früchten, sondern auch an Blüten, Blättern und Stängeln. Auch in Ostdeutschland kommt die Marmorierte Baumwanze immer häufiger vor und verursacht erhebliche Ernteschäden.
Baumwanzen werden umgangssprachlich häufig als Stinkwanzen bezeichnet, weil sie ein unangenehm riechendes Wehrsekret produzieren und in Gefahrensituationen absondern. Eine bekannte Stinkwanze ist die Grüne Stinkwanze, die sich im Herbst gerne durch geöffnete Fenster oder Ritzen ins Haus verirrt und sich ein ruhiges Plätzchen zum Überwintern sucht. Ein einzelnes Wanzen-Weibchen legt bis zu 450 Eier ab. Die Larven schlüpfen nach ein paar Tagen und vermehren sich dank des langen Sommers noch im selben Jahr.
Helge May vom Naturschutzbund erklärt dazu: „Zwar gehört die sehr häufige Grüne Stinkwanze (Palomena prasina) zu den Baumwanzen. Aber stinkende Wanzen sind nicht unbedingt Stinkwanzen. Neben der Grünen Stinkwanze sondern weitere Baumwanzenarten bei Gefahr übelriechende Sekrete ab, allerdings längst nicht alle. Zoologisch sind Baumwanzen eine artenreiche Familie der Wanzen, aus der bei uns in Deutschland gut 50 Arten vorkommen (darunter Kohl- und Gemüsewanze, Beerenwanze, Graue Gartenwanze sowie die invasiven Arten Marmorierte Baumwanze und Grüne Reiswanze). Auch Arten aus anderen Wanzenfamilien sondern bei Gefahr Sekrete ab, zum Beispiel die häufige Lederwanze. Deren Geruch wird von uns in der Regel als nicht ganz so unangenehm empfunden.“