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Experten klären auf

Warum im Herbst so viele Spinnen in die Wohnung kommen

Können Spinnen wie die Kreuzspinne wirklich das Wetter voraussagen?
Können Spinnen wie die Kreuzspinne wirklich das Wetter voraussagen?Foto: Getty Images

Krabbeln Spinnen durch die Wohnung, ist der Schreck meistens groß. Obwohl die Tiere nicht gerade beliebt sind, handelt es sich dennoch um Nützlinge. Vor allem im Herbst kommen sie nach drinnen. Warum ist das so?

Spinnen werden oft unterschätzt: Sie sind nicht nur nützlich, indem sie etwa Stechmücken und Fliegen in Zaum halten und mit ihren fragilen Netzen einfangen. Spinnen sind zudem auch faszinierende Lebewesen, die mit einer Vielzahl an Sinnesorganen ausgestattet sind. Allerdings ekeln sich auch viele vor den Krabbeltieren. Besonders aktiv sind Spinnen vermeintlich im September und Oktober, also im frühen Herbst. Das besagt sogar eine alte Bauernregel: „Wenn im September die Spinnen kriechen, sie bereits den Winter riechen“. Wie bei allen landläufigen „Weisheiten“ dieser Art stellt sich dabei natürlich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt. myHOMEBOOK hat bei Spinnen-Experten nachgefragt.

Wie reagieren Spinnen auf den Herbst?

Rund 1000 verschiedene Spinnenarten leben in Deutschland, weiß Prof. Dr. Wolfgang Nentwig vom Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. Der Arachnologe hält jedoch nicht viel von der Bauernregel: „Im Grunde ist den meisten Spinnenarten das Nahen des Winters egal, da sie mit kälteren Tagen ohnehin sterben“, erklärt der Forscher. „Sie überwintern meist im Eistadium, nur vergleichsweise wenige Arten überwintern als Jungtiere oder gar erwachsenes Tier. Diese reagieren auf den Temperaturabfall gegen Jahresende, suchen sich dann geschützte Orte und stellen ihren Stoffwechsel auf Kälteschutz um.“

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Was ist der Grund für die höhere Aktivität?

Auch Dr. Jason Dunlop, Spinnenforscher und Kurator am Museum für Naturkunde Berlin, ist bei der Bauernregel skeptisch. Zumindest sei eine Wetterfühligkeit bei Arachniden nicht bewiesen. Dunlop hat jedoch eine ganz andere Erklärung: „Spinnen sind in der Tat häufig im September in Wohnräumen anzutreffen, vor allem die auffällig große Hauswinkelspinne“, erklärt der Wissenschaftler. „Der Hintergrund ist aber, dass für viele Spinnen im Herbst die Paarungszeit stattfindet. Die Männchen verlassen ihr Versteck und laufen herum, um Weibchen zu suchen.“

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Können Spinnen wirklich das Wetter vorhersagen?

Zudem gäbe es Arten, die ganzjährig aktiv sind. „Sich bewegende Spinnen im September anzutreffen („kriechen“), hat daher im Prinzip nichts damit zu tun, dass sie den Winter „riechen“ und sich womöglich auf eine eventuelle Überwinterung einstellen.“ Spinnen können also nicht, wie in der Bauernregel behauptet, den Wintereinbruch vorhersagen, besitzen jedoch einige ausgereifte Sinnesorgane, mit denen Sie ihre Umwelt wahrnehmen. Zudem sind diese auch recht gut untersucht, meint Nentwig. Spinnen können demnach:

  • Bewegung in der Luft und Vibration des Bodens wahrnehmen
  • Geruchsstoffe auf Oberflächen riechen oder schmecken
  • Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck und CO2-Gehalt der Luft messen
  • Sehen (schwarz-weiss, einige in Farbe, auch UV) 

Somit können Spinnen beispielsweise feststellen, ob es im Augenblick zu nass ist, um ein Radnetz zu bauen. Dann warten sie damit noch ein paar Stunden oder einen Tag. Das habe jedoch nichts mit der Bauernregel zu tun, die Spinnen eine Wetterfühligkeit zuschreibt. Dem Spinnenforscher ist es also ein Rätsel, wie die Tiere laut Bauernregel das zukünftige Wetter messen oder erkennen sollten. Dafür fehlen ihnen schlichtweg die nötigen Sinnesorgane.

Quellen:
Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern
Museum für Naturkunde Berlin

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